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    Zuletzt aktualisiert: 15.07.2011 um 11:33 UhrKommentare

    Christen, Juden und Muslime gedachten Otto Habsburg

    An den aufgebahrten Särgen von Otto Habsburg-Lothringen und seiner Frau Regina in der Wiener Kapuzinerkirche haben am Donnerstagnachmittag ein jüdischer, ein christlicher und ein muslimischer Geistlicher mit Totengebeten gemeinsam die Verstorbenen gewürdigt.

    Foto © AP

    Der Leichnam von Kaisersohn Otto Habsburg ist gemeinsam mit jenem seiner Gemahlin Regina seit Donnerstag früh zwei Tage lang in Wien aufgebahrt. In der Kapuzinerkirche am Neuen Markt wird noch bis inklusive Freitag von 6 Uhr bis 24 Uhr eine Totenwache gehalten. Von 10 bis 22 Uhr kann die Öffentlichkeit kondolieren. Bereits am Donnerstagvormittag hatten mehrere hundert Personen die Gelegenheit genutzt, sich ins Kondolenzbuch einzuschreiben.

    Totengebete am Nachmittag

    Am Nachmittag fanden Totengebete nach jüdischer, islamischer und christlicher Tradition statt. Der Großmufti von Sarajevo, Mustafa Ceric, ein persönlicher Freund Otto Habsburgs, verlas ein Gebet, das sein Amtsvorgänger vor hundert Jahren für Kaiser Franz Joseph gesprochen hatte. Der frühere Oberrabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde für München und Oberbayern, Steven Langnas, sang wie bereits bei der Trauerfeier in München einen Kaddish. Weihbischof Stephan Turnovszky bestritt den christlichen Part der Trauerstunde.

    Zu der berührenden interreligiösen Trauerfeier hatten sich zahlreiche Mitglieder der Familie Habsburg versammelt, unter ihnen Ottos Söhne Karl und Georg mit Kindern, Tochter Walburga Habsburg-Douglas und viele andere. Als "Hausherr" der Kapuziner begrüßte Pater Karl Martin Gort die Trauergemeinde und gab seiner großen Freude Ausdruck, "dass sich verschiedene Religionsgemeinschaften zusammengefunden haben, um ihre Zusammengehörigkeit zu demonstrieren".

    Feierstunde für die Familie

    Karl sprach von einer Feierstunde "von ganz besonderer Bedeutung für meine Familie". Seine Eltern seien aus religiöser Überzeugung immer für den Zusammenhalt der Religionen eingetreten. Sein Vater "stammte aus einer Zeit, wo es neben Militärgeistlichen auch Militär-Imame und Militär-Rabbiner (in der k.u.k.-Armee, Anmerkung) gab". Die gemeinsame Basis sei Otto Habsburg immer wichtiger gewesen als das Trennende: "Toleranz war für ihn selbstverständlich."

    Die Trauergebete der drei abrahamitischen Religionen wurden von Rabbiner Langnas eröffnet. Dieser sang ein jüdisches Totengebet (Kaddish), das die Worte beinhaltete "Im Garten Eden möge er Ruhe finden" und "Bei Gott möge er Geborgenheit finden". In seinen einleitenden Worten hatte der ältere Sohn des Verstorbenen und heutige Chef des Hauses Habsburg den früheren Oberrabbiner von Oberbayern gewürdigt, der durch seine Teilnahme an der Trauerfeier in München dem dortigen Requiem am Odeonsplatz "eine ganz besondere Tiefe" verliehen habe.

    "Für ihn ist die Pilgerreise zu Ende"

    Weihbischof Turnovszky betete für den tiefgläubigen katholischen Otto Habsburg "Ihr Heiligen Gottes nehmt ihn auf". Es folgten eine Lesung aus den Paulus-Briefen und Fürbitten, gelesen von Verwandten der Verstorbenen, das Glaubensbekenntnis und ein gemeinsam gebetetes Vaterunser. "Für ihn ist die Pilgerreise zu Ende", beschloss der Weihbischof der Erzdiözese Wien seine Worte.

    Besonderen Eindruck in der Trauergemeinde hinterließ Großmufti Ceric, der ein Totengebet in arabischer Sprache vortrug. Auf Englisch sprach er danach das Gebet, das sein Vorgänger Dzemalludin Causevic aus Anlass des Geburtstags von Franz Joseph I. für den Kaiser in Bosnien gesprochen hatte. Darin wird Gott gebeten, "die Familie unseres geliebten und erhabenen Kaisers, unseres geliebten Herrschers Franz Joseph I." durch seine Gnade zu stärken.

    Anschließend würdigte der Großmufti von Sarajevo Otto Habsburg, den er respektvoll als "Seine Kaiserliche Hoheit" bezeichnete, und dessen Gemahlin Regina. Der Verstorbene "war ein Freund Bosniens, ein Förderer des neuen Europa, ein Patron einer neuen und friedlichen Welt, eine Persönlichkeit für alle Zeit", betonte der Rais-Ulema. Er habe den Sohn des letzten Kaisers von Österreich und Königs von Ungarn als "integren und mutigen Mann" kennengelernt.

