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Zuletzt aktualisiert: 23.07.2011 um 22:47 UhrKommentare

Das "Haus Österreich" in Kärnten

Habsburger leben auch im Lavanttal. Die Forstwirte Christoph und Dominik Habsburg-Lothringen leiten die Dr. Gudmund Schütte Forst- und Gutsverwaltung.

Die Kärntner Familie Habsburg

Foto © TRAUSSNIGDie Kärntner Familie Habsburg

Zwei Wochen lang hat Dominik Habsburg-Lothringen (37), seit letztem Jahr Eigentümer der Dr. Gudmund Schütte Forst- und Gutsverwaltung in St. Andrä, kaum ein Auge zugetan. Als Protokollchef der Begräbnisfeierlichkeiten für Otto Habsburg-Lothringen, seinen Onkel vielfachen Grades, war er Schnittstelle zwischen allen Beteiligten und erhielt zwei Mails und ein Fax pro Minute. 1000 Persönlichkeiten, Freunde und Familienmitglieder in ganz Europa wurden schriftlich benachrichtigt, der Ablaufplan war 75 Seiten dick. "Es war eine Art Drehbuch", erzählt der Habsburger, der wie sein Vater Christoph Habsburg-Lothringen (66) und sein Onkel Ulrich Habsburg-Lothringen Diplomingenieur für Forstwirtschaft ist und der toskanischen Linie der Habsburger angehört.

Alle noch lebenden Habsburger sind direkte Nachfahren von Kaiserin Maria Theresia und Franz Stefan von Lothringen, der auch Großherzog von Toskana war. Sie bilden das Erzhaus, das "Haus Österreich". Die Familie Habsburg besteht heute aus vier Linien: der Hauptlinie, der toskanischen, der polnischen und der ungarischen Linie. Insgesamt gibt es rund 280 Habsburger weltweit, erklärt Dominik Habsburg-Lothringen.

Dank für "Onkel Otto"

Schon vor Jahren hat er sich für die "ehrenvolle Aufgabe" des Protokollchefs zur Verfügung gestellt, um seinem "Onkel Otto" für den er auch den 90. und 95. Geburtstag mitorganisiert hat, zu danken. "Er hat uns durch sein vornehmes, edles und einfaches Auftreten sehr beeindruckt. Er hat uns aufgefordert, in die Politik zu gehen, um die Welt zu verbessern, sich für eine Sache einzusetzen."

Das hat auch Christoph Habsburg-Lothringen als Obmann der Land & Forstbetriebe Kärntens, als amtierender Präsident des Kärntner Forstvereines, Ex-Gemeinderat, Obmann des Vereines "Schützt das Lavanttal" und als Präsident der Kärntner Pfadfinder beherzigt. In den 70er-Jahren führte er die ersten Rauchschadensprozesse gegen das ÖDK-Kohlekraftwerk St. Andrä und konnte Entschädigungen für 6000 Waldeigentümer und den Einbau der Filteranlage erreichen. Christoph Habsburg war es auch, der als Mitglied der Studentenverbindung Katholisch-Österreichische Landsmannschaft Maximiliana Wien 1967 Otto Habsburgs ersten Vortrag in Österreich organisierte. Alle Parteien waren dagegen, fünf Monate lang war kein Vortragssaal zu bekommen.

Das Familienoberhaupt Otto hatte prägende Wirkung. "Er hat uns aufgetragen, dass jeder in seiner Position den richtigen Dienst zu machen hat." Für Christoph und Dominik Habsburg, die beide zur sozialen Verpflichtung erzogen wurden und von Kind auf Durchhaltevermögen und Ausdauer ebenso gelernt haben wie eine genaue Taschengeldabrechnung, ist das 2500 Hektar große Forstgut die Herausforderung, Tradition und Innovation zu verbinden. Technische Neuerungen wurden eingeführt, überbetriebliche Kooperationen mit der ersten Entrindungsgemeinschaft begründet. Neuestes Projekt der Alternativenergie-Verfechter: Ein Windpark auf der Koralm, der 11.000 Haushalte im Lavanttal mit Strom versorgen soll.

Heirat war "schuld"

Dass die Habsburger nach Kärnten kamen, liegt - nach guter alter Manier - an einer Heirat und vor allem am königlich dänischen Kammerherrn August Theodor Schütte, der 1859 die Staatsdomäne St. Andrä im Lavanttal erwarb. Sein Enkel Gudmund Schütte heiratete die Oberkärntnerin Elsa Pichler. Tochter Helvig, Österreichs erste Forstwirtin, lernte an der Uni den aus Salzburg stammenden Heinrich Habsburg-Lothringen kennen, der ihr 1939 als Ehemann ins Lavanttal folgte. 1968 übernahm Christoph Habsburg nach dem Unfalltod seines Vaters mit seiner Mutter Helvig die Führung des Gutes, das ihm die Mutter später vererbte.

"Unsere Aufgabe ist es, das Erbe unserer Väter zu achten und für weitere Generationen zu erhalten", betont Dominik Habsburg, der sich zur Langfristigkeit und Nachhaltigkeit verpflichtet fühlt. "140 Jahre Planungszeitraum sind für uns normal, wir denken in Jahrhunderten." Reichtum bringe der Besitz in "karger" Lage ab 1000 Meter Seehöhe nicht. 1000 Hektar sind Alm, 1000 Hektar Schutzwald. Starkniederschläge, Stürme, Trockenperioden und Borkenkäfer sind große Probleme.

"Urlaub habe ich wenig, wir haben noch nicht einmal unsere Hochzeitsreise gemacht", erzählt der Pfadfinder-Landesleiter, der wie seine Geschwister bügeln und kochen gelernt hat, am Wochenende Kinderdienst macht und auch seine Kinder zum Mithelfen erzieht. Vor jedem Essen - auch im Hotel - wird mit den Kindern gebetet. Religion und Familie sind ihm ebenso wichtig wie seinem Vater, der sein Sendungsbewusstsein darin sieht, Pflichten ehrenvoll auszuführen und sein Wissen für die Gemeinschaft einzusetzen. Familiäre Devise: In der Sache hart verhandeln, aber versuchen, allen Menschen mit Liebe zu begegnen.

ELKE FERTSCHEY

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