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Zuletzt aktualisiert: 09.07.2012 um 11:00 UhrKommentare

Die Ärmsten der Welt stehen vor einer Katastrophe

"Wir müssen diese Tragödie beenden - es ist möglich, wir müssen nur wollen": Caritas-Präsident Franz Küberl warnt vor einer Hungerkrise in der Sahelzone. Besonders im Niger ist die Situation dramatisch: Ausgedörrtes Land, hungernde Frauen und Männer, schwer unterernährte Kinder - und kein Regen.

19 Millionen Menschen sind von der Dürre betroffen

Foto © APA19 Millionen Menschen sind von der Dürre betroffen

Ausgedörrtes Land, hungernde Frauen und Männer, schwer unterernährte Kinder, Nahrungsmittelknappheit und Saatgut, das dringend Regen benötigt, um eine halbwegs einträgliche Ernte zu sichern - diese und zahlreiche andere, nicht minder besorgniserregende Eindrücke hat Caritas-Präsident Franz Küberl von einer Reise in den Niger sowie nach Burkina Faso "mitgebracht". Mit eindringlichen Worten richtete er deshalb am Montag in Wien seinen Appell an die Bevölkerung, aber auch an die Politik: "Wir müssen diese Tragödie beenden - es ist möglich, wir müssen nur wollen."

18 Millionen Menschen, davon allein 5,5 Millionen im Niger, sind vom Hunger bedroht. "Das bedeutet noch nicht den Tod, aber es ist ein Geschwür. Die Katastrophe konnte bisher abgewendet werden, doch das Drama, ob in den kommenden beiden Monaten genügend Regen fällt oder nicht, ist noch nicht entschieden", mahnte Küberl.

Zitiert

"Das bedeutet noch nicht den Tod, aber es ist ein Geschwür"
- Franz Küberl, Caritas-Präsident.

Die Caritas Österreich hat bisher rund eine Million Euro an Hilfsgeldern in mehr als 300 Sozialprojekte im Westsahel investiert. Ob Saatgutverteilungen, Essensausgaben, medizinische Behandlung von unterernährten Kindern, "Cash for Work" oder "Food for Work" - bisher konnten damit etwa 70.000 Betroffene erreicht werden. Küberl: "Die Hilfe kommt an und wird in beachtlicher Form umgesetzt." Besonders wichtig: Die Linderung von Hunger werde "gleichgeschaltet" mit der Verbesserung von Nachhaltigkeit, sprich: den Ausbau von Strukturen, die den von immer wiederkehrenden Dürren geplagten Bauern langfristig helfen sollen.

Regierung unter Zugzwang

Von der alljährlichen Augustsammlung erwartet sich der Caritas-Präsident in diesem Jahr mehr als üblich, soll heißen: über drei Millionen Euro. "Afrika ist kein Fass ohne Boden, sondern einfach ein riesiger Kontinent. Es wird noch viel Aufmerksamkeit, Interesse, Einsatz und Hilfe nötig sein. Die Welt ist eben noch nicht fertig. Aber es haben in Afrika Entwicklungen stattgefunden, die man vor zehn, fünfzehn Jahren noch nicht für möglich gehalten hat."

Lob und Tadel gab es von Küberl für die heimische Bundesregierung. Die zugesagten 1,5 Millionen Euro an Hilfsgeldern seien "gut und wichtig", dies könne aber "noch nicht alles gewesen sein. An der Erhöhung der Entwicklungshilfe führt kein Weg vorbei, wir brauchen diese Wohlstandsdividende", forderte der Caritas-Präsident. Österreich habe im Vorjahr 0,27 Prozent des BIP für Entwicklungshilfe veranschlagt - "da ist aber schon jeder rostige Reißnagel dazugezählt worden, der nur irgendwie nach Entwicklungshilfe gerochen hat".

Hilfe

Für die Bevölkerung hat sich die Caritas dieses Mal etwas ausgedacht: Wem Spenden zu wenig ist, der kann sich unter dem Motto "30 Tage Solidarität mit Hungernden" auf der Caritas-Website (siehe links) Tipps für einen nachhaltigeren Umgang mit den alltäglich zur Verfügung stehenden Ressourcen holen. Wer "nur" spenden möchte, dem sei gesagt, dass schon 25 Euro ausreichen, um eine ganze Familie in der Sahelzone mit Saatgut und Werkzeug für die Bewirtschaftung der Felder zu versorgen.


Spenden

Spendenkonto Caritas Österreich: PSK, Kto. 7.700.004,
Blz. 60000,
BIC OPSKATWW,
IBAN: AT 926 0000 0000 7700

Fakten

Der Niger ist aktuell das zweitärmste Land der Erde. Laut Human Development Index, einem Wohlstandsindikator der Vereinten Nationen, liegt das Land im Sahel auf dem 186. Platz von 187 Ländern.

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Foto © APA

Bild vergrößernBesonders Kinder leiden unter der DürreFoto © APA

Probleme

Das Land leidet unter einem starken Bevölkerungswachstum von 3,3 Prozent, eine Familie besteht im Schnitt aus sieben bis acht Kindern. Die Dürre ist derzeit nicht das einzige Problem des Niger.

Die Libyen-Krise hat dafür gesorgt, dass eine Viertelmillion Fremdarbeiter in ihre Heimat zurückkehren mussten und nun keinen Job finden.

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Bild vergrößernFoto © APA

Mangel

Internationalen Angaben zufolge fehlen im Niger im Moment 692.000 Tonnen Nahrungsmittel. Viele sind der Ansicht, dass eine Hungerkatastrophe mit möglicherweise zehntausenden Toten nur dann abzuwenden sei, wenn es im Juli und August ausreichend regnet.

Die für die Versorgung der Bevölkerung so wichtige Hirse etwa benötigt rund 120 bis 150 Tage um bereit zu sein für die Ernte. Normalerweise beginnt die Aussaat im Mai - heuer konnten die meisten Bauern noch nicht damit beginnen - oder büßten bereits ausgesätes Saatgut durch Trockenperioden ein.

Hungerkatastrophe

Die Vereinten Nationen haben in Teilen Somalias eine offizielle Hungersnot erklärt. Das ist die höchste von fünf Alarmstufen in einem Frühwarnsystem der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO). Eine Hungersnot ("Catastrophe") wird ausgerufen, wenn mehr als 30 Prozent der Kinder unterernährt sind und täglich zwei von 10.000 Menschen durch Lebensmittelknappheit ums Leben kommen. Die höchste Alarmstufe soll die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit wecken. Politische Vollmachten sind damit nicht verbunden.

 

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