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    Zuletzt aktualisiert: 10.11.2012 um 19:42 UhrKommentare

    Justiz geht der Flut auf den Grund

    Wer ist schuld am Jahrhundert- Hochwasser von Lavamünd? Die Staatsanwaltschaft Klagenfurt prüft die Vorkommnisse vom 5. November. Schutzmaßnahmen für das Lavanttal kosten 50 Millionen Euro.

    Foto © Eggenberger

    1. Gibt es wegen der Hochwasserkatastrophe bereits Ermittlungen?

    ANTWORT: Die Staatsanwaltschaft Klagenfurt hat aufgrund der Medienberichte von Amtswegen eine Prüfung der Vorkommnisse eingeleitet. "Bis Montag werden wir entscheiden, wie wir vorgehen", sagt Franz Simmerstatter, Sprecher der Staatsanwaltschaft. "Etwas machen werden wir aber sicher." Anzeigen etwa gegen den Verbund, wie von politischen Parteien angekündigt, gibt es bislang keine. Im Mittelpunkt der Kritik steht der Verbund, er betreibt an der Drau zehn Kraftwerke. Die Verantwortlichen des Energiekonzerns weisen Vorwürfe zurück, wonach der Verbund die Gefahr unterschätzt und falsch reagiert habe. Diese Woche wird der Verbund Landeshauptmann Gerhard Dörfler (FPK) einen Bericht zu den Ereignissen vom 5. November vorlegen.

    2. Hat der Verbund die Gefahr unterschätzt, Schleusen zu spät und zu weit geöffnet und so die Überschwemmung mitverantwortet?

    ANTWORT: Das wird derzeit geprüft. Vom Land, von der Justiz und vom Verbund selbst. Das Energieunternehmen ist überzeugt, korrekt gehandelt zu haben. "Das können wir auch jederzeit belegen", sagt Pressesprecher Robert Zechner. Die zehn Draukraftwerke werden von der Anlage in Feistritz im Rosental aus gesteuert. "Die Pläne werden ständig aktualisiert", sagt Jürgen Türk, Leiter der Draukraftwerke. Dabei werden Wetterprognosen eigener Messstellen, der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, der Deutschen Wetterwarte, der Flugwetterwarte sowie Radar- und Satellitenfotos verwendet. "Als in der Nacht auf Montag deutlich wurde, dass mehr Niederschlag kommt, haben wir gegen 2 Uhr begonnen, das Wasser so gut wie möglich abzuleiten", sagt Türk. Früher wäre es nicht notwendig gewesen, weil keine großen Regenmengen prognostiziert waren. Profit statt Sicherheit? "Auf keinen Fall. Wenn wir wissen, dass eine solche Überschwemmung droht, ist die Energieerzeugung völlig egal", sagt Türk.

    3. Statt des erwarteten fünfjährigen Hochwasseres verwüstete eine Jahrhundert-Flut die Gemeinde Lavamünd. Haben Wettervorhersagen versagt?

    ANTWORT: "Nein, versagt haben die Prognosen nicht. Aber möglicherweise haben sie die Entwicklung am vergangenen Wochenende unterschätzt", sagt Meteorologe Christian Stefan von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik. Die ZAMG hat am Freitag vor der Katastrophe eine Niederschlagswarnung herausgegeben, doch seien "diese Regenmengen von keinem unserer Prognosemodelle errechnet worden", sagt Stefan. Die Meteorologen rechneten mit Niederschlägen, wie sie zwei- bis dreimal pro Jahr vorkommen. In der Nacht auf Montag hat sich die Situation dann dramatisch verschärft. "Innerhalb von zwölf Stunden fiel enorm viel Regen. An manche Messstation so viel wie seit 20 Jahren nicht mehr", sagt Stefan. "Diese Geschwindigkeit in Kombination mit den großen Niederschlagsmengen waren absolut außergewöhnlich", sagt Norbert Sereinig, Chef der Unterabteilung Schutzwasserwirtschaft im Land. Verschärft wurde die Situation durch die teilweise völlig durchnässten Böden.

    4. Hat der Hydrographische Dienst des Landes, der die Hochwasserprognosen erstellt, die Gemeinden zu spät gewarnt?

    ANTWORT: "Nein. Wir haben ganz sauber und korrekt gearbeitet und entsprechend informiert", sagt die für Wasserwirtschaft zuständige Landesrätin Beate Prettner (SPÖ) nach einer Besprechung am Freitag. "Unsere Fachleute haben etwa für die Staukette an der Drau bei Rosegg eine Durchflussmenge von 1160 Kubikmeter pro Sekunde errechnet. Tatsächlich waren es 1200 Kubikmeter pro Sekunde." Der Hydrographische Dienst erstellt auf Basis der Daten der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) seine Prognosen. Noch Montag kurz nach 7 Uhr am Morgen gingen alle Experten, gestützt auf die vorliegenden Zahlen, von einem fünfjährlichen Hochwasser mit maximal geringen, nur lokalen Schäden aus. Etwa eine Stunde später musste auf ein 30-jährliches Hochwasser für Lavamünd korrigiert werden. Für Lavamünd kam jede Warnung zu spät. "Da muss man auch schauen, wie der Verbund mit dem Ablassen der Speicherbereiche reagiert hat", sind sich Prettner und Meteorologe Christian Stefan einig.

    5. Lavamünd liegt am Zusammenfluss von Drau und Lavant und ist bei Hochwasser besonders gefährdet. Wurde genug in Schutzmaßnahmen investiert?

    ANTWORT: Offenbar nicht. In vielen Gemeinden heißt das Match neuer Sportplatz gegen Hochwasserschutz. Alleine die Hochwasserprojekte für das ganze Lavanttal kosten bis zu 50 Millionen Euro, weiß Norbert Sereinig, Chef der Unterabteilung Schutzwasserwirtschaft im Land. Etwa 20 Prozent davon müssten die Gemeinden selbst bezahlen, nicht nur in Sparzeiten schwierig. "Besonders in Lavamünd ist Hochwassermanagement eine extrem komplexe Sache", sagt Sereinig. Der alte Ortskern an der Drau und der Zusammenfluss von Lavant und Drau sind die größten Hürden. Selbst wenn alle Maßnahmen des in Ausarbeitung befindlichen Gefahrenzonenplanes umgesetzt werden, gibt es keinen "vollständigen Schutz vor einem 100-jährlichen Hochwasser", sagt Sereinig. Mit fixen Bauten, mobilen Schutzelementen und Maßnahmen an Objekten kann das Risiko deutlich verringert werden. "Wenn aber 2400 Kubikmeter Wasser pro Sekunde durch den Ort fließen, ist auch jede Technik einmal ausgereizt", sagt Sereinig.

    JOCHEN HABICH

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