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    Zuletzt aktualisiert: 06.08.2013 um 22:46 UhrKommentare

    Schmutzige Dämpfe aus weißen Luxus-Schiffen

    Weiße Kreuzfahrtliner, aber dreckige Weste in Sachen Abgase? Über die Umweltbilanz der schwimmenden Passagierpaläste wird schon seit Jahren intensiv gestritten. Warum Umweltschützer die riesigen Kreuzfahrtliner im Visier haben.

    Foto © AP

    Fakt ist, dass die Schifffahrt insgesamt erhebliche Schadstoffmengen in die Luft bläst. Angesichts der klimaschädlichen und gesundheitsgefährdenden Emissionen stellt sich die Frage, wie die großen Pötte sauberer gemacht werden können.

    Das Grundproblem ist, dass Schiffe durch Verbrennungsmotoren angetrieben werden. Dadurch entsteht zunächst einmal das Klimagas Kohlendioxid. Nach Untersuchungen der Internationalen Schifffahrts-Organisation (IMO) der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2009 war die Seeschifffahrt für rund 2,7 Prozent der globalen menschengemachten CO2-Emissionen verantwortlich. Das hört sich zunächst nach wenig an, entspricht aber einer jährlichen Menge von knapp 900 Millionen Tonnen CO2.

    Weitaus mehr diskutiert wird öffentlich meist über andere Luftschadstoffe, die in den Abgasen von Schiffsmotoren enthalten sind. Dabei handelt es sich um Stick- und Schwefeloxide sowie feinste Rußpartikel, die gesundheitlich höchst bedenklich sind und die Umwelt schädigen können. Diese entstehen auch in Auto-Motoren, aber bei Schiffen ist das Problem deutlich größer.

    Schwefel

    Deren Maschinen laufen mit Schiffsdiesel oder mit sogenanntem Schweröl - einem Raffinerie-Rückstand, der sehr unsauber verbrennt und viel mehr Schwefel enthält als bei Kraftstoffen an Land erlaubt ist. Vor allem in den Häfen ballt sich das Problem. Das betrifft zwar alle Schiffe, am Pranger stehen deshalb allerdings vor allem die Kreuzfahrer. Nach Angaben der Umweltschutzorganisation NABU stößt ein einziges Kreuzfahrtschiff pro Tag mehrere Tonnen gefährlicher Luftschadstoffe aus.

    Die Regierungen haben in den vergangenen Jahren bereits Schritte eingeleitet, um der Abgasproblematik zu begegnen. Global greift ein Stufenplan, um den erlaubten Schwefelgehalt im Treibstoff ab 2020 auf maximal 0,1 bis 0,5 Prozent zu senken. In allen Häfen der EU sind es heute schon 0,1 Prozent und in der Nord- und Ostsee, die als Emissionsschutzgebiete gelten, sind es ein Prozent. Dort kann Schweröl nicht mehr verwendet werden. Auch die Grenzwerte für Stickoxide in Abgasen werden weltweit allmählich verschärft.

    Ein Anfang

    Umweltschützer sehen darin allerdings bestenfalls einen Anfang und pochen auf weitere Verbesserungen. Zum Vergleich: Der Schwefel-Grenzwert bei Kraftstoffen für Autos liegt innerhalb der EU bei 0,01 Prozent. Der NABU fordert den Einbau von Katalysatoren sowie Rußfiltern, wie sie an Land für Autos wegen der Abgasnormen zum Standard gehören. Erste Reeder bauen in neue Schiffe zwar Stickoxid-Filter ein, aber viele andere nicht. Rußfilter sind nach Angaben der Firmen bisher nicht serienreif und lassen sich wegen ihrer Abmessungen auch nicht nachrüsten.

    Ein wesentlicher Schritt wäre aus Sicht von Umweltschützern, in der Schifffahrt komplett auf Schweröl zu verzichten. Die Reedereien setzen ihrerseits darauf, den Treibstoffverbrauch zu senken. Moderne Kreuzfahrt- oder Containerschiffe haben etwa reibungsarme Silikonanstriche unter der Wasserlinie. Das spart Kraftstoff und Emissionen.

    Gearbeitet wird zudem an Lösungen für den Hafenaufenthalt von Schiffen. So könnten sich die Pötte dort an das Landstromnetz anschließen und ihre großen Maschinen, die sie zur eigenen Energieversorgung brauchen, wenigstens dort abschalten. Kreuzfahrtschiffe haben bereits solche Anschlüsse, aber es gibt weltweit erst in wenigen Häfen eine solche Infrastruktur.

    Die Reedereien setzen neuerdings auf eine andere Variante: Sie bauen schwimmende Kraftwerke, die mit Flüssiggas betrieben werden - einem Brennstoff, der wesentlich sauberer verbrennt als Diesel oder gar Schweröl. AIDA baut zusammen mit einem Partner eine "LNG Hybrid Barge", die ab 2014 Schiffe des Unternehmens während ihrer Stopps in Hamburg versorgen soll. Aus Umweltsicht hat dies große Vorteile: Gaskraftwerke erzeugen weniger CO2 und praktisch keine Ruß- und Schwefelabgase.

    Sebastian Bronst/AFP

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