Europa: Kälte fordert weitere Opfer
Die Zahl der Kältetoten in Europa steigt auch am Sonntag weiter an. Meist sind Obdachlose die Opfer.

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Polen
Die Zahl der Kältetoten in Polen ist erneut angestiegen. Wie ein Polizeisprecher am Sonntag mitteilte, fielen in der Nacht zu Sonntag erneut acht Menschen der Kälte zum Opfer, die meisten von ihnen Obdachlose. Seit Beginn der Kältewelle sind damit landesweit bereits 53 Menschen erfroren. Hinzu kommen mindestens sechs Todesfälle wegen Kohlenmonoxidvergiftungen in Wohnungen mit defekten Kohleöfen.
Angesichts der eisigen Temperaturen sollen in Polen zusätzliche Wärmestuben für Obdachlose eingerichtet werden. Ministerpräsident Donald Tusk hatte an die Betreiber von Notquartieren und Wärmestuben appelliert, alkoholisierten Schutzsuchenden nicht die Aufnahme zu verweigern.
Baltikum
Im Baltikum hat die Kältewelle weitere Menschen das Leben gekostet. Bei Temperaturen von unter minus 30 Grad sind in Litauen drei Menschen erfroren, berichtete das litauische Fernsehen am Samstagabend. Sieben weitere Menschen seien zudem mit Erfrierungen in Krankenhäuser gebracht worden.
In der Nacht auf Sonntag starb zudem ein Mensch bei einem Brand im estnischen Ostseebad Pärnu, meldete das Nachrichtenportal Delfi. Auch in weiteren Städten Estlands und in den anderen beiden baltischen Staaten Lettland und Litauen kam es am Wochenende zu zahlreichen Bränden. Dabei erlitten einige Menschen Brandverletzungen oder Rauchvergiftungen. Defekte Heizanlagen oder verunreinigte Schornsteine verursachten mehrere Brände.
Italien
Die Kältewelle, die Italien seit Tagen im Griff hält, hat an diesem Wochenende mindestens zehn Todesopfer gefordert. Am Sonntag wurde ein Obdachloser in einem Park in Ostia bei Rom tot aufgefunden. In der Nähe war am Samstag bereits eine 48-jährige obdachlose Ukrainerin ums Leben gekommen. Ein 50-Jähriger erlag unweit der süditalienischen Stadt Avellino einem Herzinfarkt, während er Schnee vor seinem Haus schaufelte. In Avellino war am Samstag bereits eine 46-Jährige gestorben, nachdem ein Glashaus, in dem sie arbeitete, unter dem Druck des Schnees einstürzte, berichteten italienische Medien am Sonntag.
Wegen des heftigen Schnees kam es zu Stromausfällen in mehreren Teilen des Landes. Mindestens 85.000 Menschen mussten in Mittel- und Süditalien ohne Strom ausharren. Soldaten wurden in Bologna, Venedig, L'Aquila und in der Region Marche beim Schneeräumen eingesetzt. Innenministerin Annamaria Cancellieri appellierte an die Italiener, auf das Auto zu verzichten und zu Hause zu bleiben.
Ukraine
Bei der Extremkälte in der Ukraine sind am Wochenende erneut mindestens 30 Menschen erfroren. Die Zahl der Kältetoten stieg damit auf 131 in diesem Winter, wie das Zivilschutzministerium am Sonntag in Kiew mitteilte. Die meisten Opfer waren demnach Obdachlose. Im ganzen Land würden inzwischen mehr als 1.800 Menschen wegen Unterkühlung und Erfrierungen in Krankenhäusern behandelt.
In der früheren Sowjetrepublik meldete der Wetterdienst in den vergangenen Tagen Rekordtemperaturen von minus 30 Grad Celsius. Die Zahl der Wärmestuben in der Ukraine stieg weiter auf mehr als 3.000. Seit Beginn der Extremkälte am 27. Jänner hätten etwa 75.000 Menschen Hilfe gesucht und dabei auch um warmes Essen gebeten.
Im zweitgrößten Flächenland Europas leben viele Menschen unter ärmlichsten Bedingungen. Beobachter vermuten, dass die inoffizielle Zahl der Kältetoten deutlich höher ist. Nach offiziellen Angaben hat die Ukraine 100.000 Obdachlose, inoffiziell ist von mehr als 300.000 Menschen ohne ständige Bleibe die Rede. Die Zahl der Opfer steigt schon seit Tagen.










