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Zuletzt aktualisiert: 01.12.2009 um 20:55 UhrKommentare

Obamas Grüne Wende gerät ins Stocken

Mit dem Amtsantritt Barack Obamas in den USA änderte sich auch die Klimastrategie in den Vereinigten Staaten. Nachdem man jahrelang tatenlos zugesehen hatte, wollen die USA sich nun bessern.

Der Hummer ist ein benzinfressendes Symbol des American Way of Life

Foto © APDer Hummer ist ein benzinfressendes Symbol des American Way of Life

Es goss in Strömen, als Susan Solomon an diesem Morgen zur Arbeit radelte. Jeden Tag fährt die Klimaforscherin auf ihrem Fahrrad zur Wetter- und Ozeanographiebehörde in Boulder, Colorado. Seit ihre Arbeiten ergeben haben, dass der Klimawandel nicht rückgängig zu machen ist, will die 53-Jährige nicht mehr ins Auto steigen. "Wenn ich es benutze, füge ich dem Planteten Schaden für tausend Jahre zu", sagt sie. Was ist dagegen schon ein bisschen Regen?

Die US-Forscher zählten einst zu den Ersten, die vor den Folgen der Klimaerwärmung warnten. Heute hinken die USA im internationalen Kampf gegen die Treibhausgase weit hinterher. Der von Präsident Obama gestartete Motor der grünen Wende stottert, der Senat ringt seit Monaten um ein Gesetz zur CO2-Limitierung. Bis zur Kopenhagener Klimakonferenz nächste Woche geht sich kein Beschluss mehr aus - zu groß sind die Widerstände der vielen von Kohle abhängigen Regionen und ihrer politischen Vertreter.

Dass Obamas Klimabeauftragter Todd Stern in Dänemark dennoch ein fixes US-Ziel von 17 Prozent weniger CO2 auf den Tisch legen wird, geschieht aus der Not heraus. Allzu ambitioniert ist dieser Wert ohnehin nicht. Die USA berechnen ihre Reduktionen vom Referenzjahr 2005 aus, während Europas 20-Prozent-Ziel auf den Werten von 1990 basiert.

"Endlich bewegen"

Unter den amerikanischen Wissenschaftlern schüttelt man über das zähe Vorankommen den Kopf. Der Physiker John Holdren, Wissenschaftsberater des Präsidenten, ist überzeugt, dass die USA diesmal ein weltweites Klimaabkommen mittragen müssen. Ein nationales Gesetz ist dafür Voraussetzung. "Welche CO2-Ziele es genau festschreibt, ist gar nicht so wichtig. Aber wir müssen uns endlich bewegen."

Hinter den Kulissen ist diese Bewegung inzwischen spürbar angelaufen. Am "Center for a New American Security" in Washington D.C. erforschen Analysten, wie sich die neuen Klimabedingungen auf die strategische Lage der USA auswirken werden. Aus Klimamodellen und Prognosen über Flüchtlingsströme entstehen Zukunftsszenarien. Analystin Chistine Parthemore hat keine Zweifel: "Der Klimawandel ist die größte Bedrohung für die amerikanische Sicherheit."

Wissen und Handeln

Bei den Menschen auf der Straße sind solche Überlegungen noch nicht angekommen. Zwar ist der Umweltschutzgedanke in US-Medien allgegenwärtig. Doch die Klimakrise steht für die meisten Bürger weit unten auf der Liste der Probleme. "Die Leute wissen, was zu tun wäre, aber sie halten es nicht für nötig, aktiv zu werden", sagt Carol Tang von der Kalifornischen Akademie der Wissenschaften. Für eine Klima-Ausstellung hat sie mit ihrem Team Hunderte Besucher befragt.

Mitverantwortlich für diese Einstellung sind Organisationen wie die einflussreiche Washingtoner Heritage Foundation. Ihre Proponenten bestreiten beharrlich die Gefahr des Klimawandels. Einer Umfrage des Instituts Pew zufolge halten nur 57 Prozent der Amerikaner die Erderwärmung für bewiesen. 2006 waren es noch 77 Prozent gewesen. Dabei hätten die USA einen weiten Weg vor sich. 84 Prozent der Energie kommen aus dem Verheizen von Öl, Kohle und Gas. Im Pro-Kopf-Ausstoß von CO2 sind die Amerikaner Weltspitze.

Dass das nicht so sein muss, beweist San Francisco. Die Metropole der surrenden Cable Cars feilt seit Jahren am Image einer grünen Stadt. Per Mausklick kann heute jeder Bürger sein Hausdach auf seine Tauglichkeit für Sonnenstrom prüfen. Ein ähnliches Service arbeitet die Stadt für Windkraft aus. Dazu kommen Programme für Energiesparen und Recycling. San Francisco stößt heute sieben Prozent weniger CO2 aus als 1990.

Plastiksackerl sucht man in den großen Kaufhäusern der Stadt vergeblich. Niemand habe sich je darüber beklagt, sagt Calla Rose Ostrander von der städtischen Umweltabteilung. "Die Leute arbeiten freiwillig am gemeinsamen Ziel mit." Vielleicht, so meint man in der einstigen Hippie-Stadt, gelinge die Wende auf diesem Weg doch noch.

GÜNTER PILCH, WASHINGTON

USA UND DAS KLIMA

Die Vereinigten Staaten sind der zweitgrößte Treibhausgasproduzent der Welt - sie wurden 2006 von China überholt. Im Pro-Kopf-Ausstoß liegen die Amerikaner jedoch meilenweit vor den Chinesen (siehe Grafik).
In Kopenhagen wollen sich die USA laut eigenen Ankündigungen zu 17 Prozent weniger CO2 bis 2020 verpflichten. Basisjahr wäre 2005.





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