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Zuletzt aktualisiert: 10.04.2011 um 13:41 UhrKommentare

Neue Suche nach Tsunami-Opfer

Japanische Soldaten haben am Sonntag in einer groß angelegten Aktion nach den 15.000 Vermissten gesucht. Bei der Katastrophe am 11. März starben fast 28.000 Menschen, knapp 13.000 Tote wurden bereits geborgen.

Suche nach Tsunami-Opfern

Foto © APSuche nach Tsunami-Opfern

Knapp einen Monat nach dem Mega-Beben und dem Tsnumai in Japan suchten Soldaten in der Katastrophenregion unter Trümmern und auf dem Meer nach fast 15.000 Vermissten. Rund 22.000 einheimische Soldaten und des US-Militärs durchkämmten am Sonntag den Nordosten der Hauptinsel Honshu. 90 Flugzeuge kamen zum Einsatz. Entlang der Pazifikküste suchten Taucher im Meer nach Vermissten. Die Behörden gehen davon aus, dass bei der Katastrophe am 11. März fast 28.000 Menschen starben, knapp 13.000 Tote wurden geborgen.

Kurze Rückkehr ins Katastrophengebiet

Ausgenommen von der großen Suchaktion ist nach Angaben des Fernsehsenders NHK die erweiterte 30-Kilometer-Zone rund um das havarierte Kernkraftwerk Fukushima Eins. Dagegen kehrten frühere Bewohner des Gebiets trotz des weiterbestehenden Strahlenrisikos kurzzeitig in ihre Heimat zurück. Die Menschen kamen, um sich ein Bild vom Zustand ihrer Wohnorte zu machen und nach persönlichen Habseligkeiten zu suchen, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo.

Nach der Katastrophe hatten die Behörden angeordnet, dass die Bewohner eine Sicherheitszone von 20 Kilometern um das Kraftwerk verlassen mussten. In einem Bereich von 20 bis 30 Kilometern wurden die Menschen aufgefordert, sicherheitshalber ihre Häuser freiwillig zu verlassen oder in geschlossenen Räumen zu bleiben. Noch immer harrten 150.000 Menschen in den 2.400 Notunterkünften aus.

Ministerpräsident Naoto Kan reiste am Sonntag ins Katastrophengebiet und sicherte den Opfern Unterstützung zu. Er versprach den Bau von 70.000 Notwohnungen für Flüchtlinge in der Region. In der verwüsteten Stadt Ishinomaki in der Präfektur Miyagi kündigte Kan Hilfe für Fischer an. Ausgewählte Häfen sollten besonders schnell wieder aufgebaut werden, zitierte Kyodo den Minister. Den Soldaten machte Kan bei einem Stopp in Higashi-Matsushima Mut für ihre weiteren Rettungsaktionen. Dem US-Militär dankte der Ministerpräsident für dessen Hilfe.

In der Atomruine Fukushima Eins kämpften Techniker auch am Wochenende gegen einen möglichen Super-GAU. Ein Arbeiter wurde ins Krankenhaus gebracht. Er hatte über Übelkeit geklagt, berichtete Kyodo. Nach dem Beben und dem Tsunami vor knapp einem Monat war die Stromversorgung ausgefallen, das Kühlsystem versagte. Seitdem wird zum Kühlen Wasser in die Anlage geleitet. Großes Problem: Die Arbeiter wissen nicht, wie sie die verstrahlten Wassermassen anschließend entsorgen sollen.

Japans Industrieminister Banri Kaieda sagte bei seinem Besuch in dem Krisen-AKW am Samstag, das hoch radioaktiv belastete Wasser solle demnächst in eine Entsorgungsanlage gebracht werden. Dies müsse so schnell wie möglich geschehen, zitierten japanische Medien den Minister am Sonntag. Ziel sei es, dass möglichst kein hoch radioaktiv verseuchtes Wasser mehr ins Meer gelange.

Der Kraftwerksbetreiber Tepco war am Sonntag dabei, die Einleitung schwach radioaktiven Wassers in den Pazifik abzuschließen. Dadurch soll Platz für das noch stärker belastete Kühlwasser geschaffen werden. Bisher hatten die riesigen Wassermengen die Bemühungen erschwert, die Anlage zu stabilisieren. Die Aktion war international umstritten, benachbarte Länder hatten sich besorgt gezeigt.

Tepco will mit Stahlwänden eine schlimmere Verseuchung des Pazifiks verhindern. Mit sieben Stahlplatten in den Maßen vier mal acht Meter soll die Meerwasser-Ansaugleitung an dem Meiler umschlossen werden. Arbeiter begannen am Samstag, an einem Zulauf am Reaktorblock 2 von Fukushima Eins Barrieren zu errichten. Am Block 2 in Fukushima war tagelang hochgiftige Brühe unkontrolliert in den Ozean geströmt - bis das Leck nach mehreren gescheiterten Versuchen gestopft werden konnte.

Im 180 Kilometer nördlich gelegenen Kernkraftwerk Onagawa blieb die Lage am Wochenende ruhig. Dort war bei einem Nachbeben der Stärke 7,1 am Donnerstag verseuchtes Wasser übergeschwappt. Nach den bisher heftigsten Erdstößen seit dem Mega-Beben vom 11. März waren am Samstag noch immer fast 270.000 Haushalte im Nordosten Japans ohne Strom.


Die Katastrophe

Ein verheerendes Erdbeben und eine gewaltige Flutwelle führten am 11. März 2011 in Japan zum Atomunfall von Fukushima.

Das Erdbeben mit der Stärke 9,0 ist das bisher schwerste in der Geschichte Japans. Es löst auch einen Tsunami aus. Mehr als 260 Küstenstädte wurden zum großen Teil zerstört.

Die Naturkatastrophe fordert rund 15.800 Tote und mehr als 3.700 Vermisste.

Die Katastrophenregion um Fukushima ist auf Jahrzehnte oder noch länger unbewohnbar. Mehr als 100.000 Menschen müssen ihre Heimat verlassen, Tausende leben noch immer in Notunterkünften.

Über 10.000 Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser fließen in den Ozean. Es gerät 168 mal so viel Cäsium 137 in die Umwelt wie bei der Explosion der Hiroshima-Bombe.

 

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