Klimaschutz: Experten fordern härtere Maßnahmen
Steirischer Klimaschutzplan zeigt erste Erfolge. Bei Verkehr und Energie empfehlen Experten der Landespolitik jedoch restriktivere Gangart.

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Die Bilanz ist durchwachsen. Vor exakt einem Jahr gab die Landesregierung den Startschuss für den steirischen Klimaschutzplan. Das von Experten ausgearbeitete Papier weist der Politik einen Weg, wie die Kohlendioxidemissionen im Land bis zum Jahr 2020 um 16 Prozent nach unten gedrückt werden können. Voraussetzung: Die vorgeschlagenen Maßnahmen müssen vollständig umgesetzt werden. Ein Vorhaben, zu dem sich der Landtag bereits 2010 einstimmig bekannt hat.
Wie gut die Steiermark dabei vorankommt, schlüsselt nun der druckfrische Steirische Klimaschutzbericht 2011 auf. Und er zeigt: Auf der Habenseite stehen zwar erste Erfolge in Teilbereichen, insgesamt aber, so das Urteil der Landesexperten, wird die Steiermark um restriktivere Maßnahmen in Sachen Klimaschutz nicht herumkommen.
Von den 279 Einzelmaßnahmen des Plans gelten fünf als abgeschlossen, darunter Förderungen für solarthermische Anlagen in der Industrie oder Energieziele für Landesgebäude. Immerhin 45 Maßnahmen befinden sich inzwischen in der Umsetzungsphase. "Für diese kurze Zeit ist das erstaunlich viel", sagt die steirische Klimaschutzkoordinatorin Andrea Gössinger-Wieser.
KLEINVERBRAUCH
Erfolge dank wenig Verbrauch
Wärmedämmung und Ökoenergie schlagen sich positiv auf die Klimabilanz. Obwohl es seit 1990 fast um ein Viertel mehr Hauptwohnsitze gibt, ging der CO2-Ausstoß der steirischen Privathaushalte um 44 Prozent zurück. Damit liegt die Steiermark deutlich über dem bundesweiten Trend. Allerdings: Knapp die Hälfte aller steirischen Heizungen läuft immer noch mit fossilen Brennstoffen, die Sanierungsrate älterer Wohnhäuser lag zuletzt bei 1,5 Prozent und damit unter den Vorgaben des Klimaschutzplans (3 bis 4 Prozent).
ENERGIE & INDUSTRIE
Emissionen steigen weiter an
Kraftwerke und Industrie verursachen gemeinsam mehr als die Hälfte aller steirischen CO2-Emissionen. Zwischen 1990 und 2009 ist der Ausstoß der Industrie um neun Prozent gestiegen, 2010 gab es einen weiteren Sprung nach oben. Bei den Kraftwerken sind die Emissionen durch das Aus des Kohlemeilers Voitsberg zwar um ein Drittel gesunken, das neue Gaskraftwerk Mellach wird die Werte aber wieder erhöhen. Die Anzahl der Biomasse-Heizwerke ist zwischen 2005 und 2011 um ein Drittel auf 420 gestiegen.
AGRAR & ABFALL
Deutlich weniger Treibhausgas
Immerhin jede zehnte Tonne an menschenverursachtem CO2-Äquivalent stammt in der Steiermark aus der Landwirtschaft - hauptsächlich in Form von Lachgas durch die Düngung und Methan durch die Rinderhaltung. Durch biologischere Ansätze im Anbau sind die Emissionen seit 1990 um 14 Prozent gesunken. Für etwas weniger als jede 20. Tonne Treibhausgas ist die Abfallwirtschaft verantwortlich - über Methanemissionen der Deponien und Abwasserbehandlung. Seit 1990 ist es hier gelungen, die Treibhausgase um fast die Hälfte zu reduzieren.
VERKEHR
Das Sorgenkind Nummer eins
Seit 1990 sind die verkehrsbedingten CO2-Emissionen in der Steiermark um 35 Prozent angestiegen. Der gerne ins Treffen geführte Tanktourismus spiele dabei keine Rolle, sagt Klimaschutzkoordinatorin Andrea Gössinger-Wieser. Erfolge brachte der Ausbau der S-Bahn mit 25 Prozent mehr Fahrgästen seit 2007. Zu langsam geht es in Sachen Park & Ride voran: Knapp 300 Stellplätze entstanden im Vorjahr; der Klimaschutzplan sieht pro Jahr mehr als doppelt so viele vor.
Wenngleich die steirische Klimawelt mit der bisher vornehmlich sanften Gangart alleine nicht zu retten sein wird. Die Experten empfehlen der Landespolitik, stärker auf "ordnungspolitische Maßnahmen" zurückzugreifen. Vor allem im Verkehrsbereich, dessen Emissionen seit 1990 explodiert sind, treten die Experten für ein "restriktiveres" Vorgehen und "mehr Kostenwahrheit" ein.
Gesetz für mehr Effizienz
Also Bemautungen und Fahrverbote? Eine heiße Kartoffel, die der für Klimaschutz zuständige Landesrat Siegfried Schrittwieser (SPÖ) nur mit Vorsicht aufnimmt. Einschränkungen seien "die letzten aller möglichen Mittel". In der landesrätlichen Schublade soll jedoch bereits die Vorlage für ein steirisches Energieeffizienzgesetz liegen - mit entsprechend strengen Vorgaben für den Energieverbrauch.
Dass die Steirer aufs Tempo drücken, hat einen handfesten Grund: Ab 2013 will der Bund die Länder zur Kasse bitten, falls Österreich seine internationalen Klimaziele abermals verfehlt.








