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Zuletzt aktualisiert: 18.03.2011 um 12:38 UhrKommentare

Was die Strahlen im Menschen anrichten

Auch von den körperlichen Nachwehen des Unfalls im Atomkraftwerk Tschernobyl weiß man bis heute wenig. Jugendliche und Kinder sind durch atomare Strahlung besonders gefährdet.

Foto © AP

"Man hat festgestellt, dass vor allem Kinder und Jugendliche besonders gefährdet sind, weil ihre Schilddrüse noch empfindlicher ist", sagte Alexander Becherer, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Nuklearmedizin, am Sonntag im Gespräch mit der APA.

Nach Tschernobyl seien bei den Heranwachsenden signifikant mehr Schilddrüsenkarzinome aufgetreten. Gefährlich seien Jodisotope, die Jodblockaden verursachen und Schilddrüsenkrebs induzieren können.

Keine Gefahr für Europa

"Es ist aber denkunmöglich, dass (aus Japan, Anm.) gesundheitsgefährdende Mengen auf uns zukommen", sagte Becherer. Denkbar sei, dass empfindliche Geräte auch bei uns erhöhte Messwerte anzeigen. Eine Strahlung, die die Gesundheit gefährde, sei in Europa aber auszuschließen.

Eine sofortige Schädigung sei nur bei Liquidatoren, also bei Helfern, zu erwarten. "Diese müssen daher streng überwacht und darauf geachtet werden, dass sie nur kurz an Ort und Stelle sind." Auswirkungen infolge von Radioaktivität können Schädigungen des Knochenmarks und des Darms sein, Strahlung kann aber auch eine Krebserkrankung des Blutes wie Leukämie induzieren.

Radioaktive Strahlung wird durch Atmung und Nahrung aufgenommen. Eine Schutzkleidung könne insofern helfen, als sie den Körper vor einer Kontaminierung bewahre.

Nur frische Lebensmittel gefährlich

"Eine Infektion mit Radioaktivität von Nahrungsmittelkonserven ist nicht möglich", sagte Becherer. Auch nicht, wenn man sie verschlossen hoher Strahlung aussetze. "Im Inneren ist nichts messbar." Gefährdet seien aber frische Lebensmittel, die offen angebaut werden oder Fleisch von Stallvieh bzw. Milch.

Bei einer Kernschmelze sei die Energie, mit der Radioaktivität freigesetzt und in die Atmosphäre hinaufgeblasen wird, geringer. "Sie bleibt eher in den unteren Schichten und kann sich nicht so weit verbreiten", sagte Becherer. Wenn die meteorologischen Verhältnisse so seien, dass es die radioaktive Wolke herunterregnet, sollte man zu Hause bleiben, damit man nichts davon auf die Kleidung kommt. Schutzmasken bieten im Übrigen nur bedingten Schutz.

Vorräte schaffen

Betroffenen an Ort und Stelle empfahl der Nuklearexperte Radio zu hören und den Anweisungen der Behörden zu folgen. Keinesfalls solle man Jod-Tabletten prophylaktisch einnehmen, das könne Schäden hervorrufen. Unbedingt sollte man nach Wasser- und Nahrungsmittel vorrätig haben.

Langfristig bleibe Cäsium 137 ein Problem, dass sich im Boden einlagert und eine lange Halbwertszeit von mehr als 30 Jahren hat. Cäsium kann bei großen Mengen Krebs induzieren und zu Problemen mit der Schilddrüse führen.


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Grafik © APA

Grafik vergrößernGefährliche Radioaktivität Grafik © APA

Die Katastrophe

Ein verheerendes Erdbeben und eine gewaltige Flutwelle führten am 11. März 2011 in Japan zum Atomunfall von Fukushima.

Das Erdbeben mit der Stärke 9,0 ist das bisher schwerste in der Geschichte Japans. Es löst auch einen Tsunami aus. Mehr als 260 Küstenstädte wurden zum großen Teil zerstört.

Die Naturkatastrophe fordert rund 15.800 Tote und mehr als 3.700 Vermisste.

Die Katastrophenregion um Fukushima ist auf Jahrzehnte oder noch länger unbewohnbar. Mehr als 100.000 Menschen müssen ihre Heimat verlassen, Tausende leben noch immer in Notunterkünften.

Über 10.000 Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser fließen in den Ozean. Es gerät 168 mal so viel Cäsium 137 in die Umwelt wie bei der Explosion der Hiroshima-Bombe.

 

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Fukushima: Mutationen bei Schmetterlingen 

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Fukushima: Rückkehr zur Atomenergie

Schweigeminute im Energieversorgungsunternehmen TEPCO. Mitarbeiter der F...Noch nicht bewertet

 


Die Erde bebt, die Kamera läuft

Viele Menschen haben das Geschehen in Japan in ergreifenden Videos festgehalten - ihre Aufnahmen dokumentieren das Ausmaß der Katastrophe. Außerdem: Video-Interviews mit Experten.

Atomkraftwerke rund um Österreich

200 Kilometer rund um Österreich stehen 31 Atomreaktoren. Auch in erdbebengefährdeten Gebieten.



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