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    Zuletzt aktualisiert: 14.03.2011 um 10:02 UhrKommentare

    Österreich ist von 31 Atommeilern umzingelt

    200 Kilometer rund um Österreich stehen 31 Atomreaktoren. Auch in erdbebengefährdeten Gebieten. In Deutschland ist Atom-Ausstieg wieder Thema.

    Das Atomkraftwerk Temelin in Tschechien

    Foto © APDas Atomkraftwerk Temelin in Tschechien

    Von einer Renaissance der Atomkraft war in den vergangenen Monaten häufig die Rede. So viele neue Atomkraftwerksprojekte wie seit Jahrzehnten nicht mehr sind weltweit in Planung. Aktuell befinden sich 62 neue Atomkraftwerke in Bau. Auch wenn Österreich mit der Volksabstimmung über das AKW Zwentendorf 1978 die Weichen für eine atomfreie Energieerzeugung gestellt hat, ist das Land von Atomkraftwerken umzingelt. 31 Atomreaktoren an 16 Standorten werden rund um Österreichs Grenzen in einem Umkreis von nur 200 Kilometern betrieben.

    Mitten im Erdbebengebiet

    Keine 100 Kilometer von der österreichischen Südgrenze entfernt liegt das slowenische Atomkraftwerk Krsko. Der Druckwasserreaktor, der 1983 in Betrieb genommen wurde, erregt seit vielen Jahren die Gemüter, weil das AKW in einem seismisch ungünstigen Gebiet liegt. Die Umweltorganisation Greenpeace erneuerte gestern ihre Warnung, wonach Krsko einem stärkeren Erdbeben nicht standhalten würde. Die Wiener Umweltanwaltschaft hält in einer Expertise fest, dass die Erdbebensicherheit der Anlage trotz erfolgter Nachrüstungen weiter untersucht werden müsse. Demgegenüber betont AKW-Manager Janez Krajnc, dass das Kraftwerk "für mögliche Erdbeben ausgelegt worden" sei. Im Juni 2008 war es in Krsko zu einem Zwischenfall gekommen, ein Leck hatte eine Abschaltung notwendig gemacht. Der Zwischenfall hatte vor Augen geführt, dass die grenzüberschreitenden europäischen Atomwarnsysteme stark verbesserungswürdig sind. Von österreichischer Regierungsseite wurde das "Wirrwarr an Informationen" kritisiert.

    Im Juli 2004 war es rund 100 Kilometer von Krsko entfernt zu einem Erdstoß der Stärke 4,9 auf der Richterskala gekommen. 1976 wurde in der Region ein Erdstoß der Stärke 6,0 registriert.

    Insgesamt setzen neben Slowenien fünf weitere österreichische Nachbarländer auf Atomkraft.

    Nur 45 Kilometer von der Nordgrenze entfernt steht das tschechische Atomkraftwerk Temelin mit zwei Reaktoren. Erst vor wenigen Tagen wurde wegen einer Panne an einer elektrischen Steuerung ein Zwischenfall aus Temelin gemeldet. Das Kraftwerk hat bereits zu massiven Verstimmungen zwischen Österreich und Tschechien geführt, 2001 haben mehr als 900.000 Österreicher das Anti-Temelin-Volksbegehren unterschrieben. 70 bzw. 100 Kilometer entfernt liegen die umstrittenen slowakischen Atomkraftwerke Bohunice und Mochovce.

    Atomdebatte in Deutschland

    Sehr kritisch wird aber auch das deutsche Atomkraftwerk Neckarwestheim in Baden-Württemberg gesehen. Das Kraftwerk liegt in der Gegend des sogenannten Rheingrabens, Deutschlands aktivstem Erdbebengebiet. Experten bezeichnen den Untergrund als sehr labil und porös. In dieser Region finden sich auch die Atomkraftwerke Philippsburg, Biblis sowie der französische Reaktor Fessenheim.

    Die dramatischen Vorgänge in den japanischen Atomkraftwerken haben nun in Deutschland die Atomdebatte neuerlich befeuert. Unter der rot-grünen Koalition von Gerhard Schröder waren 2000 die Weichen für einen Atomausstieg Deutschlands gestellt worden. Im Vorjahr kam es durch die schwarz-gelbe Regierungskoalition jedoch zu einer Abkehr. Die Regellaufzeiten der insgesamt 17 deutschen AKW wurden im Schnitt um zwölf Jahre auf 44 Jahre verlängert. Die Opposition fordert nun eine Abkehr von dieser Laufzeitverlängerung. Und erhält Rückenwind durch den Wahlkalender. So wird in zwei Wochen in Baden-Württemberg gewählt. Gestern schlossen 60.000 Atomgegner eine 45 Kilometer lange Menschenkette vom Atomkraftwerk Neckarwestheim bis zum Regierungsviertel in Stuttgart. Kanzlerin Angela Merkel kündigte an, Konsequenzen für Deutschland zu prüfen. Umweltminister Norbert Röttgen sprach von einer "Zäsur". Es stelle sich die Frage nach der Beherrschbarkeit der Atomtechnik.

    MANFRED NEUPER

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    Grafik © APA

    Grafik vergrößernAtomkraftwerke rund um ÖsterreichGrafik © APA

    ATOMKRAFTWERKE

    Weltweit sind derzeit 443 Atomreaktoren in 30 Ländern in Betrieb, die meisten davon in den USA (104), gefolgt von Frankreich (58) und Japan (55).

    Derzeit werden 62 neue AKW gebaut, davon 27 in China, 10 in Russland und sechs innerhalb der EU.

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    Grafik vergrößernErdbebengefährdete Atomkraftwerke in Europa Grafik © APA

    Mehr Japan nach der Katastrophe

    Mehr aus dem Web

      Die Katastrophe

      Ein verheerendes Erdbeben und eine gewaltige Flutwelle führten am 11. März 2011 in Japan zum Atomunfall von Fukushima.

      Das Erdbeben mit der Stärke 9,0 ist das bisher schwerste in der Geschichte Japans. Es löst auch einen Tsunami aus. Mehr als 260 Küstenstädte wurden zum großen Teil zerstört.

      Die Naturkatastrophe fordert rund 15.800 Tote und mehr als 3.700 Vermisste.

      Die Katastrophenregion um Fukushima ist auf Jahrzehnte oder noch länger unbewohnbar. Mehr als 100.000 Menschen müssen ihre Heimat verlassen, Tausende leben noch immer in Notunterkünften.

      Über 10.000 Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser fließen in den Ozean. Es gerät 168 mal so viel Cäsium 137 in die Umwelt wie bei der Explosion der Hiroshima-Bombe.

       

      Fotoserien

      Schweigeminute in Japan 

      Schweigeminute in Japan

       

      KLEINE.tv

      Japan trauert um Opfer der Atomkatastrophe

      Vor drei Jahren hatten ein verheerender Tsunami und die darauffolgende A...Bewertet mit 5 Sternen

       


      Die Erde bebt, die Kamera läuft

      Viele Menschen haben das Geschehen in Japan in ergreifenden Videos festgehalten - ihre Aufnahmen dokumentieren das Ausmaß der Katastrophe. Außerdem: Video-Interviews mit Experten.

      Atomkraftwerke rund um Österreich

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