Fieberhafte Suche nach dem tödlichen Bakterium
Nach der blitzartigen Ausbreitung des Darmerregers EHEC in Deutschland suchen die Behörden fieberhaft nach den Ursachen. Vorportionierte Salate werden im Labor auf den tödlichen Keim getestet.

Foto © APA
Die Gesundheitsbehörden in Deutschland haben am Mittwoch weiter fieberhaft nach der Ursache für die zahlreichen Infektionen mit dem Darmkeim EHEC gesucht. Eine eindeutige Infektionsquelle konnte aber dem zuständigen Robert-Koch-Institut (RKI) zufolge nicht identifiziert werden. Die Zahl der schweren Darmerkrankungen nahm unterdessen weiter zu. Der zur Zeit in Deutschland diskutierte mögliche Bakterienstamm wurde in Österreich nicht nachgewiesen.
"Die derzeit ausbruchsartig in Deutschland auftretenden Erkrankungsfälle machen auch den österreichischen Gesundheitsbehörden Sorgen", hieß es aus dem Gesundheitsministerium in Wien. Die österreichische Behörde ist über das Europäische Frühwarnsystem für Infektionskrankheiten in ständigem Kontakt mit den deutschen Kollegen. "Wir beobachten die Situation."
140 Fälle gemeldet
In Deutschland wurden dem RKI zufolge bereits rund 140 Fälle des sogenannten hämolytisch-urämischen Syndroms (HUS) gemeldet. Das durch die EHEC-Bakterien verursachte HUS kann zu akutem Nierenversagen führen. Am Dienstag waren dem RKI erst 80 HUS-Fälle bekanntgewesen. Die hohe Zahl der schweren Verläufe von EHEC-Infektionen ist extrem ungewöhnlich. Laut RKI gibt es sonst pro Jahr nur rund 60 Fälle.
Laut österreichischem Gesundheitsministerium gibt es nicht nur Fälle in Deutschland, auch in Schweden sind fünf sowie in den Niederlanden und in Großbritannien jeweils ein HUS-Fall bekannt. Durch welches Bakterium diese Nierenversagen ausgelöst wurden, sei nicht nicht bekannt. Die betroffenen Personen waren im Mai in Norddeutschland unterwegs, die Infektion wurde offenbar nicht durch Nahrungsmittelexporte ausgelöst, so das Gesundheitsministerium.
Kein gesonderter Krisenstab
Die deutsche Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) will vorerst aber keinen gesonderten Krisenstab einrichten. Sein Ministerium stehe ständig in engem Kontakt zu den betroffenen Bundesländern und zuständigen Behörden, "damit wir gemeinsam und schnell die Infektionsursache eingrenzen und finden können", sagte Bahr am Mittwoch in Berlin. Es gebe bestehende Einsatzmechanismen, "die funktionieren, deshalb sehe ich keinen Grund, einen Krisenstab einzurichten".
Bahr hob hervor, das dem Gesundheitsministerium zugehörige Robert-Koch-Institut arbeite "mit Hochdruck" an der Suche nach der Infektionsursache. Deshalb sei er optimistisch, dass die Ursache der schweren Erkrankungen bald gefunden werde.
Trotz erster Hinweise steht der Grund für die rasante Verbreitung des Darmkeims aber weiterhin nicht fest. Bisher sei kein einzelnes Lebensmittel als Quelle identifiziert, erklärte RKI-Präsident Reinhard Burger nach Angaben des Bundestages im Gesundheitsausschuss. "Es könnte Gemüse sein, das roh verwendet wurde." Dafür gebe es aber keine Belege.
Vorportionierte Salate im Verdacht
Im Verdacht stehen derzeit vorbereitete Salatprodukte. Die Leiterin des Hamburger Medilys-Labors, Susanne Huggett, sagte dem Fernsehsender ARD: "Im Moment sind Salatprodukte im Fokus." Die Quelle sei aber noch nicht gefunden. Ein Sprecher der Asklepios-Kliniken, zu dem das Labor gehört, sagte, es gebe Hinweise auf vorbereitete Salatteile wie etwa in Salatbars.
Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) warnte vor voreiligen Erklärungen für die rasante Ausbreitung. "Das sind alles Spekulationen", sagte Aigner am Mittwoch im ARD-"Morgenmagazin". Es könne noch nicht gesagt werden, welches die Quelle für den Ausbruch dafür sei.
In Niedersachsen starb möglicherweise erneut eine Frau an den Folgen einer EHEC-Infektion. Die 1970 geborene Frau aus dem Landkreis Cuxhaven sei wegen des durch den EHEC-Erreger verursachten sogenannten hämolytisch-urämischen Syndroms (HUS) behandelt worden und am Mittwoch gestorben, teilte das niedersächsische Gesundheitsministerium in Hannover mit. Es werde derzeit untersucht, ob der EHEC-Erreger bestätigt werden könne. In Niedersachsen und Bremen waren bereits zwei Frauen vermutlich im Zusammenhang mit EHEC-Infektionen gestorben. Beide waren nach Behördenangaben mit dem Erreger infiziert.
Bei einem Todesfall in Schleswig-Holstein stellte sich unterdessen heraus, dass die mit EHEC infizierte Frau nicht an der Infektion mit dem Erreger gestorben ist. EHEC sei nicht die Todesursache gewesen, sagte der Sprecher der Asklepios-Kliniken in Hamburg. Die Frau lag in Bad Oldesloe in einem Krankenhaus des Klinikbetreibers.









