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Zuletzt aktualisiert: 01.07.2012 um 17:01 UhrKommentare

Japan fuhr wieder einen Atomreaktor hoch

Ungeachtet wütender Proteste wurde ein Atom-Reaktor in Betrieb genommen - schon Mitte Juli soll ein weiterer folgen. Angeblich sei die Regierung in der Lage, eine nochmalige Katastrophe wie in Fukushima zu verhindern - Kritiker bezweifeln das.

Foto © AP

Wie japanische Medien am Sonntag berichteten, entfernte die Betreiberfirma Kepco im Reaktorblock 3 des Atomkraftwerks Oi gegen 21.00 Uhr (Ortszeit, 14.00 Uhr MESZ) die Blockadestäbe, die bisher eine atomare Kettenreaktion verhindert hatten. Ab Mittwoch soll der Reaktor dann wieder Strom produzieren.

Sonntag früh hatten hunderte Demonstranten die Zufahrt des im Westen Japans gelegenen Atomkraftwerks blockiert, um gegen die Wiederinbetriebnahme der Anlage zu protestieren. Bereits Samstagnacht hatten rund 650 Menschen vor der Atomanlage demonstriert. Es ist der erste Reaktor, der seit dem Unglück von Fukushima im März 2011 wieder ans Netz geht. Für Mitte Juli ist die Wiederinbetriebnahme eines weiteren Reaktors in Oi geplant.

Ende Mai war der letzte der 50 Atomreaktoren in Japan für Sicherheitsprüfungen heruntergefahren worden. Seitdem bezog Japan gar keinen Strom mehr aus der Atomkraft. Stattdessen erzeugte das Land seinen Strom mit Thermalkraftwerken. Die umliegenden Gemeinden und Provinzregierungen lehnten aus Sorge um die Sicherheit der Meiler ein Wiederanfahren der Reaktoren zunächst ab. Doch angesichts der wiederholten Warnungen der Atomindustrie und der Zentralregierung vor Stromausfällen in der Industrieregion Osaka gaben sie ihren Widerstand auf.

Regierungschef Toshihiko Noda entschied daraufhin, die Reaktoren 3 und 4 im Kraftwerk Oi nach Sicherheitsüberprüfungen wieder anzufahren. Reaktor 3 ist der erste und soll am 8. Juli voll in Betrieb sein. Er versorgt die Region Osaka mit Strom. Bis zum GAU in Fukushima infolge des Erdbebens und Tsunamis vom 11. März 2011 deckten die Atomkraftwerke in Japan rund 30 Prozent des Strombedarfs.

Die Regierung sei in der Lage, eine nochmalige Katastrophe wie in Fukushima zu verhindern, versicherte Noda. Kritiker bezweifeln das jedoch.


Die Katastrophe

Ein verheerendes Erdbeben und eine gewaltige Flutwelle führten am 11. März 2011 in Japan zum Atomunfall von Fukushima.

Das Erdbeben mit der Stärke 9,0 ist das bisher schwerste in der Geschichte Japans. Es löst auch einen Tsunami aus. Mehr als 260 Küstenstädte wurden zum großen Teil zerstört.

Die Naturkatastrophe fordert rund 15.800 Tote und mehr als 3.700 Vermisste.

Die Katastrophenregion um Fukushima ist auf Jahrzehnte oder noch länger unbewohnbar. Mehr als 100.000 Menschen müssen ihre Heimat verlassen, Tausende leben noch immer in Notunterkünften.

Über 10.000 Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser fließen in den Ozean. Es gerät 168 mal so viel Cäsium 137 in die Umwelt wie bei der Explosion der Hiroshima-Bombe.

 

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Die Erde bebt, die Kamera läuft

Viele Menschen haben das Geschehen in Japan in ergreifenden Videos festgehalten - ihre Aufnahmen dokumentieren das Ausmaß der Katastrophe. Außerdem: Video-Interviews mit Experten.

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