Zehn Jahre "pro mente kinder jugend familie" in Kärnten
Für den Obmann und Klagenfurter Kinderneurologie-Primar Georg Spiel ist die Einrichtung ein "beispielhaftes Modell für kinder- und jugendpsychiatrische Versorgung".
Während in Wien an einer Reform der Kinder- und Jugendpsychiatrie noch gearbeitet wird, feiert in Kärnten 2008 eine Einrichtung ihr zehnjähriges Bestehen, die nach Meinung deren Obmanns, Georg Spiel, Vorstand der Abteilung für Neurologie und Psychiatrie des Kindes- und Jugendalters am LKH Klagenfurt, als "beispielhaftes Modell für die kinder- und jugendpsychiatrische Versorgung auch in anderen Bundesländern" gelten könnte: der Verein "pro mente kinder jugend familie", der sich der psychischen und sozialen Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen widmet.
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Ihm sei "früh bewusst gewesen, dass Therapien bzw. Interventionen nur dann nachhaltig sind, wenn man sich auch um die Zeit nach einem stationären Aufenthalt kümmert bzw. diese gleich durch ambulante Dienste ersetzt", erklärte Spiel im Gespräch mit der APA. Weil solche für die Patienten notwendigen Angebote vom Gesundheitssystem nicht zur Verfügung gestellt würden, habe er den Verein "pro mente-kijufa" gegründet, der mittlerweile 100 Mitarbeiter beschäftigt und über ein Jahresbudget von rund vier Mio. Euro verfügt.
Betreuung.
Ein Beispiel für die Betreuung von Jugendlichen nach einer Therapie im Krankenhaus sind die drei von "pro mente" in Kärnten betriebenen therapeutischen Wohngemeinschaften. Dabei werden 13- bis 18-Jährige in einem Stufenmodell möglichst bis zu einem selbstständigen Wohnen betreut und gleichzeitig deren Integration in den Arbeitsmarkt angestrebt. "Hilfe in außergewöhnlichen Übergangssituationen" sollen zwei Kriseninterventionszentren in Klagenfurt und Spittal/Drau bieten. In diesen kleinen, gemeindenahen Zentren wird sowohl ambulant als auch stationär kurzfristige Hilfe geboten.
Workshops.
Als Präventiv-Maßnahme zur Gesundheitsförderung nennt Spiel "niederschwellige Jugendtreffs" etwa in Klagenfurt, wo verschiedene Workshops beispielsweise zur Stärkung des Selbstwertgefühls Jugendlicher angeboten werden. Zudem werden sogenannte "peer helper" ausgebildet: Jugendliche, die fundiertes Wissen zu gesundheitsrelevanten Themen - von Drogen bis zur Verhütung - in die Gleichaltrigengruppe kommunizieren sollen. Geradezu "überrannt" werden laut Spiel zwei entwicklungsdiagnostische und therapeutische Mini-Ambulatorien des Vereins in Wolfsberg und St. Veit.
Zusammenarbeit.
Das Budget für diese verschiedenen Aktivitäten kommt laut Spiel aus völlig unterschiedlichen Quellen. Einen Teil des Erfolgs des Modells führt er auf die "gute Kooperation zwischen intra- und extramuralem Bereich", also von Spital, Verein und anderen Institutionen wie etwa der Jugendwohlfahrt, zurück. Ohne ein derartiges Modell käme es oft zu verspäteten Interventionen, einer vermehrten Notwendigkeit stationärer Aufenthalte sowie einer höheren Wahrscheinlichkeit einer Wiederaufnahme ins Spital, ist Spiel überzeugt. Zudem gelinge es mit diesen gemeindenahen, niederschwelligen Angeboten, auch einen Teil der großen Dunkelziffer bei kinder- und jugendpsychiatrischen Problemen abzuarbeiten.











