Springe zu: Inhalt | Hauptnavigation | Seitenleiste | Fußzeile
19. Juni 2013 21:27 Uhr | Als Startseite
Neu registrieren
Japan zwei Jahre nach "3/11" Belastung der Schilddrüsen bei Kindern enorm Voriger Artikel Japan zwei Jahre nach der Katastrophe: 15/20 Nächster Artikel Japan fuhr wieder einen Atomreaktor hoch US-Küstenwache feuerte auf Tsunami-"Geisterschiff"
Zuletzt aktualisiert: 05.07.2012 um 20:03 UhrKommentare

"Ein Desaster made in Japan"

Untersuchungsbericht: Missmanagement und Freunderlwirtschaft zwischen Regierung, Atomaufsicht und Betreiberfirma Tepco haben zur Katastrophe von Fukushima in Japan geführt.

Foto © APA

Nicht die Natur, der Mensch ist schuld am Nukleardesaster von Fukushima Daiichi. Das ist das Ergebnis eines Parlamentsberichts, der mit den Verantwortlichen scharf ins Gericht geht. Im Bericht heißt es, dass die Katastrophe eindeutig "menschengemacht" war - und nicht durch Naturgewalten, Erdbeben und Tsunami vom 11. März 2011, ausgelöst wurde.

Missmanagement und Freunderlwirtschaft zwischen Staat, Atomaufsicht und AKW-Betreiber Tepco sowie "unterlassene Aufsichtspflicht" hätten zum GAU geführt, der Zehntausende in die Flucht trieb und zu Flüchtlingen im eigenen Land machte. Dieser sei vermeidbar gewesen.

Es war erwartet worden, dass der unabhängige Parlamentsausschuss eine klare Sprache wählt und schwere Vorwürfe erhebt. Doch derart direkte Angriffe auf die Obrigkeiten sind ungewöhnlich für Japan - Land der respektvollen Gepflogenheiten.

Der Ausschuss nannte das Unglück "ein Desaster made in Japan", weil die Mentalität, die schließlich zum GAU geführt habe, im ganzen Land vorherrschend sei. Es könne nicht angehen, dass der Staat die Nuklearindustrie gleichzeitig fördere und überwache.

Eine verschwommene Rollenverteilung habe dazu geführt, dass weder Regierung, Behörden noch Tepco "korrekt funktionierten". Hinzu komme die traditionelle Zurückhaltung von Japanern, Autorität infrage zu stellen. Das Unglück "hätte verhindert" werden können, und "effizientere menschliche Reaktion" hätte die Folgen besser in den Griff kriegen müssen. "Aus Rücksicht auf wirtschaftliche Interessen wurden falsche Entscheidungen getroffen", heißt es im Bericht.

Auf allen Ebenen versagt

In einer internen Untersuchung von Tepco war man ja zum Schluss gekommen, dass das Ausmaß von Erdbeben und Tsunami "jenseits aller Vorstellungskraft" gewesen sei, womit sich der Energiekonzern etwas voreilig aus der Verantwortung stehlen wollte. Dies, obwohl hinreichend bekannt ist, wie Tepco in den Minuten nach der Flutwelle auf allen Ebenen versagte, über keinerlei Notszenarien in den Meilern verfügte, in denen drei Kernschmelzen ihren Lauf nahmen.

Erst ein Machtwort des damaligen Premiers Naoto Kan brachte Tepco zur Räson, worauf Notpersonal unter Einsatz des Lebens mit der Sicherung begann. Japans Nuklearindustrie habe die Gefahren zu lange beschönigt. Schließlich liege das Land auf einer tektonischen Platte mit hoher seismischer Aktivität. Damit stellt der Bericht auch die Sicherheit von Japans 50 Meilern infrage. Am Wochenende ist in Ohi der erste Reaktor seit März 2011 wieder hochgefahren worden.

Seit Donnerstag fließt in Japan nach einer mehrwöchigen Unterbrechung erstmals wieder Atomstrom. Trotz Großprotesten zeigt sich die Regierung unbeeindruckt. Japan brauche Atomstrom, erklärte Premier Yoshihiko Noda. Besagte Anlage sei Stresstests unterzogen worden und absolut sicher. Das allerdings wurde auch vor Fukushima immer beteuert.

DANIEL KESTENHOLZ

Grafik

Grafik © Kleine Zeitung, APA

Atomkraftwerke in JapanGrafik © Kleine Zeitung, APA

Die Katastrophe

Ein verheerendes Erdbeben und eine gewaltige Flutwelle führten am 11. März 2011 in Japan zum Atomunfall von Fukushima.

Das Erdbeben mit der Stärke 9,0 ist das bisher schwerste in der Geschichte Japans. Es löst auch einen Tsunami aus. Mehr als 260 Küstenstädte wurden zum großen Teil zerstört.

Die Naturkatastrophe fordert rund 15.800 Tote und mehr als 3.700 Vermisste.

Die Katastrophenregion um Fukushima ist auf Jahrzehnte oder noch länger unbewohnbar. Mehr als 100.000 Menschen müssen ihre Heimat verlassen, Tausende leben noch immer in Notunterkünften.

Über 10.000 Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser fließen in den Ozean. Es gerät 168 mal so viel Cäsium 137 in die Umwelt wie bei der Explosion der Hiroshima-Bombe.

 

Fotoserien

Fukushima: Mutationen bei Schmetterlingen 

Fukushima: Mutationen bei Schmetterlingen

 

KLEINE.tv

Fukushima: Rückkehr zur Atomenergie

Schweigeminute im Energieversorgungsunternehmen TEPCO. Mitarbeiter der F...Noch nicht bewertet

 


Die Erde bebt, die Kamera läuft

Viele Menschen haben das Geschehen in Japan in ergreifenden Videos festgehalten - ihre Aufnahmen dokumentieren das Ausmaß der Katastrophe. Außerdem: Video-Interviews mit Experten.

Atomkraftwerke rund um Österreich

200 Kilometer rund um Österreich stehen 31 Atomreaktoren. Auch in erdbebengefährdeten Gebieten.



Seitenübersicht

Zum Seitenanfang