Die meisten Hungernden sind unter 18 Jahre alt
Neun von zehn Flüchtlingen im Lager Dolo Ado an der äthiopisch-somalischen Grenze sind keine 18 Jahre alt. Kinderhilfsorganisation schlägt Alarm: Familien verkaufen ihre Töchter, um nicht zu verhungern.

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Die Flucht vor dem Hungertod am Horn von Afrika geht weiter. Bereits 140.000 Menschen drängten sich in die vier Camps von Dolo Ado an der äthiopisch-somalischen Grenze. 87 Prozent von den Betroffenen sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahre, so die Kinderhilfsorganisation World Vision am Dienstag. Indessen werden aus der Not immer mehr Mädchen zum Heiraten verkauft.
Viele von ihnen verloren ihre Familienangehörigen auf den meist tagelangen Märschen von ihren Heimatgebieten in die Flüchtlingscamps. "Unsere Hilfsmaßnahmen konzentrieren sich deshalb hauptsächlich auf Kinder", erklärte Kevin Mackey, World Vision-Koordinator des Hilfseinsatzes. Neben der Lieferung von Nahrung und Wasser, liegt der Schwerpunkt auf der Errichtung von mobilen medizinischen Stationen und kindgerechten Räumen.
"Während die meisten Hilfsaktionen und das Medieninteresse auf Dabaab, das größte Flüchtlingslager in Kenia gerichtet ist, entwickelt sich hier in Dolo Ado ein neues Epizentrum dieser Hungerkatastrophe", berichtete Mackey. "Hier herrscht die höchste Sterblichkeitsrate der Welt", zitierte er eine Statistik der Vereinten Nationen.
Unterdessen steigt die Zahl der in Kenia durchaus üblichen Zwangsheiraten erheblich. Regionalbehörden sehen den Hunger als treibende Kraft hinter dem schwunghaften Handel. "Mütter nehmen ihre 14-jährigen Töchter aus der Schule und verkaufen sie an einen Mann, selbst einen alten Mann, um den Rest der Familie ernähren zu können."
Nach Informationen der Vereinten Nationen besucht nur noch jedes fünfte Mädchen in den Nordöstlichen Regionen Kenias die Schule. Die Hilfsorganisation Word Vision kann von den insgesamt 3.060 unterstützten Kindern aus der Provinz mehr als 400 Mädchen nicht mehr ausfindig machen. Angeblich wurden sie zu Verwandten in anderen Gebieten gebracht, um dort etwa als Putzfrau zu arbeiten. In den meisten Fällen dürften die Mädchen aber zwangsverheiratet worden sein, vermutet Mitarbeiter von World Vision, "damit der Rest der Familien nicht verhungert".










