Springe zu: Inhalt | Hauptnavigation | Seitenleiste | Fußzeile
19. Mai 2013 20:28 Uhr | Als Startseite
Neu registrieren
Japan zwei Jahre nach "3/11" US-Küstenwache feuerte auf Tsunami-"Geisterschiff" Voriger Artikel Aktuelle Artikel: Japan zwei Jahre nach der Katastrophe Nächster Artikel Japan zwei Jahre nach "3/11" US-Küstenwache feuerte auf Tsunami-"Geisterschiff"
Zuletzt aktualisiert: 15.03.2011 um 10:25 UhrKommentare

Von Uran bis Atom

In Österreich ist die Kernkraft nur noch vom Hörensagen bekannt - seit der Abstimmung um Zwentendorf sind wir AKW-frei. Was es rund um die Atomkraft noch zu wissen gilt.

Das 1978 in einer Volksabstimmung abgelehnte AKW Zwentendorf

Foto © APADas 1978 in einer Volksabstimmung abgelehnte AKW Zwentendorf

1. Was bedeutet Kernkraft und was kann man sich darunter vorstellen? Wieso kommt dabei Energie heraus?

Die Kernkraft - eigentlich starke Wechselwirkung - ist eine der vier Grundkräfte der Physik. Sie ist nicht nur für die Bildung der Atomkern-Bestandteile Proton und Neutron verantwortlich, sondern sorgt für deren Zusammenschluss zu Atomen. Das wirkt sich als Bindungsenergie aus. Ändert man durch Kernspaltung die Zusammensetzung der Kernbausteine, wird Kernenergie frei.

2. Welche Atomsorten können für die Kernenergie genützt werden? Welche Vorbereitungen sind dazu nötig?

Am wichtigsten ist Uran mit der Masse 235. Es kommt in winzigen Mengen (0,7 Prozent) mit Uran 238 vor. Uran 235 ist die einzige natürlich vorkommende Substanz, die man spalten kann. Allerdings muss man dazu das Uran 235 anreichern (auf rund 4 Prozent). Spaltbar ist auch Plutonium, das aber nur in winzigsten Mengen natürlich vorkommt. Es entsteht bei der Kernspaltung.

3. Was sind Spaltprodukte und wie entsteht gefährliche Radioaktivität? Warum sind sie unterschiedlich gefährlich?

Bei der Kernspaltung zerfällt Uran in die Bestandteile Barium und Krypton. Diese Elemente sind aber selbst instabil - also radioaktiv - und gehen in andere Elemente über. Daraus bildet sich eine ganze Kette von Spaltprodukten. Die meisten zerfallen zwar sehr rasch, einige aber sehr langsam und sind daher lange wirksam. Beim Zerfall der Bestandteile entsteht immer Radioaktivität.

4. Was bedeutet der Begriff Halbwertszeit und warum ist eine hohe Halbwertszeit so problematisch?

In der Halbwertszeit zerfällt die Hälfte der Atome eines bestimmten Elementes, die Hälfte bleibt übrig. Nach zwei Halbwertszeiten ist nicht das gesamte Element zerfallen, sondern nur die Hälfte der Hälfte. Insgesamt also drei Viertel. Eine lange Halbwertszeit bedeutet also, dass ein Element sehr lange existiert und in dieser Zeit auch strahlt. Je schneller ein Element zerstrahlt, umso aktiver ist es.

5. Welche Spaltprodukte gelten als besonders problematisch und warum? Wie kann man sich schützen?

Das Cäsiumatom mit einer Halbwertszeit von 30 Jahren ist sehr problematisch. Strontium entsteht zwar nur in geringen Mengen, wird aber bereitwillig in den Körper eingebaut und verbleibt im Körper - ebenso wie sein Nachfolger Yttrium, das auch gefährlich ist. Das radioaktive Jod ist gefährlich, weil es vor allem von der Schilddrüse gern aufgenommen wird. Schützen kann man sich durch Einnahme von Jodtabletten.

6. Wie entsteht eine radioaktive Wolke, wie breitet sie sich aus und warum ist sie derart problematisch?

Sie entsteht nach einer Explosion oder durch austretenden Wasserdampf, der Spaltprodukte mit sich führt. Der Staub verteilt sich als Aerosol in verschiedenen Luftschichten und wird verfrachtet. Wenn Niederschlag (sogenannter Fallout) entsteht, werden diese Spaltprodukte auf den Boden transportiert und kommen in die Nahrungskette. Die Aerosole können sehr lange in der Atmosphäre verbleiben.

