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Japan zwei Jahre nach "3/11" US-Küstenwache feuerte auf Tsunami-"Geisterschiff" Voriger Artikel Aktuelle Artikel: Japan zwei Jahre nach der Katastrophe Nächster Artikel Japan zwei Jahre nach "3/11" US-Küstenwache feuerte auf Tsunami-"Geisterschiff"
Zuletzt aktualisiert: 27.03.2011 um 21:50 UhrKommentare

Falsche Informationen schüren Todesangst

Das Zehnmillionenfache der normalen Strahlung sei gemessen worden, hieß es. Dann war vom 100.000-Fachen die Rede. SuperGAU, so oder so.

Foto ©

Es ist ein Widerspruch gemessen an der Dramatik der Ereignisse, aber ein durchaus menschliches Phänomen: Kaum jemand will sie noch hören, sehen oder über die immer neuen Schreckensbotschaften aus Japan lesen. "Die Sättigung ist erreicht", sagt Linda Pelzmann, Uni-Professorin für Psychologie, "je dramatischer die Ereignisse sind, desto mehr sucht man Ablenkung. Man will zum Alltag zurückkehren." Anders sei die Situation bei den Betroffenen, sagt Pelzmann: "Sie wollen jetzt nur hören, dass es aufwärts geht."

Vorerst scheint diese Hoffnung allerdings vergebens zu sein. Vieles deutet darauf hin, dass das AKW Fukushima auf den nuklearen SuperGAU zusteuert, sollte dieser nicht längst eingetreten sein. Selbst Experten zögern, die Lage einzuschätzen, zumal die Informationen des Betreibers widersprüchlich sind. Hieß es zunächst, aus Reaktor 2 sei Wasser mit dem Zehnmillionenfachen der zulässigen Strahlung ausgetreten, so machte Tepco später einen Rückzieher. Die Radioaktivität sei zwar besorgniserregend hoch, aber "nur" 100.000 Mal höher als normal, erklärte Sakae Muto, der Vizepräsident des Unternehmens. Die Arbeiten am Reaktor wurden jedenfalls gestoppt.

Suche nach Plutonium

Unklar ist, wie viele Tepco-Mitarbeiter bereits verstrahlt sind. Aber nicht nur sie bangen um ihr Leben. Im Meer nahe Fukushima steigt die Strahlung weiter: Das 1850-fache der Belastung mit radioaktivem Jod wurde gemessen. Tepco lässt im Boden nach hochgiftigem Plutonium suchen.

Entwarnung dürfte es noch lang nicht geben: "Die Krise kann noch Wochen oder Monate dauern", sagt Yukiya Amano, Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA. Die Behörden seien nicht sicher, ob die verbrauchten Brennstäbe und die Reaktorkerne mit genügend Kühlwasser bedeckt sind.

Immer noch nehmen die meisten Japaner ihr Schicksal wenigstens nach außen hin ruhig an.

Unvorstellbar ist, wie es im Inneren von hunderttausenden Menschen aussieht, die durch Beben und Tsunami Wohnung, Arbeit - und vor allem geliebte Menschen - verloren haben. Kaiser Akihito, den sein Volk einem Gott ähnlich verehrt, bewies jetzt erneut Menschlichkeit: Er ließ in Nasu die Kaiserliche Villa öffnen, wo durchfrorene Bewohner von Notlagern jetzt wenigstens heiße Bäder nehmen können.

In der japanischen Hauptstadt Tokio gingen gestern Massen aus Protest gegen den AKW-Betreiber Tepco auf die Straße. International ebbt die Welle des Widerstandes gegen die Kernenergie nicht ab: Hunderttausende nahmen am Wochenende in deutschen und italienischen Städten an Großdemonstrationen teil.

ELISABETH PEUTZ

Die Katastrophe

Ein verheerendes Erdbeben und eine gewaltige Flutwelle führten am 11. März 2011 in Japan zum Atomunfall von Fukushima.

Das Erdbeben mit der Stärke 9,0 ist das bisher schwerste in der Geschichte Japans. Es löst auch einen Tsunami aus. Mehr als 260 Küstenstädte wurden zum großen Teil zerstört.

Die Naturkatastrophe fordert rund 15.800 Tote und mehr als 3.700 Vermisste.

Die Katastrophenregion um Fukushima ist auf Jahrzehnte oder noch länger unbewohnbar. Mehr als 100.000 Menschen müssen ihre Heimat verlassen, Tausende leben noch immer in Notunterkünften.

Über 10.000 Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser fließen in den Ozean. Es gerät 168 mal so viel Cäsium 137 in die Umwelt wie bei der Explosion der Hiroshima-Bombe.

 

Fotoserien

Fukushima: Mutationen bei Schmetterlingen 

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KLEINE.tv

Fukushima: Rückkehr zur Atomenergie

Schweigeminute im Energieversorgungsunternehmen TEPCO. Mitarbeiter der F...Noch nicht bewertet

 


Die Erde bebt, die Kamera läuft

Viele Menschen haben das Geschehen in Japan in ergreifenden Videos festgehalten - ihre Aufnahmen dokumentieren das Ausmaß der Katastrophe. Außerdem: Video-Interviews mit Experten.

Atomkraftwerke rund um Österreich

200 Kilometer rund um Österreich stehen 31 Atomreaktoren. Auch in erdbebengefährdeten Gebieten.



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