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Zuletzt aktualisiert: 13.03.2011 um 20:06 UhrKommentare

In Tokio herrscht Totenstille

Das Beben hat Japan in seinen Grundfesten erschüttert. Auch in der sonst pulsierenden Hauptstadt ist das öffentliche Leben fast zum Erliegen gekommen.

Gerade einmal zum Einkaufen verlassen die Menschen ihre Wohnungen

Foto © APAGerade einmal zum Einkaufen verlassen die Menschen ihre Wohnungen

Der Tokio-Tower steht schief. Wo an anderen Frühlingswochenenden Besucherschlangen darauf warten, die 333 Meter hohe Stahlkonstruktion, eine rot-weiße Kopie des Pariser Eiffelturms, zu besteigen, steht man vor einem geschlossenen Tor. "Das Erdbeben hat den Turm beschädigt", erklärt ein Angestellter. "Statiker müssen überprüfen, ob er noch stabil ist." Wohl nie hat der Tokio-Tower seine Rolle als Wahrzeichen der japanischen Hauptstadt besser erfüllt. Denn zwei Tage nach dem schwersten Beben, das je in Japan gemessen wurde, scheint die gesamte Bevölkerung in ihren Grundfesten erschüttert zu sein.

Elektrizitätsversorgung beeinträchtigt

Es sind Tage des Fernsehens und Internetsurfens, zumindest dort, wo die Kommunikationsinfrastruktur noch funktioniert. In vielen Gebäuden hat das Beben die elektrischen Geräte beschädigt, die Handynetze sind überlastet, die Internetleitungen instabil. Der Ausfall mehrerer Atomkraftwerke beeinträchtigt die Elektrizitätsversorgung und mit ihr den technologisch hochgerüsteten, japanischen Alltag.

In der sonst pulsierenden 35-Millionen-Menschen-Metropole Tokio ist das öffentliche Leben weitgehend zum Erliegen gekommen. Im Stadtteil Harajuku, wo sich sonntags sonst die Jugend trifft, sind die Bürgersteige wie leer gefegt. Dabei sind die Bewohner von Tokio und im dicht besiedelten Süden des Landes größtenteils mit dem Schrecken davongekommen. Zumindest einige wagen deshalb zwei Tage nach der Katastrophe wieder eine gewisse Normalität.

Das Leben geht weiter

Im Meiji-Schrein, einem der schintoistischen Hauptheiligtümer, finden Hochzeitszeremonien statt. "Natürlich haben wir diskutiert, ob man an einem Tag wie heute heiraten kann", sagt ein Gast. "Aber wem würde es nutzen, wäre die Feier abgesagt worden?" Ein Nachbeben lässt die Erde zittern. Vor dem hölzernen Tor des Schreins fegen Angestellte penibel die Kieswege, als wäre dies die wichtigste Aufräumaufgabe, die in Japan derzeit zu bewältigen wäre.

Disziplin im Angesicht der Naturgewalten ist in Japan seit jeher Teil der Kultur. Dass in dem Inselstaat jederzeit die Erde beben kann, wissen die Japaner seit Jahrhunderten und sind mehr als jedes andere Volk auf den Ernstfall vorbereitet. Vielerorts dürfte die Vorbereitung Massenpaniken verhindert haben. Selbst als sich die Nachrichten über die drohende Katastrophe in den Atomkraftwerken von Fukushima verbreiteten, blieb die Reaktion im nur 250 Kilometer entfernten Tokio besonnen.

Doch das Beben findet nicht nur unter den Füßen, sondern auch im Kopf statt. Die Naturgewalt hat ein politisch und wirtschaftlich durchgerütteltes Land getroffen, dem der Glaube an sich selbst zunehmend schwerfällt.

BERNHARD BARTSCH, TOKIO

Die Katastrophe

Ein verheerendes Erdbeben und eine gewaltige Flutwelle führten am 11. März 2011 in Japan zum Atomunfall von Fukushima.

Das Erdbeben mit der Stärke 9,0 ist das bisher schwerste in der Geschichte Japans. Es löst auch einen Tsunami aus. Mehr als 260 Küstenstädte wurden zum großen Teil zerstört.

Die Naturkatastrophe fordert rund 15.800 Tote und mehr als 3.700 Vermisste.

Die Katastrophenregion um Fukushima ist auf Jahrzehnte oder noch länger unbewohnbar. Mehr als 100.000 Menschen müssen ihre Heimat verlassen, Tausende leben noch immer in Notunterkünften.

Über 10.000 Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser fließen in den Ozean. Es gerät 168 mal so viel Cäsium 137 in die Umwelt wie bei der Explosion der Hiroshima-Bombe.

 

Fotoserien

Fukushima: Mutationen bei Schmetterlingen 

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KLEINE.tv

Fukushima: Rückkehr zur Atomenergie

Schweigeminute im Energieversorgungsunternehmen TEPCO. Mitarbeiter der F...Noch nicht bewertet

 


Die Erde bebt, die Kamera läuft

Viele Menschen haben das Geschehen in Japan in ergreifenden Videos festgehalten - ihre Aufnahmen dokumentieren das Ausmaß der Katastrophe. Außerdem: Video-Interviews mit Experten.

Atomkraftwerke rund um Österreich

200 Kilometer rund um Österreich stehen 31 Atomreaktoren. Auch in erdbebengefährdeten Gebieten.



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