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Zuletzt aktualisiert: 05.02.2012 um 05:10 UhrKommentare

"Habe Angst vor der Heizkostenrechnung"

Zu arm zum Heizen, Duschen oder Wäsche waschen: So wie Anneliese K. geht es Tausenden. Die Politik könnte ihnen helfen. In Schianzug, Wollmütze und Handschuhen sitzt sie in den eigenen vier Wänden.

Wenn die Kälte die Wohnung durchdringt: 64-jährige Kärntnerin in Winterkleidung

Foto © TraussnigWenn die Kälte die Wohnung durchdringt: 64-jährige Kärntnerin in Winterkleidung

In Schianzug, Wollmütze und Handschuhen zu rodeln oder Schi zu fahren, ist derzeit nicht ungewöhnlich. Doch völlig untypisch ist es, so in den eigenen vier Wänden zu sitzen, weil man sich die Heizkosten nicht leisten kann. Anneliese K. ist - wie berichtet - eine von 5000 Kärntnern, die zu Hause frieren müssen, weil sie kein Geld zum Heizen haben. Diese Menschen sind Opfer der "Strom-Armut".

"Ich habe Angst vor der Heizkostenrechnung", sagt die 64-Jährige, die an einer schweren Lungenerkrankung leidet, nur noch ein Lungenvolumen von 21 Prozent hat und ein Sauerstoffgerät zum Atmen braucht. "Ich kann mir das nicht leisten. Ich knabbere immer noch an den über 600 Euro der letzten Nachzahlung." Die Rentnerin muss von 790 Euro leben, die sie aus der Pflegestufe eins pro Monat zur Verfügung hat (2011 waren es nur 760 Euro.) "Sie muss jeden Cent zwei Mal umdrehen", sagt Karoline Dular vom Österreichischen Zivilinvalidenverband (OEZIV).

Deshalb sitzt Anneliese K. auch im dicken Schianzug in ihrem Wohnzimmer. "Ich heize nur vier Tage die Woche und dann auch nur das Wohnzimmer. Duschen traue ich mich nur ein Mal in der Woche. Und meine Wäsche wasche ich höchstens alle zehn Tage."

Das Schicksal teilen laut Volkshilfe 313.000 Österreicher, in Kärnten sind es 5000, so die Landes-SPÖ. "Wir bekommen täglich zig Anrufe, wo Menschen uns um Hilfe bitten", sagt Dular. So hat die OEZIV-Landesgeschäftsleiterin gerade erst für einen sozial schwachen jungen Mann Brennholz besorgt.

"Die Politik kann die Stromerzeuger mit dem Elektrizitätswirtschaftsorganisationsgesetz verpflichten, Menschen an der Armutsgrenze mit einem Mindestmaß an Strom zu versorgen", sagt Energiereferentin Beate Prettner: Das Recht auf Strom sei ein Grundrecht. Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner solle schnell helfen.

ESTHER FARYS

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