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Zuletzt aktualisiert: 14.03.2011 um 17:38 UhrKommentare

Was Jod, Cäsium, Strontium und Co anrichten

Sollte es im Fall der beschädigten Reaktoren des japanischen Atomkraftwerks Fukushima 1 zu einer massiven Freisetzung von radioaktiven Substanzen kommen, wären vor allem Jod, Cäsium, Strontium und Plutonium gefährlich.

Foto © Reuters

Die Aufnahme dieser Substanzen in den menschlichen Körper würde vor allem durch die Atmung erfolgen, aber auch durch die Haut und über die Nahrung können diese Substanzen in den Körper gelangen, erklärte Franz Kainberger, Strahlenmediziner an der Medizinischen Universität Wien, gegenüber der APA.

Das radioaktive Isotop Jod 131 wird vor allem von der Schilddrüse aufgenommen. Diese braucht für ihre Hormonbildung enorm viel Jod, "wird radioaktives Jod angereichert, strahlt es lokal im Schilddrüsengewebe einige Millimeter oder Zentimeter und es kann sich strahleninduzierter Schilddrüsenkrebs bilden", so Kainberger. Dies soll durch Kaliumjodid-Tabletten verhindert werden, die unbedingt eingenommen werden müssen, bevor das radioaktive Jod in den Körper gelangt. Nur so kann das ungefährliche Jod die Schilddrüsenspeicher füllen, womit dort kein Platz mehr für das schädliche Isotop ist.

Auch Cäsium 137 lagert sich vorwiegend in der Schilddrüse ein - mit ähnlichen Folgen wie bei Jod. "Das sind die Haupteffekte, natürlich können sich radioaktive Isotope auch woanders im Körper ablagern", so Kainberger. Strontium 90 kann sich in Knochengewebe einlagern, weil es dort mit Kalzium verwechselt wird. Passiert das, kann es zu Knochenmarkschäden und Knochentumoren kommen.

Bei den Behandlungsmöglichkeiten müsse man die gesamten Strahlenwirkungen abarbeiten, sagte der Experter und nannte die Tumorentstehung, Erbgutschädigung, Begleitwirkungen der Strahlung wie Angst, Panik und Sorge sowie das akute Strahlensyndrom.

Karzinome würden wie jeder andere Tumor auch behandelt, etwa durch Chemo- und Strahlentherapie. "Das zeigt, dass Strahlung, die bei einem AKW-Unglück frei wird, nichts zu tun hat mit der Strahlung, die zur Tumortherapie oder Diagnostik eingesetzt wird", so Kainberger. Die Erbgutschädigung sei "ein von der Dosis vorhersehbarer Effekt", wo man viel durch Beratung tun könne. Zudem bedürfe es für eine Erbgutschädigung "einer Schwellendosis, die bekommt man zum Beispiel durch radioaktiven Regen nicht so schnell zusammen".

Der entscheidende Punkt zur Verhinderung von Angst und Sorge ist für Kainberger qualitativ hochwertige und offensive Informationspolitik. "Solange die Leute durch die Medien wissen, worum es geht, können sie leichter mit all diesen Problemen fertig werden", betonte der Experte. Je offensiver informiert werde, desto besser sei es.

Vom akuten Strahlensyndrom seien praktisch nur Rettungskräfte oder Kraftwerksmitarbeiter betroffen. Da gebe es verschiedene Möglichkeiten der Behandlung, "wenn rechtzeitig begonnen und korrekt behandelt wird, kann man viele dieser akuten Strahlensymptome heute bis zu einem Grenzwert von sieben Sievert gut behandeln". Ein wesentlicher Punkt ist hier laut Kainberger die Schutzkleidung und richtiges Verhalten, "und da handelt Japan im Vergleich zu Tschernobyl sicher vorbildlich".


Die Katastrophe

Ein verheerendes Erdbeben und eine gewaltige Flutwelle führten am 11. März 2011 in Japan zum Atomunfall von Fukushima.

Das Erdbeben mit der Stärke 9,0 ist das bisher schwerste in der Geschichte Japans. Es löst auch einen Tsunami aus. Mehr als 260 Küstenstädte wurden zum großen Teil zerstört.

Die Naturkatastrophe fordert rund 15.800 Tote und mehr als 3.700 Vermisste.

Die Katastrophenregion um Fukushima ist auf Jahrzehnte oder noch länger unbewohnbar. Mehr als 100.000 Menschen müssen ihre Heimat verlassen, Tausende leben noch immer in Notunterkünften.

Über 10.000 Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser fließen in den Ozean. Es gerät 168 mal so viel Cäsium 137 in die Umwelt wie bei der Explosion der Hiroshima-Bombe.

 

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Viele Menschen haben das Geschehen in Japan in ergreifenden Videos festgehalten - ihre Aufnahmen dokumentieren das Ausmaß der Katastrophe. Außerdem: Video-Interviews mit Experten.

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200 Kilometer rund um Österreich stehen 31 Atomreaktoren. Auch in erdbebengefährdeten Gebieten.



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