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Zuletzt aktualisiert: 10.03.2008 um 22:56 Uhr

Ein fahrender Künstler

Der gebürtige Rosentaler Hannes Gröblacher (31) ist der U-Bahn-Zeich ner Wiens. Er importiert damit eine urbane Kunstform nach Österreich.

Gut eine Stunde verbringt Landschaftsarchitekt Hannes Gröblacher täglich in der Wiener U-Bahn. So erledigt er berufliche und private Wege. Bis vor zwei Jahren tat der Kärntner Slowene dabei, was alle tun: warten. Warten, bis die Strecke von A nach B absolviert ist. Für die Fahrtdauer in Lethargie verharren. Doch damit ist Schluss.

U-Bahn. Gröblacher wollte diesen 1000 Momenten, die da an ihm vorüberziehen, Beachtung schenken. Und weil Zeichnen schon immer irgendwie seines war, begann er, andere Fahrgäste zu portraitieren. Ein Tabubruch, denn: "Man muss sein Gegenüber direkt anschauen, um es zeichnen zu können. Das ist am Anfang eine Überwindung, im Kontext U-Bahn fast etwas Intimes, so als würde ich jemandem unter den Rock schauen." Die Reaktionen sind geteilt. Verärgerung, peinliches Berührt-Sein, aber viel öfter Lächeln und Stolz. "Ich biete eine Kommunikationsbrücke an. Es ist schon vorgekommen, dass ich mit einem meiner Modelle dann auf ein Bier gegangen bin."

Subway sketches. 50 Zeichenhefte und viele tausend U-Bahnfahrer-Portraits später gab es im Vorjahr erstmals eine große Ausstellung seiner "U-Bahn-People". Mit dazugehörender Umhänge-Taschen-Linie, "die wurde ein Selbstläufer", schmunzelt der 31-Jährige. Gröblacher ist damit der erste sichtbare österreichische Vertreter einer neuen Kunstform, die in anderen Metropolen wie Toronto, New York oder Berlin bereits unter "Subway sketches" firmiert.

Lebensqualitätsberater. Derzeit feilt er wieder an einer Ausstellung, die noch im Frühjahr in Wien eröffnet wird. Gröblacher wohnt seit zehn Jahren in Wien und weiß seine Zeit auch zu nutzen, wenn er nicht gerade mit der U-Bahn unterwegs ist. Er ist Kung-Fu-Schüler und ausgebildeter Lebensqualitätsberater. Und wenn ihm die Stadt mit all ihren Gesichtern doch mal zu voll wird, fährt er heim, zu den Eltern und der Schwester - nach St. Jakob im Rosental.

JOHANNA BAINSCHAB

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