Die Zukunft hat begonnen
Elektromobilität ist Realität: 20 Prozent des Kärntner Privatverkehrs könnte mittelfristig mit Strom abgewickelt werden. Eine Serie über Entwicklungen, Chancen und Perspektiven.

Foto © Repro: Phino/aus Historisches Postkartenmotiv: Von 1911 bis 1963 setzte man in Klagenfurt auf Elektromobilität, die ?Bim“ war Hauptverkehrsmittel _ mit bis zu 15 Millionen Fahrgästen jährlich
Es war nicht nur die angesehene britische Tageszeitung "Herald Tribune", die am 1. November 1907 ihren Lesern mitteilte: "Nun ist es Mr. Thomas Edison gelungen, die Batterie zu verbessern. Es heißt, schon in wenigen Monaten würden Elektrofahrzeuge auf den Markt kommen, die wenig kosten und fast keine Wartung benötigen." Ein Trugschluss, denn: Mit der Erfindung des Elektrostarters für Verbrennungsmotoren begann 1912 der Siegeszug der spritbetriebenen Motoren. Damals wie heute gab es Startschwierigkeiten für die Elektromobilität. 1909 wurde eine elektrische Wörther See- Bahn um 2,2 Millionen Kronen (heute knapp neun Millionen Euro) geplant, aber nicht umgesetzt.
Bim und Öffis
Klagenfurt setzte aber, wie viele Städte Europas, mit der elektrischen Straßenbahn und Oberleitungsbussen (kurz O-Bus genannt) früh auf E-Mobilität. 1911 wurde die "Bim" zum Hauptverkehrsmittel. "1943 wurde für die Straßenbahn zum Rekordjahr mit 15,8 Millionen Fahrgästen und 1,9 Millionen Fahrzeugkilometern", schreiben Gerhard Mayr und Hans-Georg Prix in ihrem Buch "Die Klagenfurter Straßenbahn". Bis 1963 prägten die "Elektrische" und ab 1944 O-Busse den Verkehr. Letztere beförderten alleine 1947 3,42 Millionen Personen. Die Lindwurmstädter waren zwischen 1912 und 1963 in ihren "Öffis" umweltfreundlicher unterwegs als heute. Dennoch zog 1963 Bürgermeister Hans Ausserwinkler den Stecker. Das Aus für den elektrisch betriebenen öffentlichen Verkehr in Klagenfurt.
Elektromobilität
Aktuell feiert die E-Mobilität wieder einmal einen Frühling. Umweltproblematische Akkus (Blei, Nickel-Cadmium)wurden von leistungsfähigeren Lithium-Ionen-Batterien abgelöst. Mehr Leistung bei größerer Reichweite und Ladezeitverkürzung machen Elektrofahrzeuge salonfähig. Ende 2009 waren in Kärnten 318.063 fossil betriebene Personenwagen angemeldet. Demgegenüber stehen 46 angemeldete Elektroautos, deren Zahl wächst. Kleine "grüne Flotten" vom Lebensland Kärnten und der Kelag sind klare Signale an eine abgasfreie Autofahrerzukunft. Heute können Serienautos binnen elf Tagen auf E-Betrieb umgebaut werden. "Die Zulassung dauert drei Monate und kostet bis zu zweitausend Euro", sieht Oliver Hromada vom Verein Eurosolar Kärnten die Politik in Sachen Bewusstseinsbildung und Infrastruktur gefordert.
Features
Wussten Sie, dass...
...ein PS die Leistung ist, die erbracht werden muss, um einen Körper mit einer Masse von 75 Kilogramm entgegen dem Schwerkraftfeld der Erde mit einer Geschwindigkeit von einem Meter pro Sekunde zu bewegen?
...eine Kilowattstunde (kWh) Strom für sieben Stunden fernsehen bedeutet oder eine 25-Watt-Lampe 25 Stunden lang leuchten lässt?
...ein fossiler Pkw 20 Prozent der Energie in Bewegung umsetzt, den Rest in Wärme?
...die Klimaziele 2020 der EU eine Senkung der Treibhausgase um 20 Prozent vorsehen, der Anteil der erneuerbaren Energie ebenso um 20 Prozent steigen soll wie die Energieeffizienz?
...Tanken an den Kelag-E-Ladesäulen in Kärnten bis Ende 2011 gratis ist?







