Japanern ist die Katastrophe fast peinlich
In Zeiten von Elend, heißt es, zeigt sich der wahre Charakter des Menschen. Trotz Massentod und Zerstörungen, wie Bomben sie nicht verursachen können, beeindrucken Japaner in dieser schwierigen Zeit mit geradezu tadellosen Manieren.

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Diese höflichen Perfektionisten, die als Freunde oder im Geschäftsleben immer respektvoll, nie aufdringlich und stets beherrscht wirken, imponieren in all dem Chaos und Elend mit galanter, schon fast krankhafter Zuvorkommenheit.
Menschen ertragen die Not weitgehend ohne zu murren oder den Behörden Unfähigkeit vorzuwerfen. Ausländische Medien berichten auch von überforderter Regierung, doch was die japanischen Rettungskräfte leisten ist beeindruckend angesichts der schrecklichen Umstände und zerstörten Infrastruktur.
Einzelne Teams des japanischen Roten Kreuzes waren schon zehn Minuten nach dem Rückzug der Tsunamifluten im Einsatz. Jeder schien eine Rolle zu haben und seine Funktion zu kennen in dieser streng hierarchischen Gesellschaft, die nichts dem Zufall überlassen will.
Das ergebene Pflichtbewusstsein offenbart Charakterzüge, die den Ausländer befremden mögen. Auch unter diesen schlimmsten Umständen scheint es Japanern fast peinlich, zu viel Aufmerksamkeit zu beanspruchen. Wie die ältere Frau Hiroko Yamashita: im Erdbeben war ein Büchergestell auf sie gestürzt. Als Retter sie befreiten, entschuldigte sie sich für die Umtriebe, die sie bereitete, obwohl sie Schmerzen litt. Und fragte, ob es nicht andere Verletzte gebe, die dringendere Hilfe benötigen. Es ist dieser Respekt vor dem nächsten, die Japan auch durch schwere Krisen führt.
Japaner verneigen sich auch vor dem Gast, der Kassiererin im Supermarkt. Zeigen Respekt. Das Wohl des anderen zählt, weshalb die japanische Sprache auch voller höflicher Floskeln ist, die wie entschuldigen, wenn man etwas sagen oder um etwas bitten will.
Die Katastrophe ist eine Zäsur... Leere Auslagen in Supermärkten, kein Treibstoff an Tankstellen, Angestellte haben gar nicht genug Worte dafür, wie sich bei Kunden zu entschuldigen. Doch diese warten geduldig, gedrängelt wird nie - und schon gar nicht geplündert. Man will nicht noch mehr Leid verursachen.











