Schmerz raubt ihr die Kraft zum Leben
Schwere Wirbelsäulenschädigungen und schmerzhafte Operationen machten junge Mutter arbeitslos und ihr Leben zur Qual.

Foto © Reuters/ Symbolbild
Seit 15 Jahren leidet Elisabeth K. unter entsetzlichen Schmerzen. Ihre Wirbelsäule kann den schmächtigen Körper kaum tragen. Der ärztliche Befund, der die Schädigungen der Bandscheiben und Knochen beschreibt, ist eine Seite lang. Mehrere Operationen musste die ehemals sehr sportliche, im Verkauf tätige zweifache Mutter hinnehmen. Vor vier Jahren wurde ihr eine Metallplatte in den Rücken implantiert, um die gleitenden Wirbel zu stabilisieren.
"Nach der Operation habe ich drei Monate lang nur im Stehen gegessen, ich konnte nicht sitzen", erzählt Elisabeth K. Leider hat ihr der implantierte Titankäfig nicht geholfen - im Gegenteil. Die Schrauben der Platte drücken permanent auf die Nerven und verursachen große Schmerzen im Rücken und in den Beinen. Elisabeth K., die früher sehr flott unterwegs war, kann weder lange sitzen, noch lange stehen oder gehen. Ganz gerade liegen mit angewinkelten Beinen bereitet am wenigsten Schmerzen. Manchmal kann sich die geschiedene Alleinerzieherin von zwei Teenagern kaum aus dem Bett erheben, es kommt immer wieder vor, dass sie sich zwei Wochen lang nicht alleine anziehen oder duschen kann.
Die brav lernenden Kinder sind fast den ganzen Tag in der Schule, die im gleichen Haus wohnende Mutter ist pflegebedürftig. Elisabeth K. würde sich gerne mehr um sie kümmern, kann aber nicht. Oft fühlt sie sich völlig überfordert und verzweifelt. Ihre Arbeit kann sie nicht mehr ausführen, weil sie nicht lange im Auto sitzen kann, auch eine Schreibtischtätigkeit wäre unmöglich. Ihr Problem: Da ihr nur 40 Prozent Invalidität bescheinigt wird, erhält sie keine Invaliditätspension. Sie lebt von 630 Euro Pensionsvorschuss und muss an allen Ecken und Enden sparen. Viel Geld hat sie für Therapien und Wahlärzte ausgegeben, offene Arztrechnungen und die Leasingrate für das vor der Operation angeschaffte Auto belasten sie schwer. Für Medikamente braucht sie 100 Euro, für Physiotherapie 400 Euro pro Monat. Die Krankenkasse zahlt nicht einmal ein Viertel davon.
Schmerzen und Schulden - eine teuflische Kombination, die bei Elisabeth K. immer stärkere Depressionen verursacht. Wie soll sie eine neue Zugangstreppe zu ihrem Hausteil finanzieren? Die bestehende Stiege ist steil wie eine Hühnerleiter und für Elisabeth K. jedes Mal eine gefährliche Herausforderung. Früher habe sie zwei Stufen auf einmal genommen, erzählt sie. Doch seit der letzten Operation seien viele Bewegungen eine Qual. Immer wieder ziehe der Schmerz vom Rücken über den Nacken bis zum Kopf. "Da glaubst du, es zieht dir das Hirn heraus", versucht die Leidende eine Beschreibung.
Neue Operation
Natürlich hat sie unterschiedlichste Ärzte konsultiert, erhält Medikamente und Infiltrationen ins Rückenmark. Doch der schmerzstillende Effekt hält meist nicht lange an. Manchmal fühlt sie sich nach einer Infiltration wie gelähmt, spürt ihre Beine nicht mehr. Möglicherweise soll das Implantat wieder entfernt werden, die Ärzte sind sich nicht einig. Elisabeth K. würde gerne eine neue Ausbildung beginnen und einen helfenden Beruf ausüben. Doch erst muss sie sich finanziell stabilisieren, damit die Existenzängste etwas weniger werden und sie sich mit der Vorstellung einer weiteren Operation auseinandersetzen kann. Wenn sie lange Zeit nichts tun kann, wer kümmert sich dann um die Kinder? Und wie soll sie nach der Operation das Haus verlassen, wenn sie die Treppe nicht mehr bewältigt und niemand da ist, der ihr helfen kann? Wenn sie zumindest diese Sorge los wäre, wäre ihr schon sehr geholfen, beteuert Elisabeth K. Die Hoffnung, wieder einmal den Alltag bewältigen zu können, würde ihr Auftrieb geben.
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Kärntner in Not
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