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Zuletzt aktualisiert: 24.08.2011 um 21:53 UhrKommentare

"Jetzt sterben unsere Tiere, dann auch wir"

Die Hungerkatastrophe am Horn von Afrika breitet sich immer weiter aus. Schuld daran sind vor allem das Wetter- Phänomen "La Nina" und der grausame Bürgerkrieg in Somalia.

Tausende Kinder leiden Hungerqualen

Foto © ReutersTausende Kinder leiden Hungerqualen

Kein einziger Grashalm, Staub, wohin das Auge reicht - so beschreibt Florians Lems die derzeitige Situation in Nordkenia. Der 36-Jährige ist seit Anfang August im Auftrag der Caritas Österreich in der Region Marsabit unterwegs, um sich an Ort und Stelle vom Ausmaß der Katastrophe ein Bild zu machen. Noch immer fehle es an Nahrung und Trinkwasser. Vor allem der Tod der Kamele lässt die Menschen verzweifeln: "Jetzt sterben die Tiere, als Nächstes sterben wir."

Die fatalsten Folgen hat der Hunger für Kinder, Schwangere und stillende Mütter. "In Bubisa habe ich eine Frau und ihren Sohn Jillo getroffen. Der Bub ist drei Jahre alt, sieht aber aus wie ein Baby", erzählt Lems. Die Mutter habe sich geschämt, weil sie ihr Kind nicht ernähren könne. Doch das soll sich bald ändern: Neun Monate lang will die Caritas 30.000 Menschen in Marsabit mit Gutscheinen versorgen, mit denen sie sich Lebensmittel kaufen können. Zudem sollen 11.200 Menschen drei Monate mit Trinkwasser versorgt werden.

Ostafrika, und speziell das Horn von Afrika, sind seit vielen Jahren berüchtigt für periodisch auftretende Dürren und Hungersnöte. Aber was sich derzeit zwischen Äthiopien, Kenia und Somalia abspielt, hat es seit 60 Jahren nicht mehr gegeben. Schuld daran ist unter anderem das Wetterphänomen "La Nina" - die Schwester vom berühmteren Bruder El Nino. Sie intensiviert die Westwinde über dem Indischen Ozean, wobei Feuchtigkeit aus Ostafrika in Richtung Australien getrieben wird. Das Resultat: Überflutungen in Ozeanien, Dürre in Ostafrika. Noch schlimmer als die Dürre ist aber die Tatsache, dass in Somalia seit 20 Jahren ein grausamer Bürgerkrieg tobt. Die vom Hunger am stärksten betroffenen Regionen kontrollieren die islamistischen Milizen, die die Bevölkerung drangsalieren.

MONIKA SCHACHNER GERALD WINTER ERNST HEINRICH

Hungerkatastrophe

Die Vereinten Nationen haben in Teilen Somalias eine offizielle Hungersnot erklärt. Das ist die höchste von fünf Alarmstufen in einem Frühwarnsystem der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO). Eine Hungersnot ("Catastrophe") wird ausgerufen, wenn mehr als 30 Prozent der Kinder unterernährt sind und täglich zwei von 10.000 Menschen durch Lebensmittelknappheit ums Leben kommen. Die höchste Alarmstufe soll die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit wecken. Politische Vollmachten sind damit nicht verbunden.

 

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