Der Gemüse-Gau und die Suche nach der Ursache
Mediziner haben Hinweise auf die Ursache schwerer Verläufe bei EHEC-Patienten gefunden. Das Vertrauen der Österreicher in Bio-Gemüse ist schwer erschüttert - 80 Prozent glauben, dem Bio-Hype leichtgläubig verfallen zu sein.

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Mediziner der Universitätskliniken Greifswald und Bonn haben Hinweise auf die Ursache schwerer Verläufe bei EHEC-Patienten mit HU-Syndrom gefunden. Vieles deute darauf hin, dass neben dem Giftstoff Shigatoxin auch die Bildung von Autoantikörpern für schwere Schädigungen verantwortlich sei, sagte der Transfusionsmediziner Andreas Greinacher vom Universitätsklinikum Greifswald.
Die Autoantikörper verursachten einen Anstieg eines Gerinnungsfaktors, wodurch die Durchblutung wichtiger Gehirnregionen und der Nebennieren eingeschränkt sei. Sie werden nur von einigen EHEC-Patienten gebildet. Inzwischen wurden erste schwer erkrankte Patienten mit einer speziellen Blutwäschetherapie behandelt. "Die ersten Entwicklungen bei den Blutwerten stimmen uns optimistisch."
Vertrauen in Gemüse erschüttert
Was die Gemüseproduzenten bereits zu spüren bekommen haben, hat nun auch eine vom Linzer Meinungsforschungsinstitut "market" durchgeführte, am Mittwoch veröffentlichte Umfrage ergeben: Die von EHEC-Keimen ausgelösten Erkrankungen und Todesfälle haben das Vertrauen der Österreicher in Bio-Gemüse erschüttert. Besonders stark gelitten hat es bei den 16- bis 29-Jährigen. Die Bevölkerung fordert strengere Kontrollen von Lebensmittelimporten.
"market" hat am 31. Mai und 1. Juni 403 repräsentativ für die Bevölkerung ab 16 Jahren ausgewählte Personen online befragt. Dabei erklärten 47 Prozent, dass ihr Vertrauen in Bio-Gemüse durch die Meldungen über EHEC sehr stark bzw. stark erschüttert ist. Bei der jungen Bevölkerung liegt dieser Wert bei 55 Prozent. Etwas beziehungsweise gar nicht gelitten hat das Vertrauen bei insgesamt 42 Prozent der Befragten.
Strengere Kontrollen gefordert
87 Prozent treten dafür ein, dass Importe von Nahrungsmitteln allgemein wesentlich strenger kontrolliert werden. 84 Prozent glauben, dass es zahlreiche Probleme mit Lebensmitteln gibt, die aber vertuscht werden, solange die Medien nichts aufdecken. 80 Prozent gehen davon aus, dass viele zu leichtgläubig sind, was die Herkunft von biologisch angebautem Gemüse betrifft. 77 Prozent sind der Ansicht, dass die Verunsicherung zu einem schweren Problem für die gesamte Bio-Szene werden wird.
62 Prozent sind der Meinung, dass EHEC-Keime auch im Zusammenhang mit österreichischen Produkten auftreten könnten. Insgesamt 42 Prozent haben Angst, dass es auch in Österreich bald zu Todesfällen durch den Erreger kommt, darunter neun Prozent, die sich "sehr fürchten".
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Ein deutsches Krisentreffen zu der Infektionswelle mit dem gefährlichen Darmkeim EHEC hat am Mittwoch in Berlin begonnen. Die Gesundheits- und Verbraucherminister von Bund und Bundesländern wollen beraten, wie die Krankheit eingedämmt werden kann.
An der Sonderkonferenz in Berlin nimmt auch EU-Verbraucherkommissar John Dalli teil. Das Robert-Koch-Institut und weitere Bundesbehörden wollen über den aktuellen Stand der Infektionswelle informieren, deren Quelle weiter unbekannt ist.