    Großer Andrang von Kondolierenden

    Während der interreligiösen Feier - das Gotteshaus wurde vorübergehend geschlossen - bildeten sich Schlangen von Menschen an den Seitentüren der Kapuzinerkirche, um vom Habsburger-Paar Abschied zu nehmen. Vier Kondolenzbücher waren in der Kirche aufgelegt. Von 10:00 Uhr bis 22:00 Uhr kann die Öffentlichkeit am Donnerstag und Freitag von Otto und Regina Habsburg Abschied nehmen. An den Särgen in der linken Seitenkapelle (Kaiserkapelle) hielten Vertreter eines Traditionsregiments die Totenwache, davor lagen auf Kissen die höchsten Orden der Verstorbenen, der Orden vom Goldenen Vlies und der Sternkreuzorden.

    Viele Schaulustige beschäftigten sich im Freien vor der Kirche indessen mit Zeitgeschichte: Auf einer großen Video-Wand gegenüber dem Gotteshaus wurden Dokumentationsfilme gezeigt, die Ereignisse aus dem Leben Otto Habsburgs schilderten. Bevor die Trauerstunde begann, erzählte der langjährige Europa-Parlamentarier auf der Video Wall gerade aus der Zeit, bevor er vor den Nationalsozialisten nach Amerika floh.

    Von Mariazell nach Wien

    Die Särge des ältesten Sohns des letzten österreichischen Kaisers Karl I., und seiner Gemahlin waren am Mittwochabend aus Mariazell kommend in Wien eingetroffen. Kurz vor 20 Uhr hielten die beiden Sargwägen vor der Kapuzinerkirche, wo sie von fünf Kapuzinermönchen und engsten Familienmitglieder empfangen wurden. Im Gotteshaus versammelten sich sodann die Familienmitglieder zu einem stillen Gedenken. Ottos Söhne Karl und Georg waren in Begleitung einiger ihrer Kinder gekommen, auch Karls Schwiegermutter Fiona Thyssen-Bornemisza war unter den Trauergästen, weiters Karls Schwestern Walburga, Monika und Michaela.

    Die Überführung des Habsburger-Paares vom Wallfahrtsort Mariazell, wo am Mittwochnachmittag ein feierliches Requiem zelebriert worden war, war die letzte Etappe eines tagelangen Weges zur letzen Ruhestätte.

    Zu Hause verstorben

    Der Präsident der Paneuropa-Union und langjährige CSU-Europaabgeordnete Otto Habsburg war am 4. Juli in den frühen Morgenstunden in seinem Haus in Pöcking am Starnberger See in Bayern im Alter von 98 Jahren verstorben. Einige Tage war der Leichnam in einer Kirche in Pöcking aufgebahrt. Am Montag fand in München ein Requiem in der Theatinerkirche statt. Danach ging die Reise nach Mariazell weiter, wohin auch die sterblichen Überreste von Regina Habsburg gebracht wurden. Regina Habsburg war im Vorjahr verstorben. Sie war zunächst in der Familiengruft im südthüringischen Heldburg beigesetzt worden, in der schon ihre Mutter und ihr im Zweiten Weltkrieg gefallener Bruder die letzte Ruhe gefunden haben.

    Begräbnis am Samstag

    Das Begräbnis von Otto und Regina Habsburg ist am Samstag in Wien. Am Samstagnachmittag findet im Stephansdom ein feierliches Requiem im Beisein von rund eintausend geladenen Trauergästen statt.

    Angekündigt haben sich fünf Staatschefs: König Carl XVI. Gustaf von Schweden mit Königin Silvia, Großherzog Henri von Luxemburg mit Großherzogin Maria Teresa, Fürst Hans Adam von Liechtenstein mit Fürstin Marie, Staatspräsident Michail Saakaschwili von Georgien sowie Bundespräsident Heinz Fischer. Kommen werden zudem die Ministerpräsidenten von Kroatien, Jadranka Kodor, und Mazedonien, Nikola Gruevski. Weitere Trauergäste sind laut Habsburg-Sprecherin Eva Demmerle der bulgarische Ex-König und Ex-Premier Simeon Sakskoburggotski (Sachsen-Coburg-Gotha), Prinz und Prinzessin Michael von Kent, der Wiener Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ), Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP), der Vorarlberger Landeshauptmann Herbert Sausgruber (ÖVP) und Salzburgs stellvertretender Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP). Allein aus der Familie Habsburg werden mindestens 150 Angehörige zum Begräbnis erwartet.

    Nach einem Trauerzug durch Teile der Wiener Innenstadt werden Otto und Regina Habsburg nach traditionellem Zeremoniell in der Kaisergruft der Kapuzinerkirche beigesetzt. Die Urne mit dem Herzen Otto Habsburgs wird separat beigesetzt. Dies geschieht am Sonntag in der ungarischen Benediktinerabtei Pannonhalma.

    Unterdessen gab es weiterhin Kritik an der Art der Trauerfeiern. Der Historiker Karl Vocelka, Vorstand des Instituts für Geschichte der Universität Wien, äußerte Zweifel an der Angemessenheit. Die Trauerfeiern seien mit jener von Kaiserin Zita 1989 vergleichbar, allerdings sei sie eine ehemalige regierende Kaiserin gewesen. Auch an der Beteiligung des Bundesheers an dem Begräbnis war Kritik laut geworden. Verfassungsjurist Heinz Mayer sah "keine ausreichende Grundlage" dafür. Die Tatsache, dass Habsburg eine Person öffentlichen Interesses gewesen sei, reiche seiner Meinung nach nicht aus. Kritik am Einsatz des Bundesheeres war zuvor auch von Grünen-Geschäftsführer Stefan Wallner und dem Republikanischen Club geäußert worden.


    Habsburg-Begräbnis - Verkehrssperren

    Grafik © APA/Infografik

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