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Zuletzt aktualisiert: 14.03.2011 um 20:37 UhrKommentare

Japanern ist die Katastrophe fast peinlich

In Zeiten von Elend, heißt es, zeigt sich der wahre Charakter des Menschen. Trotz Massentod und Zerstörungen, wie Bomben sie nicht verursachen können, beeindrucken Japaner in dieser schwierigen Zeit mit geradezu tadellosen Manieren.

Foto © Reuters

Diese höflichen Perfektionisten, die als Freunde oder im Geschäftsleben immer respektvoll, nie aufdringlich und stets beherrscht wirken, imponieren in all dem Chaos und Elend mit galanter, schon fast krankhafter Zuvorkommenheit.

Menschen ertragen die Not weitgehend ohne zu murren oder den Behörden Unfähigkeit vorzuwerfen. Ausländische Medien berichten auch von überforderter Regierung, doch was die japanischen Rettungskräfte leisten ist beeindruckend angesichts der schrecklichen Umstände und zerstörten Infrastruktur.

Einzelne Teams des japanischen Roten Kreuzes waren schon zehn Minuten nach dem Rückzug der Tsunamifluten im Einsatz. Jeder schien eine Rolle zu haben und seine Funktion zu kennen in dieser streng hierarchischen Gesellschaft, die nichts dem Zufall überlassen will.

Das ergebene Pflichtbewusstsein offenbart Charakterzüge, die den Ausländer befremden mögen. Auch unter diesen schlimmsten Umständen scheint es Japanern fast peinlich, zu viel Aufmerksamkeit zu beanspruchen. Wie die ältere Frau Hiroko Yamashita: im Erdbeben war ein Büchergestell auf sie gestürzt. Als Retter sie befreiten, entschuldigte sie sich für die Umtriebe, die sie bereitete, obwohl sie Schmerzen litt. Und fragte, ob es nicht andere Verletzte gebe, die dringendere Hilfe benötigen. Es ist dieser Respekt vor dem nächsten, die Japan auch durch schwere Krisen führt.

Japaner verneigen sich auch vor dem Gast, der Kassiererin im Supermarkt. Zeigen Respekt. Das Wohl des anderen zählt, weshalb die japanische Sprache auch voller höflicher Floskeln ist, die wie entschuldigen, wenn man etwas sagen oder um etwas bitten will.

Die Katastrophe ist eine Zäsur... Leere Auslagen in Supermärkten, kein Treibstoff an Tankstellen, Angestellte haben gar nicht genug Worte dafür, wie sich bei Kunden zu entschuldigen. Doch diese warten geduldig, gedrängelt wird nie - und schon gar nicht geplündert. Man will nicht noch mehr Leid verursachen.

DANIEL KESTENHOLZ

Die Katastrophe

Ein verheerendes Erdbeben und eine gewaltige Flutwelle führten am 11. März 2011 in Japan zum Atomunfall von Fukushima.

Das Erdbeben mit der Stärke 9,0 ist das bisher schwerste in der Geschichte Japans. Es löst auch einen Tsunami aus. Mehr als 260 Küstenstädte wurden zum großen Teil zerstört.

Die Naturkatastrophe fordert rund 15.800 Tote und mehr als 3.700 Vermisste.

Die Katastrophenregion um Fukushima ist auf Jahrzehnte oder noch länger unbewohnbar. Mehr als 100.000 Menschen müssen ihre Heimat verlassen, Tausende leben noch immer in Notunterkünften.

Über 10.000 Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser fließen in den Ozean. Es gerät 168 mal so viel Cäsium 137 in die Umwelt wie bei der Explosion der Hiroshima-Bombe.

 

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Die Erde bebt, die Kamera läuft

Viele Menschen haben das Geschehen in Japan in ergreifenden Videos festgehalten - ihre Aufnahmen dokumentieren das Ausmaß der Katastrophe. Außerdem: Video-Interviews mit Experten.

Atomkraftwerke rund um Österreich

200 Kilometer rund um Österreich stehen 31 Atomreaktoren. Auch in erdbebengefährdeten Gebieten.



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