7. Was passiert mit den Uran-Brennstäben, wenn sie verbraucht sind? Wo werden sie gelagert?

Verbrauchte Brennelemente sind verstrahlt und müssen daher besonders entsorgt werden. Sie müssen zwischengelagert werden, bis die kurzlebigen Elemente zerfallen sind. Die Brennelemente werden dazu in spezielle Behälter eingeschlossen. Erst dann kann man an eine Endlagerung denken, wo man Tausende Jahre warten muss, bis die Radioaktivität abgeklungen ist. Bisher gibt es weltweit noch kein einziges Endlager.

8. Könnte die Kernfusion eine brauchbare Alternative zur Kernkraft sein? Wann ist damit zu rechnen?

Die Kernfusion funktioniert gänzlich anders als die Kernspaltung. Über Laborversuche ist man nach Jahrzehnten der Forschung noch nicht hinausgekommen, und viele bezweifeln, ob dies je eine brauchbare Möglichkeit zur Energiegewinnung sein kann. Derzeit wird am Fusionsreaktor Iter in Südfrankreich (Cadarache) gebaut, woran alle wichtigen Atommächte teilnehmen. Ein kommerzieller Einsatz ist nicht in Sicht.


KRÄFTE IM ATOMKERN

Im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts wurde den Physikern klar, dass auch in den Kernbausteinen Energie steckt. Albert Einstein konnte das theoretische Fundament mit der wichtigen Formel E=mc2 legen. Otto Hahn und die Wienerin Lise Meitner realisierten die erste Kernspaltung im Labor.

Foto

Foto © KK

Bild vergrößernLise Meitner, Otto HahnFoto © KK

ZIVILE NUTZUNG

Schon 1941 konnte Enrico Fermi in Chicago den ersten Kernreaktor realisieren. Während binnen weiterer vier Jahre die Atombombe verwirklicht wurde, dauerte es länger, bis zivile Kernreaktoren gebaut wurden.

Das erste Probe-Exemplar wurde 1951 in den USA errichtet. Die Sowjetunion verwirklichte 1954 den ersten Kernreaktor.

Auch Österreich sprang auf den Zug auf. 1972 wurde mit dem Bau in Zwentendorf begonnen; zwei weitere waren geplant (St. Andrä/Kärnten, St. Valentin/NÖ). Am 5. November 1978 wurde in einer Volksabstimmung mit 50,47 Prozent Zwentendorf abgelehnt.

Foto

Foto © KK

Bild vergrößernEnrico Fermi baute den ersten KernreaktorFoto © KK

Die Katastrophe

Ein verheerendes Erdbeben und eine gewaltige Flutwelle führten am 11. März 2011 in Japan zum Atomunfall von Fukushima.

Das Erdbeben mit der Stärke 9,0 ist das bisher schwerste in der Geschichte Japans. Es löst auch einen Tsunami aus. Mehr als 260 Küstenstädte wurden zum großen Teil zerstört.

Die Naturkatastrophe fordert rund 15.800 Tote und mehr als 3.700 Vermisste.

Die Katastrophenregion um Fukushima ist auf Jahrzehnte oder noch länger unbewohnbar. Mehr als 100.000 Menschen müssen ihre Heimat verlassen, Tausende leben noch immer in Notunterkünften.

Über 10.000 Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser fließen in den Ozean. Es gerät 168 mal so viel Cäsium 137 in die Umwelt wie bei der Explosion der Hiroshima-Bombe.

 

Fotoserien

Fukushima: Mutationen bei Schmetterlingen 

Fukushima: Mutationen bei Schmetterlingen

 

KLEINE.tv

Fukushima: Rückkehr zur Atomenergie

Schweigeminute im Energieversorgungsunternehmen TEPCO. Mitarbeiter der F...Noch nicht bewertet

 


Die Erde bebt, die Kamera läuft

Viele Menschen haben das Geschehen in Japan in ergreifenden Videos festgehalten - ihre Aufnahmen dokumentieren das Ausmaß der Katastrophe. Außerdem: Video-Interviews mit Experten.

Atomkraftwerke rund um Österreich

200 Kilometer rund um Österreich stehen 31 Atomreaktoren. Auch in erdbebengefährdeten Gebieten.



Seitenübersicht

Zum Seitenanfang