Chile: Schwindel bei der Live-Übertragung
Es war wohl die spektakulärste Rettungsaktion in der Geschichte des Bergbaus. Nun kratzt ein Enthüllungsbericht in Buchform am makellosen Image des Einsatzes.

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33 chilenische Bergarbeiter hielten im vergangenen Sommer und Herbst über zwei Monate die Weltöffentlichkeit in Atem. Vom 5. August 2010, als ein Teil der Mine San Jose nahe der chilenischen Stadt Copiapo einstürzte und die Kumpel einschloss, bis zum Beginn der dramatischen Rettungsaktion in der Nacht auf den 13. Oktober waren die 33 Bergleute 68 Tage in 700 Meter Tiefe eingeschlossen, die ersten 17 ohne Verbindung zur Außenwelt. Was sich dabei wirklich, sowohl bei den 33 Kumpel im Stollen als auch bei den Helfern, bis zur Rettung abspielte, will das Buch "33 Männer lebendig begraben", verfasst von dem britischen Journalisten Jonathan Franklin, beleuchten.
Kamera fiel aus
Was etwa die mitfiebernden Zuseher nicht wussten: Die Kamera, die die Rettung filmte, fiel zwischendurch aus, wie bild.de berichtete. Um 1.30 Uhr krachte es plötzlich und die Kamera war blind. Schuld war eine Steinlawine, die das Verbindungskabel unter sich begraben und zerstört hatte. Um die Seilwinde für die Rettungskapsel optimal bedienen zu können, waren die Helfer jedoch auf Live-Bilder angewiesen.
Deshalb musste ein Bergarbeiter in den instabilen Schacht hinunterklettern und die Verbindung wieder herstellen. Diese Aktion wurde dem Publikum allerdings vorenthalten. In der Zwischenzeit sendete das chilenische Fernsehen kommentarlos alte Bilder aus der Grube.
Drei Kumpel wurden aus der Grube gerettet, während die Live-Übertragung brach lag. Aufgezeichnete Szenen mussten herhalten.
Alles offenlegen
Die Panne während der Rettungsaktion ist aber bei weitem nicht alles, was enthüllungswert scheint. Franklin hatte "als einziger Journalist uneingeschränkten Zugang zu allen Bereichen der Minengesellschaft und allen Treffen des Rettungsteams", wie auf dem Klappentext geworben wird. Herausgekommen ist ein minuziöser Report, der das Leben und die Konflikte der Eingeschlossenen untereinander genauso wie zwischen den Kumpeln und den Helfern "oben" beleuchtet.
So schildert der Autor, wie trotz der offiziellen Führungsrolle von Luis Urzua unter den Bergleuten immer mehr Mario Sepulveda der Leitkumpel wird. Auch den privaten Verwicklungen des ebenfalls eingeschlossenen Yonni Barrios mit dem Kampf seiner Ehefrau und seiner Geliebten um den Platz an seiner Seite räumt Franklin Platz ein. Er lässt nichts aus, auch nicht die Frage, was 33 Kumpel im mehr oder weniger besten Alter mit ihren sexuellen Bedürfnissen machen, wenn sie 68 Tage unter Tage eingeschlossen sind. Die geforderten Puppen und Kondome wurden ihnen verwehrt. Stattdessen schickten die Helfer ihnen Pornohefte in den Stollen.










