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Zuletzt aktualisiert: 11.03.2011 um 15:39 UhrKommentare

Umfassende Notfallpläne und Vorsorgemaßnahmen

Japan ist seit dem schweren Erdbeben in Kobe vor 16 Jahren bestens für den Ernstfall gerüstet: Lautsprecher, Pläne, die die besten Fluchtwege anzeigen und Atomkraftwerke, die sich automatisch abschalten.

Foto © AP

Eigentlich hat Japan vorgesorgt: Pläne zeigen welche Straßen mit Hochhäusern Bewohner bei der Flucht vermeiden sollen, Lautsprecher warnen an jeder Ecke sekundenschnell vor Erdstößen und Tsunamis. Bebensichere Atomkraftwerke werden automatisch heruntergefahren und gekühlt. "Grundsätzlich wird in Japan seit den 50er Jahren mit einem großen Erdbeben im Raum Tokio gerechnet - Da war man vorbereitet", erklärte die deutsche Japanologin Verena Blechinger-Talcott im Gespräch mit der APA. "Aber das waren nur Planspiele, jetzt kommen die Pläne zum ersten Mal wirklich zum Einsatz."

"Von der Vorsorge her ist sehr viel getan worden", zeigte sich die Wissenschafterin aus Berlin überzeugt. "Aber man hat immer nur die einzelnen Elemente geübt. Alle Einrichtungen zusammen haben das noch nie trainiert." Ein Punkt, der in der jetzigen Notsituation für Schwierigkeiten sorgen könnte und 1995 - damals kamen auf der Insel Honshu bei einem Beben der Stärke 7,2 über 6.400 Menschen ums Leben - schon ein Problem darstellte. Mangelnde Koordination führte laut Blechinger-Talcott damals dazu, dass die Verantwortlichen sich um ihre Aufgaben, das Regeln des Verkehrs, kümmerten, aber niemand um das Ausgraben von Verschütteten.

Seit 1995 hat man vieles geändert: Die Pläne wurden überprüft und zahlreiche große Gebäude in Tokio wurden in den vergangenen Jahren überprüft und massiv umgebaut. Mehr eingebunden wurde im zentral gesteuerten Notfallplan das Militär, das Einsätze wegen Erdbeben laufend trainiert, erklärte Blechinger-Talcott. Aller guten Planungen zum Trotz stehen die Japaner nun aber vor einigen Schwierigkeiten: Die Militär-Flugzeuge können nicht aufsteigen, weil die Landebahnen kaputt sind. Straßen sind zerstört und können nicht benützt werden und die Provinzen, die Maßnahmen organisieren sollen, sind selbst betroffen.

Jährliche Katastrophenschutzübung

Dabei hat Japan punkto Sicherheit selbst an Details gedacht und neben der jährlichen großen Katastrophenschutzübung am 1. September Pläne angefertigt, die in jedem Geschäft verkauft werden. Darin finden sich laut Blechinger-Talcott unter anderem empfohlene Wege durch und aus der Stadt - es wird beschrieben, welche Straßen sicher sind, wo es viele verglaste Gebäude gibt und hügelige Strecken ein rasches Vorkommen erschweren. An großen Straßenkreuzungen sind seit den 60er Jahren Tafeln angebracht, wo in Parks oder Schulen der nächste Sammelplatz für Evakuierungen liegt. Was in den Plänen natürlich nicht mitbedacht werden kann, sind unvorhergesehene Hindernisse durch zerstörte Gebäude und Bebenschäden.

Grundsätzlich ist Japan laut der Universitätsprofessorin auf mögliche Erdbebenkatastrophen gut vorbereitet: "Seit 2007 gibt es ein Frühwarnsystem in Schulen, öffentlichen Gebäuden und bei Bahnlinien. Das Gerät können sich auch Privatpersonen kaufen und an das Telefon oder den Fernseher anschließen. Es meldet Erdstöße zehn bis 18 Sekunden, bevor man sie spürt, und man kann sich noch unter einen Schreibtisch retten oder aus dem Gebäude hinauslaufen", erklärte die Japanologin. Auch für Tsunamis gibt es laut der Wissenschafterin ein sehr gutes Frühwarnsystem in Verbindung mit den Wetterstationen. Sofort nach einem Erdbeben wird eine Meldung durchgegeben, wann genau eine Flutwelle droht und welche Höhe sie haben dürfte. Nicht nur in Gebäuden auch auf Straßen wurden Sirenen und Lautsprecher installiert, die diese Information durchgeben.

Atomkraftwerke wurden so gebaut, dass sie Erdbeben besser standhalten: In die Grundfesten wurden Elemente wie Kugellager eingebaut, die das Schwanken ohne Schäden erlauben. Ab einer gewissen Intensität von Erschütterungen werden Reaktoren automatisch abgeschaltet und Notfallkühlsysteme aktiviert, so Blechinger-Talcott. Die japanische Regierung, die großteils auf Atomenergie setzt und eine sehr technokratisierte Politik vertritt, spreche von den weltweit sichersten Reaktoren. Nach Beben kam es bei Kraftwerken immer wieder zu Ausfällen - aber ohne gröbere Folgen. "Jetzt ist es das erste Mal, dass diese Systeme nicht ganz funktionieren", so die Wissenschafterin.


Die Katastrophe

Ein verheerendes Erdbeben und eine gewaltige Flutwelle führten am 11. März 2011 in Japan zum Atomunfall von Fukushima.

Das Erdbeben mit der Stärke 9,0 ist das bisher schwerste in der Geschichte Japans. Es löst auch einen Tsunami aus. Mehr als 260 Küstenstädte wurden zum großen Teil zerstört.

Die Naturkatastrophe fordert rund 15.800 Tote und mehr als 3.700 Vermisste.

Die Katastrophenregion um Fukushima ist auf Jahrzehnte oder noch länger unbewohnbar. Mehr als 100.000 Menschen müssen ihre Heimat verlassen, Tausende leben noch immer in Notunterkünften.

Über 10.000 Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser fließen in den Ozean. Es gerät 168 mal so viel Cäsium 137 in die Umwelt wie bei der Explosion der Hiroshima-Bombe.

 

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Fukushima: Rückkehr zur Atomenergie

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Die Erde bebt, die Kamera läuft

Viele Menschen haben das Geschehen in Japan in ergreifenden Videos festgehalten - ihre Aufnahmen dokumentieren das Ausmaß der Katastrophe. Außerdem: Video-Interviews mit Experten.

Atomkraftwerke rund um Österreich

200 Kilometer rund um Österreich stehen 31 Atomreaktoren. Auch in erdbebengefährdeten Gebieten.



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