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Zuletzt aktualisiert: 08.04.2011 um 20:27 UhrKommentare

Wir bauen ein Heim für japanische Kinder

Die Kinder des Kinderheimes im japanischen Ichinoseki haben das Beben überlebt. Doch ihr Haus ist baufällig. Mit Hilfe aus Österreich sollen sie ein neues bekommen.

Haruki und Takume, beide fünf Jahre alt, beim Spielen im Kinderheim von Ichinoseki

Foto © CARITAS/KAZUSHI ABEHaruki und Takume, beide fünf Jahre alt, beim Spielen im Kinderheim von Ichinoseki

Wir schaffen das", steht auf dem Transparent an der Wand einer Sporthalle in der japanischen Stadt Ichinoseki. Auf dem Boden hocken und liegen viele Kinder. Die Halle wurde nach dem Beben am 11. März vorübergehend zum Notquartier der 60 Kinder des Kinderheims Fujinosono. Die ersten Tage nach der Katastrophe waren für die Kinder besonders schwer, psychisch wie physisch. Es gab keinen Strom und kein Wasser, in der Nacht sank die Temperatur auf unter null Grad.

Das Beben hat das Kinderheim nicht zerstört, doch so schwer beschädigt, dass es abgerissen werden muss. Dennoch kehrte Schwester Caelina Mauer, die Leiterin des Heimes, nach einer Woche von der Turnhalle ins Haus zurück. "Diesen Entschluss haben wir uns nicht leicht gemacht", meint die Nonne. "Nach einer Woche in der Halle mit null Privatsphäre haben wir auch die Grenzen der Kinder und Jugendlichen gesehen."

Erdbebensicher

Doch fest steht, in diesem Haus haben die Vier- bis 18-Jährigen keine Zukunft. Sie brauchen eine neue Unterkunft. Das Beben hat tiefe Risse in Mauern und Böden hinterlassen. Durch das Erdbeben vom vergangenen Donnerstag wurde das Haus noch stärker beschädigt. Teile des Heims sind unbewohnbar, die Kinder können damit nur noch in jenen Trakten untergebracht werden, die noch sicher sind. Eine Renovierung wäre zum einen kostspielig, zum anderen nicht zielführend: "Wir wünschen uns ein erdbebensicheres Heim, das dem heutigen Stand der Technik entspricht", so Schwester Caelina. Diesen Neubau wollen die Caritas und die Malteser mit Hilfe von Spenden aus Europa finanzieren. Auch die Kleine Zeitung, Vorarlberger Nachrichten, Tiroler Tageszeitung, Salzburger Nachrichten, Oberösterreichische Nachrichten und Niederösterreichische Nachrichten helfen bei diesem ehrgeizigen Vorhaben.

Gebraucht wird jede Spende - denn das neue Zuhause wird mehrere Millionen Euro kosten. Und Geld von der japanischen Regierung ist nicht zu erwarten: "Die Ressourcen werden derzeit an der Pazifikküste gebündelt", weiß die Nonne. Nur für jene Gebiete, die am schwersten von Erdbeben und Tsunami betroffen sind, gibt es Arbeitskräfte und finanzielle Unterstützung durch die Regierung. Außerdem ist die Region Ichinoseki nach dem jüngsten Beben nicht mehr erreichbar, da jegliche Verbindungen wieder unterbrochen sind. Zudem hat die Präfektur bereits beim Kinderheim angefragt, ob es nicht weitere Kinder aufnehmen kann. 50 Mädchen und Buben aus dem Großraum Ichinoseki sind durch das Erdbeben zu Waisen geworden. Im Gegenzug versucht das Heim derzeit, alle Schäden zu erfassen und bei der Präfektur einzureichen. Diese muss schließlich den Neubau genehmigen. "Wir werden einen langen Atem brauchen, bis das Ganze in Gang kommt", meint Schwester Caelina. Im Moment geht es darum, die Kinder mit dem Nötigsten zu versorgen. Darum sollen mit Teilen der Spendengelder vorerst Reis, Nudeln und Trinkwasser gekauft werden.

Geht es nach Schwester Caelina, will sie den Kindern, die zum Großteil aus einem schwierigen familiären Umfeld stammen, so schnell wie möglich wieder ein stabiles Umfeld geben. Denn die Kinder und ihre Betreuer haben nicht nur Angst vor weiteren Nachbeben, sondern auch vor Radioaktivität: Die 125.000-Einwohner-Stadt Ichinoseki liegt zwar im Landesinneren, ist aber nur 150 Kilometer vom AKW Fukushima entfernt.

Herzen und Häuser

Die Ordensschwester ist jedenfalls dankbar für jede Unterstützung: "Wir müssen hier viel wieder aufbauen - die Herzen der Menschen und die Häuser, in denen sie wohnen. Zeichen der Solidarität sind sehr willkommen."

HANNES GAISCH, MONIKA SCHACHNER

Gemeinsam schlagkräftig

Immer wieder landeten in den vergangenen Wochen Bilder von hungrigen, durstigen und unterkühlten Kindern aus Japan in den Redaktionen der heimischen Bundesländerzeitungen. Zurück blieben Betroffenheit und der Wunsch, etwas dagegen zu tun. Gemeinsam mit der Caritas und den Maltesern wurde nun eine bundesweite Hilfsaktion ins Leben gerufen, bei der wir unsere Leser um Spenden für die Versorgung der Kinder des Kinderheims in Ichinoseki und den Neubau des schwerbeschädigten Heimes bitten.

Caritas-Spendenkonto

PSK 7.925.700; BLZ 60000; Kennwort: Kinder in Japan

Kommentar

THOMAS GÖTZWir bitten u... von THOMAS GÖTZ

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Grafik © Kleine Zeitung

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Die Katastrophe

Ein verheerendes Erdbeben und eine gewaltige Flutwelle führten am 11. März 2011 in Japan zum Atomunfall von Fukushima.

Das Erdbeben mit der Stärke 9,0 ist das bisher schwerste in der Geschichte Japans. Es löst auch einen Tsunami aus. Mehr als 260 Küstenstädte wurden zum großen Teil zerstört.

Die Naturkatastrophe fordert rund 15.800 Tote und mehr als 3.700 Vermisste.

Die Katastrophenregion um Fukushima ist auf Jahrzehnte oder noch länger unbewohnbar. Mehr als 100.000 Menschen müssen ihre Heimat verlassen, Tausende leben noch immer in Notunterkünften.

Über 10.000 Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser fließen in den Ozean. Es gerät 168 mal so viel Cäsium 137 in die Umwelt wie bei der Explosion der Hiroshima-Bombe.

 

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Die Erde bebt, die Kamera läuft

Viele Menschen haben das Geschehen in Japan in ergreifenden Videos festgehalten - ihre Aufnahmen dokumentieren das Ausmaß der Katastrophe. Außerdem: Video-Interviews mit Experten.

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200 Kilometer rund um Österreich stehen 31 Atomreaktoren. Auch in erdbebengefährdeten Gebieten.



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