"Wegwerf-Arbeiter" in Japan
Von Japans Atommafia bis zu Sklavenhaltern: Gruselgeschichten aus Japan gibt es derzeit ohne Ende.

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Tepco, die Betreiberfirma des Unglücks-AKW Fukushima, soll seit Jahren "Obdachlose, sehr viele Gastarbeiter, sogar Minderjährige" ins Atomkraftwerk geschickt haben. Diese schweren Vorwürfe erhebt der ARD-Korrespondent Robert Hetkämper.
Warum aber bleibt er der einzige Journalist, der von dieser Wahnsinnsstory weiß?
Im schon tief provinziellen, homogenen Fukushima, wo jeder Ausländer wie ein Paradiesvogel unter Raben auffällt, weiß niemand von den verstrahlten Gastarbeitern, von denen da berichtet wird. "Es sind oft Obdachlose", hieß es aber in der deutschen TV-Sendung "Aktuelle Stunde". "Es sind sehr viele Gastarbeiter, es sollen sogar Minderjährige dabei sein, die seit Jahren dort immer wieder angeheuert werden und dann, wenn sie eine Zeit lang dort gearbeitet haben und halbwegs verstrahlt sind, gefeuert werden. Wegwerfarbeiter hat man sie hier in Japan genannt."
Es muss wohl nicht ausdrücklich betont werden, dass Gastarbeiter und Tagelöhner auch in europäischen Atomkraftwerken nicht die hoch qualifizierten Arbeiten verrichten dürfen, sondern Billigjobs.
Doch weshalb viele westliche Medien seit der drohenden nuklearen Katastrophe so tun, als beherrsche eine Atommonstermafia Japan, bleibt undurchschaubar. Jeder Journalist muss wissen, dass eine bis zu 23 Meter hohe Tsunamiwelle auch in Europa die Bau- und Schutzgesetze neu schreiben würde. Japan wird viel vorgeworfen in diesen Tagen. Manche Kritik wird aufgenommen, manche nicht. Aber nie verfällt man im Land der aufgehenden Sonne dieser Hysterie, die viele Medien im Westen gepackt zu haben scheint, die Japans Post-Fukushima-Endzeit geradezu heraufbeschwören.
Blick von außen
Als jemand, der in Asien lebt und den Westen quasi von außen betrachten kann, hat man fast den Eindruck, dass so etwas wie Enttäuschung aufkommt, wenn es zwischendurch einmal heißt, dass die Lage im Atomkraftwerk Fukushima stabil ist. Schauerliche Breaking News im Minutentakt - das scheint für viele offenbar packender zu sein. Und die vielen Experten-Meinungen aus aller Welt machen die Welt mittlerweile so nervös, dass selbst in Amerika verängstigte Menschen Jodtabletten schlucken.
Nur die, die es betrifft, bewahren ruhig Blut. Die Japaner sagen: Ja, Milch, Spinat und auch Trinkwasser sind verstrahlt. Doch in einem Maße, die nicht zur Panik führen muss.
Vielleicht sollte man sich ja mehr an Harry Blustein halten, den ehemaligen Tokio-Korrespondenten der "Washington Post". Er lebt in Japan, und er will auch jetzt nicht weg. Blusteins Begründung: "Radioaktive Strahlung, so sagte man mir, ist ein eher schwaches Karzinogen."











