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Zuletzt aktualisiert: 28.04.2011 um 10:19 UhrKommentare

Jod über Österreich messbar: "verschwindend gering"

Die Auswirkungen des Reaktorunfalls von Fukushima sind auch über Österreich als Radioaktivität messbar. Allerdings sind die Werte derart gering, dass ein Risiko auszuschließen ist.

Foto © APA

Das erklärte Manfred Ditto vom Gesundheitsministerium bei einer Diskussionsveranstaltung zum Thema "Reaktorunfälle: medizinische Konsequenzen" der Gesellschaft der Ärzte in Wien am Mittwochabend in Wien.

Durchschnittlich kommt es innerhalb von 1.000 Sekunden über Österreich zu drei Zerfällen von radioaktivem Jod, das aus Fukushima stammt, so der Experte. Zum Vergleich: Im menschlichen Körper ereignen sich pro Sekunde rund 4.000 Zerfälle von natürlich vorkommendem, radioaktivem Kalium, so Ditto.

Laut US-Messstellen sind die Auswirkungen der Reaktorkatastrophe in Japan etwa auch über Kalifornien messbar, wenngleich in ähnlich hohen Verdünnungen wie über Europa. Die dem Unfall zuzuordnenden Zerfallsraten sind rund 100.000 Mal kleiner als die natürliche Hintergrundstrahlung. Eine Gefährdung der Bevölkerung könne daher ausgeschlossen werden, so Ditto.

Noch viele offene Fragen

Dennoch bleiben die Experten aufmerksam, zumal es zur Wirkung von geringen Mengen an radioaktiver Strahlung auf den Organismus noch viele offene Fragen gibt, wie Edgar Selzer von der Medizinischen Universität Wien berichtete. Was sich im menschlichen Körper abspielt, wenn er hohen Dosen an Radioaktivität ausgesetzt wird, ist relativ gut erforscht. Die Wirkung ist im Bereich von über 100 Millisievert - entspricht etwa der Belastung von Menschen auf der Raumstation ISS - linear. Linear bedeutet vereinfacht gesagt: Doppelte Belastung, doppelter Schaden, halbe Belastung, halber Schaden.

Unter der Dosis von 100 Millisievert werden Vorhersagen - etwa über erhöhte Krebsraten - deutlich schwieriger, so Selzer. Die Ursachen dafür sind verschiedene Mechanismen, mit denen Zellen auf Radioaktivität reagieren. So gibt es einerseits das Phänomen, dass Zellen nach geringer Bestrahlung weniger sensibel auf weitere Radioaktivität sind. Das bedeutet, dass weniger Schäden eintreten als zu vermuten wäre.

Andererseits gibt es aber auch verstärkende Mechanismen, etwa den sogenannten "Bystander-Effekt". Dabei kommt es durch Ausschüttung von Substanzen von betroffenen Zellen zu Schädigungen von eigentlich von der Strahlung nicht getroffenen Zellen. Insgesamt reagieren Zellen laut Selzer höchst unterschiedlich auf schwache radioaktive Strahlung, was die Sache zusätzlich kompliziert.


Die Katastrophe

Ein verheerendes Erdbeben und eine gewaltige Flutwelle führten am 11. März 2011 in Japan zum Atomunfall von Fukushima.

Das Erdbeben mit der Stärke 9,0 ist das bisher schwerste in der Geschichte Japans. Es löst auch einen Tsunami aus. Mehr als 260 Küstenstädte wurden zum großen Teil zerstört.

Die Naturkatastrophe fordert rund 15.800 Tote und mehr als 3.700 Vermisste.

Die Katastrophenregion um Fukushima ist auf Jahrzehnte oder noch länger unbewohnbar. Mehr als 100.000 Menschen müssen ihre Heimat verlassen, Tausende leben noch immer in Notunterkünften.

Über 10.000 Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser fließen in den Ozean. Es gerät 168 mal so viel Cäsium 137 in die Umwelt wie bei der Explosion der Hiroshima-Bombe.

 

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Die Erde bebt, die Kamera läuft

Viele Menschen haben das Geschehen in Japan in ergreifenden Videos festgehalten - ihre Aufnahmen dokumentieren das Ausmaß der Katastrophe. Außerdem: Video-Interviews mit Experten.

Atomkraftwerke rund um Österreich

200 Kilometer rund um Österreich stehen 31 Atomreaktoren. Auch in erdbebengefährdeten Gebieten.



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