Sieben Fragen zum Unglück in Fukushima
Worum es bei dem Katastrophen-Atomkraftwerk geht und welche Folgen möglich sind.

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Wie funktionieren Atomkraftwerke und wieso hat gerade Japan als ausgewiesenes Erdbebengebiet so viele davon?
ANTWORT: Die Atomkraft macht sich Eigenschaften des Atomkerns zunutze. Bestimmte schwere Elemente wie Uran kann man durch Beschuss mit Neutronen in kleinere Bruchstücke - andere Elemente - spalten. Dabei wird sehr viel Energie frei. Pro Atomzerfall etwa 200 Millionen Elektronenvolt, das ist etwa 10.000-mal so viel wie bei einer klassischen Verbrennung. Japan ist arm an fossilen Brennstoffen und völlig auf Öl-, Erdgas- und Kohleimporte angewiesen. Deshalb ist Atomkraft für das hoch industrialisierte Land so attraktiv.
Der Kernreaktor in Fukushima ist ein Siedewasser-Reaktor. Was bedeutet das und wie sieht es dabei mit der Sicherheit aus?
ANTWORT: Ein Siedewasser-Reaktor ist eine Untergruppe der Leichtwasser-Reaktoren. Leichtes, also "normales" Wasser dient der Kühlung und befördert die Energie zum Generator. Auch Zwentendorf wäre ein Siedewasser-Reaktor gewesen. Diese Reaktoren haben nur einen Kühlkreislauf. Sie sind einfacher gebaut als Druckwasser-Reaktoren und im Störfall auch leichter zu beherrschen. Ein Nachteil ist die problematischere Wartung. Zudem ist das kontaminierte Wasser auf einen größeren Bereich ausgebreitet.
Was ist im Block I in Fukushima genau passiert und was könnte dort noch passieren? Welche Maßnahmen wurden ergriffen?
ANTWORT: Vieles ist noch unklar, möglicherweise sogar für die Mannschaften vor Ort. Das Erdbeben bzw. der Tsunami haben offenbar den Kühlkreislauf unterbrochen. Wenn die Energie nicht abgeführt werden kann, droht eine Kernschmelze. Offenbar versucht man mit Meerwasser und Bremsstoffen den Prozess anzuhalten. Zudem dürfte es im Umfeld zu Explosionen gekommen sein.
Was würde eine Kernschmelze bedeuten und wie weit ist schon radioaktive Strahlung ausgetreten?
ANTWORT: Zwar hört die Kernreaktion bei einem Ausfall des Kühlwassers auf, aber die Nachzerfallswärme kann die Brennelemente so weit erhitzen, dass sie schmelzen und sich unter Umständen auch durch die Gebäudewände fressen. Dabei wird enorme Strahlung frei, die bei einer lecken Umhüllung ins Freie gelangen kann. Gestern Abend schien diese Gefahr gebannt zu sein.
Was ist ein GAU und was ist ein Super-GAU? Wo ist die Katastrophe im Kernkraftwerk Fukushima einzuordnen?
ANTWORT: Politisch war es wohl ein Super-GAU, technisch vielleicht nicht. Der technische Begriff GAU heißt "größter anzunehmender Unfall". Daraufhin ist ein Kernkraftwerk ausgelegt, dieser Unfall muss beherrschbar sein. Ein "Super-GAU" liegt darüber. Als Super-GAU gelten Unfälle auf der sogenannten Ines-Skala von 5 bis 7. Fukushima wurde gestern auf dieser Skala mit der Note 4 bewertet.
Warum ist radioaktive Strahlung so gefährlich und wie misst man sie? Wie kann man sich davor schützen?
ANTWORT: Radioaktive Strahlung gibt es als Alpha-Strahlung (Alpha-Teilchen), Beta-Strahlung (Elektronen) und Gamma-Strahlung (elektromagnetische Strahlung). Sie selbst sind nicht gefährlich, ionisieren aber andere Atome und Moleküle und führen daher in lebenden Zellen zu Veränderungen. Gemessen wird die Strahlung mit Dosimetern. Man misst einerseits physikalische Größen (Energie, Ionendosis), andererseits die biologische Wirksamkeit. Schutz bieten Abschirmungen und dass man sie nicht einatmet oder aufnimmt.
Ist die Katastrophe in Fukushima mit jener in Tschernobyl vor genau 25 Jahren vergleichbar?
ANTWORT: Die Katastrophen sind verschieden. Im Reaktor von Tschernobyl führten Bedienungsfehler zu einer Kernschmelze. In Tschernobyl gab es Graphitblöcke und Druckröhren mit Brennelementen. Durch die Auslegung fährt im Störfall die Leistung nicht hinunter, sondern hinauf. Graphit ist zudem leicht brennbar (es ist eine Spielart von Kohlenstoff) und schwer zu löschen. Der Reaktor in Tschernobyl hatte auch kein Containment, also eine zweite Schutzhülle um den Reaktor. Deshalb traten enorme Mengen an Radioaktivität aus.












