Springe zu: Inhalt | Hauptnavigation | Seitenleiste | Fußzeile
20. Mai 2013 22:50 Uhr | Als Startseite
Neu registrieren
Japan zwei Jahre nach "3/11" Japan fährt trotz scharfer Proteste Atommeiler hoch Voriger Artikel Japan zwei Jahre nach der Katastrophe: 18/20 Nächster Artikel US-Küstenwache versenkte "Geisterschiff" US-Küstenwache feuerte auf Tsunami-"Geisterschiff"
Zuletzt aktualisiert: 01.06.2012 um 14:06 UhrKommentare

Japan könnte bald wieder Reaktoren ans Netz bringen

Derzeit sind alle 50 Atommeiler in Japan abgeschaltet. Zum Wiedereinschalten wird die Zustimmung der umliegenden Gemeinden benötigt, doch der Widerstand der Lokalpolitiker wird langsam schwächer.

Foto © Reuters

Alles deutet darauf hin, dass voraussichtlich in Kürze zwei zu Wartungsarbeiten heruntergefahrene Reaktoren im Atomkraftwerk Oi in der Provinz Fukui wieder ans Netz gehen, die die Industrieregion Kansai mit der Großstadt Osaka mit Strom versorgen. Japans Ministerpräsident Yoshihiko Noda will schon bald eine Entscheidung fällen. Laut Medien hat er inzwischen genügend Unterstützung lokaler Politiker erhalten.

Es wäre das erste Mal seit Beginn der Katastrophe in Fukushima in Folge des Erdbebens und Tsunamis vom 11. März vergangenen Jahres, dass zu routinemäßigen Wartungsarbeiten heruntergefahrene Meiler wieder ans Netz kommen. Seit Anfang Mai dieses Jahres sind sämtliche 50 einsatzfähigen Reaktoren im Lande abgeschaltet. Stattdessen erzeugt Japan seinen Strom derzeit mit Thermalkraftwerken. Die umliegenden Gemeinden und Provinzregierungen lehnten aus Sorge um die Sicherheit der Meiler ein Wiederanfahren der Reaktoren bisher ab.

Warnung vor Stromausfälen

Die Zentralregierung in Tokio versucht seit geraumer Zeit alles, um wenigstens die beiden Reaktoren in Oi nach kürzlich bestandenem Stresstest wieder ans Netz zu bringen. Immer wieder warnten die Regierung und der regionale Stromversorger Kansai Electric vor Stromausfällen mit entsprechenden Folgen für die Wirtschaft. Die Strategie der Atomlobby scheint nun aufzugehen: Der wochenlange breite Widerstand gegen ein Anfahren der Oi-Reaktoren sei "abrupt" geschmolzen, schrieb die Wirtschaftszeitung "Nikkei" am Freitag.

Selbst der Bürgermeister der Millionen-Metropole Osaka, Toru Hashimoto, der bisher am lautesten Widerstand geleistet hatte, gab nach und akzeptierte ein - vorübergehendes - Hochfahren der Meiler. Offenbar wollten weder Hashimoto noch seine Kollegen das Risiko eingehen, im Fall von Stromausfällen mit Folgen für ihre Wirtschaft als Sündenbock dazustehen, so die "Nikkei". Zwar hat Regierungschef Noda erklärt, vor einer endgültigen Entscheidung erst noch die Zustimmung der Provinz Fukui und der Gemeinde Oi einzuholen, die von den Geldern des Kraftwerksbetreibers profitieren. Das Gemeindeparlament Oi hat jedoch bereits einem Hochfahren zugestimmt.

Und auch die Union der Regierungen der Region Kansai, eine Vereinigung von Gouverneuren und Bürgermeistern in Westjapan, hat in dieser Woche erklärt, dass sie die Entscheidung der Zentralregierung von Premier Noda akzeptieren werde - was einer Zustimmung zum Wiederanfahren gleichkommen dürfte. Was das für die weitere Energiepolitik des Landes bedeuten wird, bleibt zunächst abzuwarten.

Die lokalen Gouverneure wiesen darauf hin, dass ihre Zustimmung nur von vorläufiger Natur sei. So hat Osakas Bürgermeister Hashimoto erklärt, die beiden Reaktoren in Oi sollten lediglich in den schwülheißen Sommermonaten, wenn die Klimaanlagen auf Hochtouren laufen, Strom produzieren und dann wieder vom Netz genommen werden.

Bis dahin will die Regierung klar machen, welchen Anteil die Atomenergie an der Stromversorgung des Landes künftig haben soll. Die zur Diskussion stehenden Optionen reichen von einem Atomausstieg bis hin zum Ausbau.


Die Katastrophe

Ein verheerendes Erdbeben und eine gewaltige Flutwelle führten am 11. März 2011 in Japan zum Atomunfall von Fukushima.

Das Erdbeben mit der Stärke 9,0 ist das bisher schwerste in der Geschichte Japans. Es löst auch einen Tsunami aus. Mehr als 260 Küstenstädte wurden zum großen Teil zerstört.

Die Naturkatastrophe fordert rund 15.800 Tote und mehr als 3.700 Vermisste.

Die Katastrophenregion um Fukushima ist auf Jahrzehnte oder noch länger unbewohnbar. Mehr als 100.000 Menschen müssen ihre Heimat verlassen, Tausende leben noch immer in Notunterkünften.

Über 10.000 Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser fließen in den Ozean. Es gerät 168 mal so viel Cäsium 137 in die Umwelt wie bei der Explosion der Hiroshima-Bombe.

 

Fotoserien

Fukushima: Mutationen bei Schmetterlingen 

Fukushima: Mutationen bei Schmetterlingen

 

KLEINE.tv

Fukushima: Rückkehr zur Atomenergie

Schweigeminute im Energieversorgungsunternehmen TEPCO. Mitarbeiter der F...Noch nicht bewertet

 


Die Erde bebt, die Kamera läuft

Viele Menschen haben das Geschehen in Japan in ergreifenden Videos festgehalten - ihre Aufnahmen dokumentieren das Ausmaß der Katastrophe. Außerdem: Video-Interviews mit Experten.

Atomkraftwerke rund um Österreich

200 Kilometer rund um Österreich stehen 31 Atomreaktoren. Auch in erdbebengefährdeten Gebieten.



Seitenübersicht

Zum Seitenanfang