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Zuletzt aktualisiert: 31.05.2011 um 21:08 UhrKommentare

"Bio" bangt um seinen guten Ruf

Den Gemüseproduzenten brechen wegen der "Keim-Panik" die Kunden weg - es wird "existenzbedrohend". Wer in Sachen Gemüse auf heimische Ware setzt, hat nichts zu befürchten.

Foto © Kanizaj

Ob die spanischen Gurken nun Schuld an den Erkrankungen sind oder nicht: Der grassierende EHEC-Keim vergällt den Steirern die Lust auf Gemüse. Beim größten heimischen Gemüseproduzenten LVG stuft man die Zurückhaltung der Konsumenten bereits als "existenzbedrohend" für die Bauern ein, nur noch ein Viertel der üblichen Gemüsemengen würden verkauft. Besonders die Bio-Betriebe bangen um ihren guten Ruf. Wie vernünftig ist die Vorsicht der Konsumenten, und sind Bioprodukte immer die bessere Wahl? Im Folgenden die wichtigsten Fragen und Antworten.

Ist es Zufall, dass es sich bei den beanstandeten Gurken ausgerechnet um Bioprodukte gehandelt hat?

ANTWORT: Der Ursprung der Keime steht zwar immer noch nicht fest. Experten gehen aber davon aus, dass im konkreten Fall genauso gut Gemüse aus konventionellem Anbau betroffen hätte sein können. Die Tatsache, dass die beanstandeten Gurken (auch wenn sie letztlich nicht Auslöser der Infektionswelle waren) Biogemüse sind, dürfte nicht ursächlich für ihre Verunreinigung verantwortlich sein.

Man meint, dass Bio-Produkte besonders gesund sein sollen. Wie viel Verlass ist nun auf diese Lebensmittel?

ANTWORT: Lebensmittel, die mit dem geschützten Begriff "Bio" gekennzeichnet sind, müssen nach den Regeln des biologischen Landbaus hergestellt werden. Das bedeutet etwa: naturschonende Produktionsmethoden, Verzicht auf chemischen Pflanzenschutz, Mineraldünger, Gentechnik und Geschmacksverstärker. Aber: Bio muss weder regional noch kleinstrukturiert bedeuten. Über die Herkunft der Lebensmittel sagt der Begriff nichts aus. Sie können eben auch von einer spanischen Großplantage stammen, solange man sich dort an die Bio-Bestimmungen hält. Dann sind die Produkte zwar umweltschonend hergestellt, haben durch die weite Anlieferung aber dennoch eine schlechte Ökobilanz.

Bedeutet denn Bio in Österreich dasselbe wie im Rest Europas?

ANTWORT: Grundsätzlich ja. Hier wie dort gelten die einheitlichen Grundsätze der EU-Bioverordnungen. Allerdings unterwerfen sich die meisten heimische Bio-Verbände, wie etwa Bio Austria, freiwillig noch strengeren Regeln. Ob Bio oder nicht: Organischer Dünger wie Gülle darf zur Vegetationszeit nicht auf die Felder aufgebracht werden. "Ich hoffe, dass die Konsumenten sehen, dass wir in Österreich anders produzieren und jetzt erst recht auf die Herkunft schauen", sagt Herbert Kain, Obmann von Bio Steiermark.

Grafik © KLZ

Grafik vergrößernGrafik © KLZ

Wie hoch ist der Bio-Anteil beim heimischen Gemüse?

ANTWORT: Das hängt von der Sorte und von der Jahreszeit ab. Bei Karotten liegt der Bio-Anteil bei mehr als einem Drittel, bei anderen Sorten, wo die Bio-Produktion aufwendiger ist, ist der Anteil wesentlich geringer. Insgesamt dürfte der Bio-Gemüseanteil in Österreich zwischen fünf und zehn Prozent ausmachen.

Kommt der Rest des heimischen Gemüses aus Großbetrieben?

ANTWORT: Das ist in Österreich die Ausnahme. "90 Prozent der heimischen Produktion kommen von konventionellen Familienbetrieben, die immer noch sehr kleine Flächen bewirtschaften", sagt Siegfried Rappel, Geschäftsführer der Erzeugerorganisation Steirisches Gemüse GmbH. Deren Angebot ist allerdings wie jenes der Biobauern saisonabhängig - nicht jede Gemüsesorte gibt es immer. "Während der Saison können wir aber den gesamten heimischen Markt abdecken", sagt Rappel.

Ist es vernünftig, derzeit auf Rohgemüse zu verzichten?

ANTWORT: Ein grundsätzlicher Verzicht muss überhaupt nicht sein. Die heimischen Produzenten haben mit den derzeitigen Vorgängen nichts zu tun, von ihrem Gemüse geht keine Gefahr aus. Wer auf Nummer sicher gehen will, muss nur einen Blick auf die Herkunftsangaben werfen.

Günter Pilch

Kommentar

Michael SabathNachhaltig g... von Michael Sabath

Stellen Sie Ihre Fragen!

Die Verunsicherung rund um die EHEC-Keime und die Sicherheit des (Bio-)Gemüses in den heimischen Regalen ist groß. Am Mittwoch haben Sie die Möglichkeit, an zwei Experten Fragen zum Thema zu stellen: In der Telefonstunde der Kleinen Zeitung stehen Ihnen Landessanitätsdirektor Odo Feenstra und Anna Ambrosch von Bio Steiermark Rede und Antwort zu allem, was mit Lebensmittelsicherheit und Bio-Gemüse zu tun hat. Ab 10 Uhr werden die Leitungen geöffnet. Jene, die lieber online kommunizieren, können ihre Fragen per Live-Chat auf www.kleinezeitung.at stellen.

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Bild vergrößernHerbert Kain (Bio Steiermark) ist zuversichtlich Foto © Privat

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