Dürre in Afrika: Helfer in Somalia rechnen mit Verschlimmerung
SOS-Kinderdörfer: Größere Katastrophe als in 90er Jahren wahrscheinlich.

Foto © APTausende flüchten aus der Hungerregion
Helfer in der Hungerregion in Somalia rechnen mit einer weiteren Zuspitzung der Lage. "Es scheint erst der Anfang zu sein", sagte Ingrid Famula von der Hilfsorganisation SOS-Kinderdörfer weltweit. "Der Höhepunkt scheint noch nicht erreicht." Eine schlimmere Katastrophe als in den 90er Jahren sei wahrscheinlich. SOS-Kinderdörfer ist seit Jahrzehnten in dem Land verwurzelt. Die Organisation war geblieben, als die Milizen nach 1992 mehrere andere Hilfsorganisationen aus dem Land verbannten mit der Begründung, sie seien politisch aktiv gewesen.
Die Situation in den beiden Lagern bei der Stadt Baidoa im Landesinnern, in denen sich rund 50.000 verzweifelte Menschen versammelt hätten, sei katastrophal. Täglich gebe es Tote. Es gebe keine sanitären Anlagen. Nur 20 Toiletten genügten hygienischen Anforderungen. Vor allem aber gebe es nur einen einzigen Brunnen. "Die größte Angst ist, dass ein Kampf ums Wasser ausbricht." Derzeit werde fieberhaft am Bau eines weiteren Brunnens gearbeitet.
Die Helfer hätten bereits begonnen, Lebensmittel in die beiden Flüchtlingslager "Imam Schafiki" und "Ibn Abbas" nahe Baidoa zu bringen. "Wir fangen an, Nahrungsmittel zu kaufen und zu verteilen oder auch Gutscheine auszugeben, die die Menschen auf den örtlichen Märkten einlösen können", sagte Famula. Eine mobile Klinik mit Ärzten aus der SOS-Kinderdörfer-Klinik in Mogadischu ist in den Lagern im Einsatz. Seit Samstag arbeiten dort zwei der insgesamt neun Ärzte aus der Hauptstadt. Auch im größten Flüchtlingscamp bei Mogadischu seien Helfer der Organisation seit dem Wochenende im Einsatz.
Wahrscheinlich müssten die Menschen mehrere Monate in den Lagern leben. Denn solange sie nichts zu essen hätten und ums Überleben kämpften, sei an eine Rückkehr in ihre Heimatdörfer überhaupt nicht zu denken. Selbst wenn jetzt Regen komme, gebe es zu wenige, die die Felder bewirtschaften könnten.
Insgesamt seien wahrscheinlich eine halbe Million der rund 8,6 Millionen Einwohner auf der Flucht, berichtete Famula. In dem Land gebe es keine Infrastruktur. Auch das sei ein Grund für die Zuspitzung der Lage. "Organisationseinrichtungen sind aufgelöst. Es gibt kaum jemanden, der einen Überblick hat." Das mache es sehr wahrscheinlich, dass die Katastrophe länger andauern werde.
Die Menschen lebten in Somalia stets am absoluten Minimum. "Wenn dann das Klima nicht mehr mitspielt, beginnt ganz schnell die Katastrophe." Allerdings sind offensichtlich im Land noch Lebensmittel zu haben, doch "es fehlt im Moment an Geld", sagte Famula.











