Die Spätfolgen von Tschernobyl
Weite Gebiete in Österreich strahlen noch immer als Folge der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl.

Foto © APZerstörte Bedienpulte stehen im Leitstand des Reaktors Nummer Vier im Kernkraftwerk in Tschernobyl in der Ukraine, der am 26. April 1986 explodiert war
Auch 25 Jahre nach dem Super-GAU von Tschernobyl sind die Folgen der Katastrophe in Österreich noch mess- und spürbar. Besonders in jenen Gebieten des Landes schlagen die Messgeräte noch immer stark aus, wo im April 1986 heftige Regenfälle den radioaktiven Staub aus dem zerstörten Reaktor über unser Land verteilten. Besonders betroffen vom giftigen Fallout, dem radioaktiven Niederschlag, waren Salzburg, das südliche Oberösterreich, Kärnten und die Steiermark. Hier ging der radioaktive Regen besonders über der Koralm, Weinebene, die Schladminger Tauern und das Tote Gebirge und nieder. Mit schleichenden gesundheitlichen Spätfolgen.
"Je nach Studie muss man zwischen 500 und 1600 Toten ausgehen, die zumindest statistisch auf die dieses Ereignis zurückzuführen sind", sagt Ewald Plantosar, Strahlenschutzbeauftragter des Landes Steiermark. Bestimmte Krebserkrankungen wie Leukämie oder Schilddrüsenkrebs lassen sich auf die große Strahlenbelastung von damals zurückführen.
Belastete Wildschweine
Vor allem das Kernspaltprodukt Cäsium 137 mit einer Halbwertszeit von ca. 30 Jahren ist noch immer reichlich in den belasteten Gebieten anzutreffen, mit bis zu 100 Kilobecquerel wie die Strahlenkarte des Umweltamtes zeigt.
Pilze, Wild und frei im Wald lebende Wildschweine sind am meisten belastet, zeigt dazu eine Untersuchung der Gesundheitsagentur Ages. Deshalb, weil im unbearbeiteten Waldboden Cäsium 137 viel leichter aufgenommen wird als auf Acker oder Wiese. Wildschweine weisen dabei sogar doppelt so hohe Dosen auf wie etwa Rehe, weil sie durch das Wühlen in der oberen Waldbodenschicht am meisten mit Cäsium belastete Nahrungsbestandteile aufnehmen.
Man müsste aber schon eine große Menge an Wild(schwein) verzehren, um auf eine Strahlenbelastung zu kommen, die der natürlichen jährlichen Strahlung entspricht. Strahlenexperte Ewald Plantosar gibt daher Entwarnung: "Die Belastungen im Boden als auch in Pilzen oder im Wild aus den betroffenen Gebieten gibt es zwar, sind aber keineswegs gesundheitsgefährdend." Hochkontaminiertes Wildbret sollte man dennoch meiden.
Features
25 Jahre danach
In jenen Gebieten, in denen 1986 das radioaktive Cäsium 137 niederging, ist auch jetzt noch, 25 Jahre danach, die radioaktive Verstrahlung messbar. Cäsium baut nach 30 Jahren die Hälfte seiner gefährlichen Kraft ab. Laut Behörden besteht aber heute keine unmittelbare Gefahr für die Gesundheit.
Fallout war über den Bergen am größten
Heftige Regenfälle verteilten nach dem Super-GAU von Tschernobyl im April 1986 den radioaktiven Staub über weite Teile des Bundesgebietes. Vor allem auf das südliche Oberösterreich, Salzburg, Kärnten und die Steiermark ging damals eine Cäsium 137-Wolke nieder.












