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Zuletzt aktualisiert: 15.03.2011 um 22:26 UhrKommentare

Keine Zeichen von öffentlichem Protest gegen Atomkraft

Es ist die schwerste Kernreaktorkatastrophe, doch von japanischen AKW-Gegnern fehlt jede Spur. Einzelne Gegner haben zwar vor langer Zeit vor Risiken gewarnt, doch die Öffentlichkeit glaubt an die "Erdbebensicherheit".

Foto © AP

Die Kernreaktorkatastrophe in Fukushima treibt in vielen Teilen Europas zornige AKW-Gegner auf die Straße. Und in Japan? Nichts.

In Tokios Regierungsviertel Chiyoda herrscht gespenstische Ruhe. Das japanische Volk erduldet das Geschehen und schweigt. Bis jetzt.

Polizisten bewachen die leeren Straßen zwischen Parlament, Ministerien und der Residenz von Premierminister Naoto Kan. Kein einziger japanischer AKW-Gegner weit und breit, der hier ein Transparent enthüllen würde. Auch an anderen öffentlichen Plätzen sucht man vergeblich nach Zeichen des öffentlichen Protests gegen eine Energiepolitik, die Japan nach den Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki erneut zum Opfer einer nuklearen Katastrophe machen könnte.

Dabei ist es keineswegs so, dass Japans Anti-Kernkraft-Bewegung in eine Schockstarre verfallen wäre - es gibt sie ja nicht einmal. Einzelne Gegner haben zwar schon vor langer Zeit vor den Risiken gewarnt, die von den Reaktoren ausgehen und in dem Inselstaat aufgrund der Erdbebengefahr noch höher sind als anderswo. Doch in der Öffentlichkeit hatte ihre Stimme nie großes Gewicht. Bereitwillig glaubten Öffentlichkeit und Politik den Zusicherungen der großen Kraftwerkskonzerne, die ihre Reaktoren immer vollmundig als "erdbebensicher" bezeichneten.

Zwar mussten die Betreiber in den vergangenen Jahren mehrfach eingestehen, dass sie Störfallberichte manipuliert hatten, allen voran die Tokyo Electric Power Company, Tepco, der das Krisenkraftwerk Fukushima gehört (siehe Seiten 12/13).

Doch selbst das reichte nicht aus, um eine Anti-Atomkraft-Bewegung ins Leben zu rufen, geschweige denn, auf ihrem Rücken eine Partei zu gründen.

Immerhin hat in den japanischen Medien die Debatte über die Zukunft der Energiepolitik begonnen. "Wir müssen in der Diskussion ganz von vorne anfangen und uns die Grundsatzfrage stellen, inwieweit wir uns, als erdbebenbedrohtes Land, auf Kernenergie verlassen können und ob die Sicherheit von Kernkraftwerken jemals gewährleistet werden kann", heißt es in der einflussreichen Zeitung "Asahi Shimbun" in einem Leitartikel. BERNHARD BARTSCH, TOKIO


Die Katastrophe

Ein verheerendes Erdbeben und eine gewaltige Flutwelle führten am 11. März 2011 in Japan zum Atomunfall von Fukushima.

Das Erdbeben mit der Stärke 9,0 ist das bisher schwerste in der Geschichte Japans. Es löst auch einen Tsunami aus. Mehr als 260 Küstenstädte wurden zum großen Teil zerstört.

Die Naturkatastrophe fordert rund 15.800 Tote und mehr als 3.700 Vermisste.

Die Katastrophenregion um Fukushima ist auf Jahrzehnte oder noch länger unbewohnbar. Mehr als 100.000 Menschen müssen ihre Heimat verlassen, Tausende leben noch immer in Notunterkünften.

Über 10.000 Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser fließen in den Ozean. Es gerät 168 mal so viel Cäsium 137 in die Umwelt wie bei der Explosion der Hiroshima-Bombe.

 

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Die Erde bebt, die Kamera läuft

Viele Menschen haben das Geschehen in Japan in ergreifenden Videos festgehalten - ihre Aufnahmen dokumentieren das Ausmaß der Katastrophe. Außerdem: Video-Interviews mit Experten.

Atomkraftwerke rund um Österreich

200 Kilometer rund um Österreich stehen 31 Atomreaktoren. Auch in erdbebengefährdeten Gebieten.



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