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    Zuletzt aktualisiert: 23.11.2011 um 20:34 UhrKommentare

    Jeder Tag ist für sie ein Kampf

    Die Diagnose Multiple Sklerose stürzt eine junge Frau in schwere Existenznöte. Neue Schübe fesseln sie immer wieder an den Rollstuhl. Doch sie wehrt sich mit allen Kräften.

    Der Rollstuhl ist für Ute eine Horrorvorstellung. Doch wenn die Krankheit sich verschlimmert, ist sie auf ihn angewiesen

    Foto © www.corbisimages.com (Sujetbild)Der Rollstuhl ist für Ute eine Horrorvorstellung. Doch wenn die Krankheit sich verschlimmert, ist sie auf ihn angewiesen

    Als ihre Verspannungen zunahmen und das "Kreuzweh" immer schlimmer wurde, führte Ute P.* dies auf die Arbeit zurück. Vom Stress am Fließband war sie immer sehr mitgenommen, ihre Bandscheiben waren in schlechtem Zustand. Doch als sie ihre Hände nicht mehr richtig bewegen konnte und die rechte Gesichtshälfte wie "eingeschlafen" war, suchte sie einen Arzt auf. Mit Verdacht auf einen Schlaganfall wurde sie ins Krankenhaus eingeliefert. Eine Gehirnuntersuchung brachte die niederschmetternde Diagnose: Multiple Sklerose. Von heute auf morgen. Ute konnte nicht mehr reden, nicht mehr alleine essen, nicht mehr gehen. Sie hatte Lähmungen, litt an spastischen Krämpfen. Auch eine Sehstörung stellte sich ein. Sie hat ein eingeschränktes Gesichtsfeld. Lesen kann sie nicht mehr. Heute, nach langer Rehabilitation, kann Ute, die früher eine begeisterte Schwimmerin, Rollerskaterin und Schifahrerin war, wieder reden und manchmal gehen, wenn auch langsam und mühsam.

    Die Krankheit - kurz MS genannt - befällt das zentrale Nervensystem und zerstört die Schutzhülle der Nerven. In den betroffenen Fasern werden Nervenreize schlechter weitergeleitet. Schubweise kommt die chronisch-entzündliche Erkrankung immer wieder und führt bei Ute zu Spasmen und Gleichgewichtsstörungen. Mit Schaudern erinnert sich Ute P. an jenen schweren Schub, als sie an das Bett gebunden werden musste, um nicht von Krämpfen geschüttelt herauszufallen. Ihre Blase entleert nicht mehr richtig, sie muss seit zwei Jahren einen Katheter setzen. Manchmal ist sie auf den Rollstuhl angewiesen. Die Kosten für Rollstuhl und Gehrollator musste sie selber berappen, da die Krankenkasse keine Genehmigung erteilte. "Alleine traue ich mich nicht nach draußen gehen, weil ich keine Orientierung mehr habe", erzählt Ute verzweifelt und kämpft mit den Tränen.

    Ein Jahr lang hat sie gebraucht, um die schlimme Wahrheit zu akzeptieren, sie wurde psychologisch betreut. "Ich konnte und wollte es nicht glauben, dass ich nie mehr arbeiten kann, nie mehr Auto fahren, nie mehr Sport betreiben, nie mehr normal leben so wie früher." Lange habe sie dagegen angekämpft, nun habe sie gelernt, dass sie sich abfinden und zufriedengeben müsse. Aber aufgeben will sie sich nicht. "Jeder Tag ist ein Kampf", sagt sie und macht brav ihre Übungen, die die Muskeln trainieren sollen. "Wenn ich am Morgen aufstehen kann, bin ich schon glücklich."

    Damit die Spasmen, die schweren Muskelkrämpfe, nicht so häufig auftreten, muss Ute P. ein Medikament einnehmen, das die Muskeln entspannt. Dadurch kann sie sich zwar bewegen, wird aber völlig benebelt. Meist schläft sie schon nachmittags ein.

    Im Haushalt kann sie nicht mehr viel erledigen, duschen kann sie auch nicht mehr alleine. Eine Heimhilfe kommt morgens eine Stunde, ihre Tochter hilft ihr wenn möglich beim Kochen. Ihr Partner hat sie verlassen, als er von ihrer Krankheit erfuhr, sie blieb auf den hohen Kosten für die Wohnung und den Schulden alleine sitzen. Da die Invaliditätspension niedrig ist, hat sich ein gehöriger Mietrückstand angesammelt. Die Delogierung konnte gerade noch verhindert werden. Ute kommt mit ihren Zahlungen nicht zurecht, weil sie den geistigen Überblick nicht mehr hat. Ihre Eltern sind Mindestrentner und können ihr nicht helfen.

    Ute P. wird regelmäßig zur Physiotherapie in eine andere Stadt gefahren, die Krankenkasse übernimmt nur einen Teil der Kosten. Irgendwann wird die Kranke im Rollstuhl sitzen müssen, doch das will sie so lange wie möglich hinauszögern. Ihr zweiter großer Wunsch: so lange wie möglich alleine auf die Toilette gehen zu können. "Ein bisserl funktionieren möchte ich schon noch", betont Ute P. "Ich bin noch so jung. Ich versuche, von Tag zu Tag neue Hoffnung zu schöpfen."

    * Name von der Redaktion geändert

    ELKE FERTSCHEY

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