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Zuletzt aktualisiert: 21.03.2011 um 22:25 UhrKommentare

"Wegwerf-Arbeiter" in Japan

Von Japans Atommafia bis zu Sklavenhaltern: Gruselgeschichten aus Japan gibt es derzeit ohne Ende.

Foto © Reuters

Tepco, die Betreiberfirma des Unglücks-AKW Fukushima, soll seit Jahren "Obdachlose, sehr viele Gastarbeiter, sogar Minderjährige" ins Atomkraftwerk geschickt haben. Diese schweren Vorwürfe erhebt der ARD-Korrespondent Robert Hetkämper.

Warum aber bleibt er der einzige Journalist, der von dieser Wahnsinnsstory weiß?

Im schon tief provinziellen, homogenen Fukushima, wo jeder Ausländer wie ein Paradiesvogel unter Raben auffällt, weiß niemand von den verstrahlten Gastarbeitern, von denen da berichtet wird. "Es sind oft Obdachlose", hieß es aber in der deutschen TV-Sendung "Aktuelle Stunde". "Es sind sehr viele Gastarbeiter, es sollen sogar Minderjährige dabei sein, die seit Jahren dort immer wieder angeheuert werden und dann, wenn sie eine Zeit lang dort gearbeitet haben und halbwegs verstrahlt sind, gefeuert werden. Wegwerfarbeiter hat man sie hier in Japan genannt."

Es muss wohl nicht ausdrücklich betont werden, dass Gastarbeiter und Tagelöhner auch in europäischen Atomkraftwerken nicht die hoch qualifizierten Arbeiten verrichten dürfen, sondern Billigjobs.

Doch weshalb viele westliche Medien seit der drohenden nuklearen Katastrophe so tun, als beherrsche eine Atommonstermafia Japan, bleibt undurchschaubar. Jeder Journalist muss wissen, dass eine bis zu 23 Meter hohe Tsunamiwelle auch in Europa die Bau- und Schutzgesetze neu schreiben würde. Japan wird viel vorgeworfen in diesen Tagen. Manche Kritik wird aufgenommen, manche nicht. Aber nie verfällt man im Land der aufgehenden Sonne dieser Hysterie, die viele Medien im Westen gepackt zu haben scheint, die Japans Post-Fukushima-Endzeit geradezu heraufbeschwören.

Blick von außen

Als jemand, der in Asien lebt und den Westen quasi von außen betrachten kann, hat man fast den Eindruck, dass so etwas wie Enttäuschung aufkommt, wenn es zwischendurch einmal heißt, dass die Lage im Atomkraftwerk Fukushima stabil ist. Schauerliche Breaking News im Minutentakt - das scheint für viele offenbar packender zu sein. Und die vielen Experten-Meinungen aus aller Welt machen die Welt mittlerweile so nervös, dass selbst in Amerika verängstigte Menschen Jodtabletten schlucken.

Nur die, die es betrifft, bewahren ruhig Blut. Die Japaner sagen: Ja, Milch, Spinat und auch Trinkwasser sind verstrahlt. Doch in einem Maße, die nicht zur Panik führen muss.

Vielleicht sollte man sich ja mehr an Harry Blustein halten, den ehemaligen Tokio-Korrespondenten der "Washington Post". Er lebt in Japan, und er will auch jetzt nicht weg. Blusteins Begründung: "Radioaktive Strahlung, so sagte man mir, ist ein eher schwaches Karzinogen."


Die Katastrophe

Ein verheerendes Erdbeben und eine gewaltige Flutwelle führten am 11. März 2011 in Japan zum Atomunfall von Fukushima.

Das Erdbeben mit der Stärke 9,0 ist das bisher schwerste in der Geschichte Japans. Es löst auch einen Tsunami aus. Mehr als 260 Küstenstädte wurden zum großen Teil zerstört.

Die Naturkatastrophe fordert rund 15.800 Tote und mehr als 3.700 Vermisste.

Die Katastrophenregion um Fukushima ist auf Jahrzehnte oder noch länger unbewohnbar. Mehr als 100.000 Menschen müssen ihre Heimat verlassen, Tausende leben noch immer in Notunterkünften.

Über 10.000 Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser fließen in den Ozean. Es gerät 168 mal so viel Cäsium 137 in die Umwelt wie bei der Explosion der Hiroshima-Bombe.

 

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Fukushima: Rückkehr zur Atomenergie

Schweigeminute im Energieversorgungsunternehmen TEPCO. Mitarbeiter der F...Noch nicht bewertet

 


Die Erde bebt, die Kamera läuft

Viele Menschen haben das Geschehen in Japan in ergreifenden Videos festgehalten - ihre Aufnahmen dokumentieren das Ausmaß der Katastrophe. Außerdem: Video-Interviews mit Experten.

Atomkraftwerke rund um Österreich

200 Kilometer rund um Österreich stehen 31 Atomreaktoren. Auch in erdbebengefährdeten Gebieten.



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