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Zuletzt aktualisiert: 17.03.2011 um 08:29 UhrKommentare

In Krško kein Atom-Schock

Keine Spur von Angst oder gar Panik. Die Katastrophe in Japan könnte aber in Slowenien dennoch eine Debatte über die Atomkraft anstoßen.

Foto © Kimeswenger

Was geht in einem Zweimillionenvolk mit dem Atommeiler Krško im Land vor dem Hintergrund der Atomkatastrophe in Japan vor? "Wir sind entspannt, völlig entspannt", versichert Borut Hocevar, stellvertretender Chefredakteur der Tageszeitung "urnal24" in Laibach. "Sorgen der Nachbarn verstehen wir. Ohne eine breite Zustimmung aus der EU wird es wahrschlich auch den angestrebten Bau des zweiten Krško-Reaktorblockes nicht geben. Angst oder gar Panik gibt es aber nicht", so der 50-jährige Journalist. Rund 30.000 User verzeichnet die "urnal24"-Onlineplattform derzeit. Negativmeinungen in den Foren zum Kernkraftwerk im eigenen Land gibt es kaum.

Als "lebenden Beweis eines mündigen Bürgers", der mit dem Kernkraftwerk aufgewachsen ist, präsentiert sich Matej Koir (36), ein Kollege Hocevars. Sein Elternhaus steht rund sechs Kilometer Luftlinie vom Atommeiler entfernt. Sein Vater war vom ersten Tag an Elektriker im Kernkraftwerk, die Mutter in den 1990er-Jahren bei den "Grünen". "Die Sicherheitsstandards sind hoch. In Krško kennt jeder jemanden, der direkt oder indirekt mit dem Kraftwerk zu tun hat. Es hat nie eine wirkliche Angst vor gesundheitlichen Schäden gegeben", erzählt Koir.

Drei Arbeiter verstrahlt

Als vor wenigen Jahren bei Servicearbeiten drei Arbeiter mit einer Jahresdosis verstrahlt wurden, hat der Journalist die Informationen mit als Erster an die Öffentlichkeit gebracht. "Es wurden sofort Konsequenzen gezogen. Die Arbeiter wurden ein Jahr lang in strahlungsfreien Bereichen des Unternehmens eingesetzt", so Koir.

Das Ökobewusstsein in Slowenien ist hoch, es ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten gewachsen. Genauso wie das Vertrauen in das 1981 in Betrieb und 1983 ans Netz gegangene Kernkraftwerk. Selbst bei Umweltgruppierungen in der in sich gespaltenen und teilweise zerstrittenen grünen Szene Sloweniens scheint Krško kein explosives Thema zu sein. "Die Ereignisse in Japan sind ein Beweis mehr, dass über einen Atomausstieg beraten werden muss", betont "Greenpeace"-Slowenien-Sprecher Dean Savi. Ob plakative Aktionen gegen Krško geplant sind? Savi: "Eher nein. Das Problem ist nicht der Betrieb, sondern die offenen Fragen um das Atommüll-Endlager."

Sehr differenziert sieht die Lage auch Ale Sua. Seine Plattform "Grüner Kreis" hat bei den letzten Gemeinderatswahlen über 400 Stimmen auf sich vereint. Der 37-jährige Saxofonist der RTV-Big-Band sitzt seitdem als "kritischer Geist" im Gemeinderat. Zwischen sieben und neun Millionen Euro zahlt die Kraftwerk-Betreibergesellschaft jedes Jahr in die Kasse der 24.000-Einwohnergemeinde. "Ich bin kein Kraftwerksgegner. Unser Bestreben ist es, dass die Entschädigungen für die Nutzungsminderungen von Hunderten Hektar Land zweckgebunden und streng kontrolliert in Maßnahmen zur Verbesserung der ökologischen Lebensqualität investiert werden." Ein Beispiel: Forcierung des Öko-Landbaus, Ausbau der klein- und mittelständischen Wirtschaftsstrukturen als klare Absage gegen Neoliberalisierung und Globalisierung.

Ablehnung wächst

Generell glauben umweltbewegte Bürger, dass nach Fukushima die Ablehnung von Atomkraft auch in Slowenien wachsen wird. Die Tageszeitung "Slowenske Novice" veröffentlichte in der Dienstagausgabe Spekulationen eines Wissenschafters, wonach die Save als Kühlader des Kernkraftwerkes infolge eines Erdbebens versiegen könnte. Und man grub ein Zitat des Jugoslawiengründers Josip Broz Tito aus, der bei der Krško-Grundsteinlegung 1974 meinte: "Eigentlich würde ich hier lieber den Grundstein für eine Mühle legen, die das Getreide der so wunderbar fruchtbaren Krško-Ebene mahlen sollte."

PETER KIMESWENGER, KRŠKO

Die Katastrophe

Ein verheerendes Erdbeben und eine gewaltige Flutwelle führten am 11. März 2011 in Japan zum Atomunfall von Fukushima.

Das Erdbeben mit der Stärke 9,0 ist das bisher schwerste in der Geschichte Japans. Es löst auch einen Tsunami aus. Mehr als 260 Küstenstädte wurden zum großen Teil zerstört.

Die Naturkatastrophe fordert rund 15.800 Tote und mehr als 3.700 Vermisste.

Die Katastrophenregion um Fukushima ist auf Jahrzehnte oder noch länger unbewohnbar. Mehr als 100.000 Menschen müssen ihre Heimat verlassen, Tausende leben noch immer in Notunterkünften.

Über 10.000 Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser fließen in den Ozean. Es gerät 168 mal so viel Cäsium 137 in die Umwelt wie bei der Explosion der Hiroshima-Bombe.

 

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Die Erde bebt, die Kamera läuft

Viele Menschen haben das Geschehen in Japan in ergreifenden Videos festgehalten - ihre Aufnahmen dokumentieren das Ausmaß der Katastrophe. Außerdem: Video-Interviews mit Experten.

Atomkraftwerke rund um Österreich

200 Kilometer rund um Österreich stehen 31 Atomreaktoren. Auch in erdbebengefährdeten Gebieten.



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