Springe zu: Inhalt | Hauptnavigation | Seitenleiste | Fußzeile
  • Zur Kärnten-Ausgabe
  • 16. April 2014 06:20 Uhr | Als Startseite
    Neu registrieren
    Verwaltungsmarathon nach Unwetterschäden Rekordpegel im Norden Deutschlands erwartet Voriger Artikel Aktuelle Artikel: Unwetter Nächster Artikel Verwaltungsmarathon nach Unwetterschäden Rekordpegel im Norden Deutschlands erwartet
    Zuletzt aktualisiert: 23.07.2012 um 20:56 UhrKommentare

    55.000 Häuser sind gefährdet

    Wie konnte es zur Unwetterkatastrophe von St. Lorenzen kommen? Wer ist noch durch Hochwasser und Muren gefährdet? Sechs Fragen und sechs (unbequeme) Antworten.

    Mure zog Spur der Verwüstung durch St. Lorenzen

    Foto © BundesheerMure zog Spur der Verwüstung durch St. Lorenzen

    Wie kann es zu einer Katastrophe wie in St. Lorenzen kommen?

    ANTWORT: Durch regelmäßigen, teils heftigen Niederschlag, gesättigte Böden, anfälliges Gestein im Graben und Waldhänge in Bewegung. In St. Lorenzen hat sich "grauslicher Schiefer", so Gerhard Baumann (Wildbachverbauung), mit Erdreich und Wasser im Lorenzerbach vermengt. Bäume, Geäst etc. verstopften den Graben. Es staute sich - bis sich beim Unwetter am Wochenende "der ganze Knödel löste" und den Ort verwüstete.

    Fakten

    Wildbäche und Lawinen : Die Liste der Naturgefahren umfasst Hochwasser, Muren, Lawinen, Hangbewegungen und Steinschlag. Die dem Bund zugeordnete Wildbach- und Lawinenverbauung hat für Länder und betroffene Gemeinden eigene Gefahrenzonenpläne erstellt. Sie sind bei Bauvorhaben, Verfahren und in den Flächenwidmungsplänen zu berücksichtigen.

    Hochwassergebiete: Was in alpinen Lagen im Norden die Gefahr von Muren, ist im Süden das Hochwasserrisiko. Das Land Steiermark hat entlang der Flüsse Abflussgebiete für 30- und 100-jährliches Hochwasser ausgewiesen. "Gefährdet sind vor allem Objekte an breiten, flachen Flussbetten, etwa an der Raab", sagt Peter Rauchlatner vom Referat für Wasserwirtschaftliche Planung.

    Gefahrenzone und Abflussgebiete: Die Wildbach- und Lawinenverbauung unterscheidet zwischen roten und gelben Gefahrenzonen. Basis: "Ein Bemessungsereignis mit einer Wiederkehrwahrscheinlichkeit von 150 Jahren." Der rote Teil ist für Siedlungs- und Verkehrszwecke tabu. In der gelben Zone muss im Verfahren jedenfalls eine Stellungnahme eingeholt werden. Gebaut werden kann meist nur unter Auflagen. Indes sind bei Hochwasser drei Kategorien maßgeblich: ein Hochwasser, das alle 30 Jahre (HQ 30), alle 100 (HQ 100) und alle 300 Jahre (HQ 300) auftreten könnte. Abflussgeschwindigkeit und Wasserpegel sind örtlich unterschiedlich. Jedenfalls darf man in HQ-100-Gebieten grundsätzlich nicht, bei HQ 30 nur bedingt bauen.

    Wäre ein Unglück dieses Ausmaßes zu verhindern gewesen?

    ANTWORT: Wohl nur mit einem Rückhaltebecken von enormer Dimension. "So etwas wäre dann aber sehr teuer", sagt Johannes Hübl vom Institut für Alpine Naturgefahren an der Boku Wien. Wildbachexperte Baumann sagt, dass ein derartiges Extremszenario im Gefahrenzonenplan (2009) für St. Lorenzen festgehalten worden ist. Kurzfristige Maßnahmen, wie von Bürgern im Juni gefordert, hätten aber kaum geholfen.

    Ist St. Lorenzen ein Einzelfall oder muss man auch anderswo zittern?

    ANTWORT: Baumann nennt den Bereich zwar eine "giftige Grabenstrecke", wo vieles zusammenkommt. Allerdings: Allein in der Steiermark gibt es 339 (von 542) Gemeinden mit mindestens einem Wildbach. Davon sind steiermarkweit 3200 eingetragen. In der roten Gefahrenzone befinden sich nicht weniger als 17.000 Objekte. In der gelben Gefahrenzone sind 38.000 Objekte, die Muren, Wassermassen oder Ähnliches treffen könnten.

    Warum wurde nicht mehr und früher Geld in Schutzbauvorhaben wie Rückhaltebecken investiert?

    ANTWORT: Erstens sind die Mittel begrenzt. So stehen der Wildbach- und Lawinenverbauung im Jahr für die Steiermark durchschnittlich 14 Millionen Euro zur Verfügung. Doch allein um die nach den Unwettern in der Obersteiermark geplanten Maßnahmen umzusetzen, werden schätzungsweise 15 bis 20 Millionen Euro nötig sein. Noch dazu vergehen für Planung und Verfahren mindestens acht Monate.

    Warum wohnen so viele Menschen in von Hochwasser und Muren bedrohten Gebieten?

    ANTWORT: Das war früher nicht so streng geregelt. Man baute, mitunter aus Kostengründen, trotz des Risikos. Nicht zu vergessen: Vielfach handelt es sich um Altbestände. Die Steiermark verschärfte (erst) 2008 die Gangart bei Hochwassergefahr. Der steirische Landeshauptmann Franz Voves regte nun an, dass Experten prüfen sollen, ob es noch sinnvoll ist, an den Unglücksstellen erneut in Eigentum zu investieren.

    Wie werden die gefährdeten Gemeinden in Zukunft vor Naturgefahren geschützt?

    ANTWORT: Von Bauverboten oder Absiedelungen kann in St. Lorenzen & Co. keine Rede sein, betont man im Land. Viel mehr sollen (weitere) Hochwasserrückhaltebecken sowie Dämme gegen Muren errichtet werden. Freilich bleibt das Wetter unberechenbar. Siehe "Tobeitschbach" (Bezirk Liezen), wo heuer alle Vorbereitungen für die Wildbachverbauung abgeschlossen worden sind. Im Juni jedoch sorgte ein Unwetter für Vermurungen.

    THOMAS ROSSACHER, GÜNTER PILCH

    Grafik

    Grafik © Kleine Zeitung

    Grafik vergrößernMuren und Hochwasser - Risiko in der Steiermark Grafik © Kleine Zeitung

    Mehr Unwetter

    Mehr aus dem Web

      Steiermark > Graz

      Wolkig
      Graz
      min: 1° | max: 13°
      7-Tagesprognose

      Aktuelle Leser-Fotos

      KLEINE.tv

      Hochwasser: So sicher ist Kärnten

      Es war ein Hochwasser mit dem niemand im Lavanttal gerechnet hatte, eine...Bewertet mit 3 Sternen

      Fotoserien

      Heftige Unwetter über Frankreich & Britannien 

      Heftige Unwetter über Frankreich & Britannien

       




      Seitenübersicht

      Zum Seitenanfang