Eine Frau stürzte ins Bodenlose
Alleinerziehende Mutter wird wegen Blutgefäßtumor arbeitsunfähig und leidet an Folgeschäden einer Hirnoperation. Ungezahlte Versicherungsbeiträge stürzten sie in Schulden.

Foto © Viktor Kuryan/Fotolia | Symbolbild
Als bei Annika* Schwindel, Übelkeit und Kopfweh auftauchten, dachte sie erst an einen Sonnenstich. Als sie plötzlich auf einem Ohr nichts mehr hörte, ging sie zum Arzt. Die Diagnose nach einer MRT-Untersuchung konnte sie anfangs gar nicht glauben: multiple Blutgefäßtumore im Gehirn. Die zahlreichen Einblutungen hatten zu den Symptomen geführt, die immer schlimmer wurden. Annika wurde am Gehirn operiert. Die Taubheit am Ohr blieb, ebenso die Störung des Gleichgewichts, eine Lähmung der rechten Gesichtshälfte kam hinzu, weil der Gesichtsnerv bei der Operation verletzt worden war. Annika konnte nicht mehr laufen, nicht Rad fahren, sehr schwer gehen.
Nach drei Monaten in einer Rehaklinik ging es der alleinerziehenden Mutter einer kleinen Tochter wieder etwas besser, sie nahm sogar teilweise ihre selbstständige Tätigkeit wieder auf, die sie mit den Händen im Sitzen verrichten kann. Doch ihre Reizschwelle war niedrig, sie vertrug keinen Lärm und auch nicht, wenn mehrere Personen gleichzeitig redeten. Sie war geschwächt und wurde sehr schnell müde. Letztendlich konnte sie nur noch ganz wenige Kunden annehmen, der verpflichtende Versicherungsbeitrag, den sie einzahlen musste, überstieg ihre Einnahmen bei Weitem. Dass sie auf diesem Wege in Schulden stürzte, war ihr gar nicht klar.
Lange Zeit war Annikas große Stütze ihre Mutter, die ihr im Haus und bei der Betreuung des Kindes half und sie immer wieder psychisch aufmunterte. Doch als vor wenigen Jahren die geliebte Mutter, die Annikas beste Freundin war, plötzlich verstarb, verlor Annika den Boden unter den Füßen. Die Krankheitssymptome verstärkten sich.
Nach erneutem Krankenhausaufenthalt die zweite niederschmetternde Diagnose: wieder waren Blutgefäße geplatzt, neue Einblutungen, die Blutgefäßgewächse hatten sich auf viele Ebenen im Gehirn verteilt. Die Prognose der Ärzte: man stirbt nicht daran, aber man wird wahrscheinlich gelähmt oder sonst wie behindert. Eine zweite Operation brachte keine Besserung. Annika kann kaum alleine gehen, weil sie Gefahr läuft, zu stolpern oder hinzufallen. Wenn sie außer Haus geht, braucht sie jemanden, der sie unterhakt. Zu allem Überfluss hat sie sich, als sie aufgrund des gestörten Gleichgewichts in der Wohnung stürzte, auch noch einen schmerzhaften Kreuzband- riss zugezogen, der sie noch immobiler macht. Die Hilflosigkeit verstärkt ihre Depressionen, oft ist sie nicht einmal mehr fähig, die Tür aufzumachen, wenn jemand anklopft.
Wie soll sie den Umzug in eine andere Wohnung schaffen? Sie muss umsiedeln, weil die derzeitige Wohnung nun zu teuer geworden ist. Die Delogierung konnte gerade noch abgewendet werden, das Verfahren wegen der ungezahlten Versicherungsbeiträge läuft. Die Arbeitslosenunterstützung, die Annika erhält, beläuft sich nur auf wenige hundert Euro, weil sie so wenig verdient hat. Der Kindesvater zahlt kaum. Für das Auto, das sie auf Kredit gekauft hatte und nun verkaufen musste, erhielt sie nur einen geringen Preis. Annika hofft auf den Erfolg einer speziellen Physiotherapie, die sie unbedingt beginnen möchte. Doch auch dafür fehlt im Moment das Geld. Seit drei Jahren leistet sie sich keine Winterschuhe, um ihrer Tochter bieten zu können, was sie braucht. Annika möchte wieder arbeiten, sobald es ihr besser geht. Doch bis dahin bittet sie um eine Überbrückungshilfe.
* Name von der Redaktion geändert
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