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Zuletzt aktualisiert: 29.05.2011 um 21:40 UhrKommentare

Verseuchte Gülle: EHEC-Spuren führen nach Spanien

Wurden die Felder in der südspanischen Provinz Almeria mit verseuchter Gülle gedüngt? Die Ermittler schließen nicht mehr aus, dass die Ehec-Bakterien über verschmutzte Bewässerungsanlagen auf Salatgurken kamen. Am Montag werden Untersuchungsergebnisse veröffentlicht.

Foto © APA

Die Spur der mit Ehec-Bakterien befallenen Gurken führt immer deutlicher nach Spanien. Nachdem bereits in Deutschland und Dänemark infizierte Gurken aus Spanien sichergestellt wurden, tauchten am Wochenende auch in Tschechien verdächtige Lieferungen aus dem südeuropäischen EU-Land auf.

Auch wenn die spanischen Bauern im Gurkenskandal weiterhin empört alle Schuld von sich weisen und behaupten, ihre Produkte seien erst bei einem deutschen Großhändler oder in den belieferten Ländern verseucht worden. Die Ermittler schließen nicht mehr aus, dass die Ehec-Bakterien über kontaminierten Naturdünger oder verschmutzte Bewässerungsanlagen auf jene Salatgurken kamen, die auf Plantagen in der südspanischen Provinz Almeria wuchsen.

Am Montag erste Ergebnisse

Wie spanische Medien berichteten, untersuchen Inspektoren der Gesundheitsbehörde die Installationen eines Anbaubetriebes in Südspanien, auf dessen Feldern die belasteten Gurken gewachsen sein sollen. Auch zwei nahe Landwirtschafts-Kooperativen werden überprüft. Am Montag will die Regierung der südspanischen Region Andalusien erste Untersuchungsergebnisse mitteilen.

Schon vor Tagen vermutete der prominente spanische Mediziner Manuel Valenzuela, dass die gefährlichen Durchfall-Erreger "über kontaminierte Gülle oder daraus gewonnene Düngerprodukte" einige Gurkenfelder befallen haben. Die Millionen Gurken, die auf den riesigen Treibhausplantagen rund um die Stadt Almeria sprießen, werden über kleine computergesteuerte Düsen mit Wasser, Nährstoffen und künstlichem oder eben auch organischem Dünger versorgt.

Die Hamburger Gesundheitsbehörden hatten vergangene Woche auf dem Großmarkt der Stadt vier mit den Erregern infizierte Gurken sichergestellt. Drei - offenbar durchwegs Biogurken - wurden klar den spanischen Lieferanten zugeordnet. Die Vierte sei möglicherweise eine holländische Gurke, hieß es anfangs.

Falsche Spur

Die holländische Spur könnte jedoch ein Missverständnis sein. Denn der in Spanien produzierte Gurkentyp heißt offiziell "holländische Gurke". Es handelt sich um extra lange Salatgurken, die für den nordeuropäischen Markt angebaut und in Spanien nicht verkauft werden. Letzteres könnte erklären, warum es im Herstellerland selbst bisher keine Krankheitsfälle gibt. Spaniens Gurkenbauern beginnen derweil Millionen Kilo Gurken einzustampfen. Die Bauernverbände beklagen, dass Deutschland und auch die Nachbarländer alle Bestellungen aus Südspanien annulliert haben. Auch Tomaten und Kopfsalate, die zusammen mit den Gurken die Hauptexport-Produkte aus Spaniens größtem Gemüsegarten darstellen, seien kaum noch verkäuflich. Die Branche befürchtet Milliardenverluste und droht Deutschland und der EU mit einer Schadenersatzklage, sollten sich die Vorwürfe als unzutreffend herausstellen.

Spanien ist der größte Gurkenproduzent Europas und exportierte 2010 fast 450.000 Tonnen Salatgurken, die meisten in die EU. Spaniens Gemüsewirtschaft setzte im Vorjahr 15 Milliarden Euro um. Ein Zusammenbruch der Branche würde Zigtausende Arbeitsplätze in Gefahr bringen und Spaniens Wirtschaftskrise weiter anheizen.

RALPH SCHULZE, ALMERIA/MADRID

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