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Zuletzt aktualisiert: 18.03.2011 um 11:52 UhrKommentare

Experte: "Weitere Explosionen verhinderbar"

Das Vorhaben der Betreiber des japanischen Unglücksreaktors Fukushima eins, nämlich das Kraftwerk unter einer Schicht aus Sand und Beton zu begraben, hielte Helmuth Böck vom Atominstitut der Technischen Universität Wien (TU) für den falschen Weg.

Foto © AP

Für Sarkophage a la Tschernobyl sei es "fünf bis sieben Jahre" zu früh. Außerdem sei die Situation der beiden Unglücks-AKWs absolut nicht vergleichbar. Böck hält eine Normalisierung der Lage in Fukushima für durchaus denkbar.

Nun sei es wichtig, dass die Brennelemente rasch gekühlt werden. Aktuell sorgt - neben Wasserwerfern und Hubschraubern - auch ein Dieselgenerator für die Zufuhr von Wasser in die Abklingbecken, berichtete am Freitag die IAEO. Laut Böck sollte diese Vorgangsweise dazu führen, dass sich die Temperaturen in den beschädigten Reaktorblöcken bald wieder normalisiert haben. Anschließend könne mit der Analyse begonnen werden.

"Nachdem man alles unter Kontrolle gebracht hat, wird wohl ein längeres Untersuchungsprogramm anlaufen, das genau ermittelt, wie der Ablauf war", so Böck im APA-Gespräch. Für den Atom-Experten von der TU Wien wäre deshalb ein Sarkophag quasi ein möglicher Schlusspunkt, der jedoch in ferner Zukunft liegt.

"Die meisten Druckbehälter sind in Ordnung, auch die Brennelemente. Die kann man dann aus den Reaktoren entfernen wie bei einem normalen Wechsel. Denn durch das hineingepumpte Wasser sinkt schließlich auch der Strahlenpegel. Jetzt einfach Beton drüberzuschütten und zu sagen: das wars, gehen wir nach Hause, wäre der völlig falsche Weg", sagte Böck.

Der Wissenschafter zeigte sich überdies verwundert, dass man aus der ersten der beiden Explosionen im AKW Fukushima offenbar nicht genügend Lehren gezogen habe: "Man hätte verhindern müssen, dass es zu einer kritischen Mischung zwischen Wasser- und Sauerstoff kommt. Da genügt dann schon ein Funke, ein Schalter - und das ganze fliegt in die Luft. Es hätte durchaus Möglichkeiten gegeben, das besser zu machen. Weitere Explosionen sollten also eigentlich zu verhindern sein."


Die Katastrophe

Ein verheerendes Erdbeben und eine gewaltige Flutwelle führten am 11. März 2011 in Japan zum Atomunfall von Fukushima.

Das Erdbeben mit der Stärke 9,0 ist das bisher schwerste in der Geschichte Japans. Es löst auch einen Tsunami aus. Mehr als 260 Küstenstädte wurden zum großen Teil zerstört.

Die Naturkatastrophe fordert rund 15.800 Tote und mehr als 3.700 Vermisste.

Die Katastrophenregion um Fukushima ist auf Jahrzehnte oder noch länger unbewohnbar. Mehr als 100.000 Menschen müssen ihre Heimat verlassen, Tausende leben noch immer in Notunterkünften.

Über 10.000 Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser fließen in den Ozean. Es gerät 168 mal so viel Cäsium 137 in die Umwelt wie bei der Explosion der Hiroshima-Bombe.

 

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Viele Menschen haben das Geschehen in Japan in ergreifenden Videos festgehalten - ihre Aufnahmen dokumentieren das Ausmaß der Katastrophe. Außerdem: Video-Interviews mit Experten.

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