Springe zu: Inhalt | Hauptnavigation | Seitenleiste | Fußzeile
24. Mai 2013 01:10 Uhr | Als Startseite
Neu registrieren
Home » Chronik » EHEC
"Deutsche vertrauen jetzt auf unser Gemüse" EHEC-Erreger im Müll entdeckt Voriger Artikel Aktuelle Artikel: EHEC Nächster Artikel "Deutsche vertrauen jetzt auf unser Gemüse" EHEC-Erreger im Müll entdeckt
Zuletzt aktualisiert: 27.05.2011 um 21:24 UhrKommentare

Bereits sechs EHEC-Tote in Deutschland

Der gefährliche Darmerreger EHEC hat bereits sechs Todesopfer gefordert. In Österreich wurden die ersten zwei EHEC-Fälle diagnostiziert. Unterdessen wurde in Spanien ein Betrieb gesperrt, der verseuchte Gurken ausgeliefert haben soll.

EHEC-Bakterien

Foto © APAEHEC-Bakterien

In Deutschland sind bereits sechs Menschen am gefährlichen Darmerreger EHEC gestorben. Mehrere Menschen schwebten weiter in Lebensgefahr, zudem erkrankten binnen eines Tages in Deutschland weitere 60 Patienten an der schweren Komplikation HUS - so viele wie sonst binnen eines Jahres. "Wir müssen aufgrund der steigenden Zahlen immer noch von einem dynamischen Geschehen ausgehen", hieß es aus dem niedersächsischen Gesundheitsministerium in Hannover. Unterdessen wurden in Oberösterreich zwei EHEC-Keim-Verdachtsfälle bestätigt, zwei Deutsche wurden positiv auf den Erreger getestet.

Die spanischen Behörden nach Auskunft der EU-Kommission vorübergehend zwei Betriebe in Almeria und Malaga. Sie sollen für die Verbreitung der mit den gefährlichen EHEC-Keimen befallenen Gurken in Deutschland verantwortlich sein, teilte die Kommission am Freitagabend in Brüssel mit. Die Namen der Betriebe nannte die Kommission nicht. Boden-, Wasser und Produktproben seien genommen worden. Die Untersuchungen dauerten an. Zudem werde eine weitere mögliche Quelle - Gurken aus den Niederlanden oder aus Dänemark - untersucht.

Die Suche nach dem Ursprung des schlimmsten bisher in Deutschland registrierten EHEC-Ausbruchs ging weiter. Für viele Landwirte im Norden Deutschlands wird das Ergebnis in jedem Fall zu spät kommen: Sie sind gezwungen, tonnenweise Gemüse wegzuwerfen - kaum jemand mag es noch kaufen.

Von einer EHEC-Epidemie wollte man beim Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin noch nicht sprechen. Der Ausbruch sei noch zu regional und dauere nicht lange genug an, sagte eine Sprecherin. Bisher wurden - binnen etwa einer Woche - insgesamt rund 1000 bestätigte und EHEC-Verdachtsfälle registriert. Normalerweise werden in Deutschland im gesamten Jahr etwa 900 Infektionen mit den Bakterien gemeldet.

Erstmals beim aktuellen Ausbruch starb ein Mann an den EHEC-Folgen. Bei dem tot in seiner Hamburger Wohnung gefundenen 38-Jährigen wurde eine erste Probe positiv auf EHEC getestet. Der Mann war leblos von der Feuerwehr entdeckt worden, nachdem sein Arbeitgeber ihn als vermisst gemeldet hatte. In einem Bremer Krankenhaus starb eine über 70 Jahre alte Frau aus Cuxhaven. Zudem ließ sich der Tod einer 41-Jährigen auf EHEC zurückführen; sie stammte ebenfalls aus Cuxhaven.

Zuvor waren drei Todesfälle in Schleswig-Holstein, Bremen und Niedersachsen erfasst worden. Krankheitsfälle gibt es auch im Ausland: Schweden hat bisher 25 nachgewiesene EHEC-Erkrankungen, Dänemark sieben, Großbritannien drei, Österreich zwei und die Niederlande sowie die Schweiz je eine. Die beiden Betroffenen in Österreich waren mit dem Fahrrad von Norddeutschland gekommen.

Entwarnung gab unterdessen der Lebensmitteldiskonter Lidl: Laut internen Untersuchungen sind diese Woche zwar in Tirol und Vorarlberg spanische Salatgurken verkauft worden, diese stammen laut Lidl aber nicht aus den verseuchten Chargen. Das Gemüse wurde dennoch bereits am Donnerstag aus dem Handel genommen, die Kunden wurden informiert.

Aus Spanien und den Niederlanden wurde unterdessen heftige Kritik an den Veröffentlichungen deutscher Behörden zu EHEC-Quellen laut. Man habe bei der Europäischen Union (EU) eine Beschwerde gegen die deutschen Berichte eingelegt, teilte das Madrider Agrarministerium mit. Deutschland habe gegen EU-Regeln verstoßen, sagte der Staatssekretär Josep Puxeu. Die Behörden hätten zuerst die Presse unterrichtet und nicht - wie vorgeschrieben - die Instanzen der EU. Dadurch drohten der spanischen Landwirtschaft große Verluste.

Einer der betroffenen Erzeuger in Spanien, Frunet Bio in Algarrobo (Málaga), setzte sich gegen den Verdacht zur Wehr, EHEC-verseuchte Gurken ausgeliefert zu haben. Er äußerte den Verdacht, seine Gurken seien beim Sturz einer Palette während des Transports zum Hamburger Großmarkt verunreinigt worden - und nicht schon auf seinem Hof. Mehrere deutsche Fachleute hielten die Sturz-Theorie für Unfug.

In Hamburg erreichten die Kliniken wegen der zahlreichen EHEC-Fälle die Kapazitätsgrenze bei der Versorgung der Patienten. "Für mich ist diese EHEC-Welle viel ernster als die Schweinegrippe", sagte Reinhard Brunkhorst, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie. Vor allem gesundheitsbewusste Frauen seien betroffen. "Es ist absolut schockierend, wenn man eine Patientin Anfang 30 hat, die kaum noch sprechen kann und Krampfanfälle hat."

EHEC-Keime sind eine besonders gefährliche Form des Darmbakteriums Escherichia coli. Der Erreger ist vor allem deshalb gefährlich, weil nach Expertenangaben rund 10 bis 100 der winzigen Bakterien ausreichen, um den Durchfall auszulösen. Bei anderen Infektionen sind um ein Vielfaches mehr Erreger nötig, damit es zur Erkrankung kommt. Das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) ist eine schwere EHEC- Verlaufsform, bei der giftige Stoffwechselprodukte des Bakteriums zu Nierenschäden führen können.


KLEINE.tv

EHEC-Verschwörungen: "Ist nur Theorie"

Der Vorstand am Hygiene-Institut in Graz Egon Marth erklärt, warum es se...Bewertet mit 5 Sternen

 




Seitenübersicht

Zum Seitenanfang