Auf der Suche nach Hoffnung
In Japans Nordosten kämpfen rund 500.000 Obdachlose in Eis und Schnee um ihr Leben. In Fukushima scheint der Super-GAU nicht zu vermeiden zu sein.

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Unvorstellbar ist die Situation der Tsunami-Opfer im Nordosten von Japan. Wie dramatisch die Lage ist, hat sich erneut gezeigt: Zum ersten Mal in der Geschichte wandte sich der Tenno in einer Fernsehansprache an das Volk. Alle TV-Programme wurden unterbrochen, um die Ansprache von Kaiser Akihito zu übertragen. "Ich hoffe aus der Tiefe meines Herzens, dass die Bevölkerung sich Hand in Hand mit Mitleid begegnet und diese schwierige Zeit überwindet", sagte der 77-Jährige. Er bete dafür, dass noch Opfer des Tsunami gerettet werden könnten, und dankte den Rettungskräften für ihren Einsatz.
Erschütternde Szenen
Deren Bemühungen sind ein Wettlauf gegen den Tod. Während die Welt gebannt die Ereignisse in Fukushima - und die Börsenkurse - verfolgt, spielen sich in unweit der defekten Reaktoren und auch in den Präfekturen Iwate und Miyagi, die der Tsunami fast vollends zerstört hat, erschütternde Szenen ab.
Mindestens 500.000 Menschen sind obdachlos, unter ihnen rund 100.000 Kinder. Nicht für alle reichen die Notquartiere. Eiskalt ist es seit Tagen. Jetzt hat noch dazu Schneefall eingesetzt. "Wir teilen uns zu siebent eine Decke", zitiert die japanische Zeitung "Mainchi Daily News" die 72-jährige Yotsuko Tanaka. Strom zum Heizen gibt es nicht, Wasser und Nahrung gehen aus.
Seit Tagen kämpfen sich Hilfstrupps dort, wo noch jüngst Straßen waren durch Trümmerberge. Wegen des Wetters kommen sie kaum vorwärts. Die Chance der Menschen, die Jahrhundertkatastrophe zu überleben, sinkt versinkt im Schnee.
"Leichengeruch und das dreckige Seewasser machen die Suche extrem anstrengend", sagte Yin Gunaghui, Mitglied eines chinesischen Rettungsteams. Mehrfach haben die Tsunami-Wellen die Häuser geflutet. Die Zahl der Toten und Vermissten ist auf mehr als 11.000 gestiegen. "Der Schnee kam flächendeckend. Die Sichtweite beträgt 40 Meter", sagt Patrick Fuller vom internationalen Roten Kreuz.
Extrem heiß geht es indes in Fukushima zu: Alles deutet darauf hin, dass Japan - und damit letztendlich die Welt - den Kampf gegen den drohenden Super-GAU verlieren dürfte.
Wasserwerfer zur Kühlung
Alle Versuche, die Brennstäbe zu kühlen, scheiterten bislang. Selbst die wenigen verbliebenen Arbeiter wurden vorübergehend abgezogen. Hubschrauber konnten wegen der hohen Radioaktivität kein Kühlwasser abwerfen. Wie verzweifelt die Lage ist, zeigt der Plan der Polizei, Wasserwerfer zur Kühlung einzusetzen.
Arbeiter räumten eiligst Trümmer beiseite und bauten für die Feuerwehr eine Straße zum Reaktor 4 des 240 Kilometer nördlich von Tokio gelegenen Kraftwerkskomplexes. Priorität hat laut Betreiber Tepco der Reaktor 3, dessen Dach durch eine Explosion beschädigt wurde.
Dieser Reaktor verwendet auch das hochgiftige Plutonium als Brennstoff. Das extrem krebserregende Schwermetall hat eine Halbwertzeit von 24.110 Jahren.
"Das ist ein langsam ablaufender Albtraum", sagt der Physiker und Plutonium-Experte Thomas Neff vom Massachusetts Institute of Technology (MIT).
Yukiya Amano, der Chef der Internationale Atomenergie-Organisation IAEO reist nach Fukushima. Ein unbemanntes Flugzeug des US-Militärs soll heute mit hochauflösenden KamerasKlarheit über das Innere der havarierten Reaktoren bringen.











