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Zuletzt aktualisiert: 31.05.2012 um 15:20 UhrKommentare

Eine Milliarde Menschen hungert

Täglich sterben weltweit 7.000 Kinder an den Folgen von Unterernährung, trauriger "Hotspot" ist nach wie vor Afrika. Seit 1990 konnte der weltweite Hunger um lediglich ein Fünftel reduziert werden.

Viele Hungersnöte sind von Menschen verursacht

Foto © APViele Hungersnöte sind von Menschen verursacht

Fast eine Milliarde Menschen hungern, täglich sterben rund 7.000 Kinder an den Folgen von Unterernährung. Trauriger "Hotspot" ist nach wie vor Afrika, wo aktuell in der Sahelzone mehr als 18 Millionen Menschen aufgrund von Dürre und Nahrungsmangel vom Tod bedroht sind. Im Vorfeld der morgen, Freitag, beginnenden internationalen Hunger-Konferenz in Wien forderte Caritas-Präsident Franz Küberl: "Wir müssen endlich vom Reden zum herzhaften und tatkräftigen Tun kommen."

"Zukunft ohne Hunger" ist der Titel bzw. das Motto der Konferenz, an dem namhafte Experten aus 20 Ländern teilnehmen werden. Angekündigt war auch der ehemaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan, der jedoch kurzfristig absagen musste. Bis zu 700 Gäste werden erwartet.

Laut FAO leben 578 Millionen Menschen, die nicht genug zu essen haben, in Asien, 239 Millionen in Afrika, 53 Millionen in Lateinamerika, 37 Millionen im Nahen Osten bzw. Nordafrika und 19 Millionen in den übrigen Regionen der Welt. Zwei Drittel der Hungernden leben in lediglich sieben Ländern: Bangladesch, China, Demokratische Republik Kongo, Äthiopien, Indien, Indonesien und Pakistan. Darüber hinaus haben 884 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Von Menschen verursacht

Hungerkatastrophen werden leider oftmals von Menschen verursacht: Geringe landwirtschaftliche Erträge durch veraltete Anbaumethoden und unzureichende Lagerung, hohe Getreidepreise, instabile Regierungen, bewaffnete Konflikte, Monokulturen, Benachteiligung von Frauen, Klimawandel, globaler Agrarhandel und Landraub sorgen in Regionen, wo ohnehin latenter Nahrungsmangel herrscht, für eine zusätzliche Verschärfung der Situation.

"Erstmals in der Menschheitsgeschichte haben wir die Chance, absolute Armut und Hunger zu beseitigen. Es braucht einen nationalen und internationalen Schulterschluss gegen den Hunger und für nachhaltige Ernährungssicherheit , damit sich substanziell etwas an der Lage der betroffenen Menschen ändert", forderte Küberl im Gespräch mit der APA.

Kritik übte der Caritas-Präsident an der Bundesregierung: "Es wurden 1,5 Millionen Euro für die Menschen in der Sahelzone zugesichert, das war ein guter Schritt. Erst auf akute Katastrophen zu reagieren, ist jedoch zu wenig. Ich fordere die österreichische Bundesregierung auf, die Kürzungen bei der Entwicklungszusammenarbeit zurückzunehmen." Die aktuellen Zahlen der OECD bestätigen Küberl. Laut dem Bericht hat Österreich 2011 nur 0,27 Prozent des Bruttonationaleinkommens (BNE) für Entwicklungshilfe ausgegeben, was einem Rückgang von 14,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Mehr gekürzt haben nur Griechenland (minus 39,3 Prozent) und Spanien (minus 32,7 Prozent).

Milleniumsziel wird 15 Jahre zu spät erreicht

Ebenfalls wenig erfreulich: Seit 1990 konnte laut UNDP der weltweite Hunger in den Entwicklungsländern um lediglich ein Fünftel reduziert werden. Damit bleiben bis 2015 nur noch gut zweieinhalb Jahre, um das UN-Millenniumsziel, die Halbierung des weltweiten Hungers, zu erreichen.

Bei der Caritas-Hungerkonferenz werden unter anderem Kristalina Georgieva, EU-Kommissarin für Internationale Zusammenarbeit, humanitäre Hilfe und Krisenbewältigung, Mohan Munasinghe, als Vizevorsitzender des Weltklimarates der Vereinten Nationen (IPCC-AR4) Träger des Friedensnobelpreises 2007, und Tesfai Tecle, ehemaliger Vizegeneraldirektor der UN-Ernährungsorganisation FAO, sowie Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga, Präsident der Caritas Internationalis zu Wort kommen.

Im Rahmenprogramm gibt es einen Gedenkgottesdienst im Stephansdom (Fr, 18.00 Uhr) und ein Benefizkonzert im Museumsquartier (Fr, 19.00 Uhr). Ebenfalls am Freitag, ab 19.15 Uhr, wird die Kirche Am Hof zur Caritas-Kirche mit Hungerschwerpunkt. Zur Stärkung wird ab 22.30 Uhr ein afrikanischer Eintopf vom Canisibus serviert. Am Samstag findet um 16.30 Uhr bei der Pestsäule am Graben eine Abschlusskundgebung statt mit Caritas-Präsident Küberl und Caritasdirektor Michael Landau statt.


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Grafik © APA

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Hungerkatastrophe

Die Vereinten Nationen haben in Teilen Somalias eine offizielle Hungersnot erklärt. Das ist die höchste von fünf Alarmstufen in einem Frühwarnsystem der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO). Eine Hungersnot ("Catastrophe") wird ausgerufen, wenn mehr als 30 Prozent der Kinder unterernährt sind und täglich zwei von 10.000 Menschen durch Lebensmittelknappheit ums Leben kommen. Die höchste Alarmstufe soll die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit wecken. Politische Vollmachten sind damit nicht verbunden.

 

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