Geschenke erhalten die Spielsucht
Die Politik diskutiert über eine Verbot des Kleinen Glücksspiels. Umworben mit Gratis-Getränken verzocken Süchtige bis zu 600 Euro pro Spiel.
Draußen mag der Frühling schüchterne Vorboten vorausschicken, hier drinnen herrscht ewige Dunkelheit, nur durchbrochen vom grellen Blinken der Automaten, die dicht nebeneinander stehen. Lokalaugenschein einer von Dutzenden Spielhöllen Kärntens, es ist früher Nachmittag. "Um diese Zeit herrscht weniger Betrieb", sagt die Angestellte. Nur die Abgebrühtesten stehen vor den Automaten und setzen Geldschein um Geldschein auf Zitronen, Orangen und Melonen, die in Windeseile über den Bildschirm flitzen.
Sucht. "Das sind die Süchtigen", sagt die Kellnerin. In ihrer Stimme mischt sich Mitleid mit Verachtung. Junge Männer, alte Männer, selbstbewusste Frauen in teuren Mänteln, die ohne links und rechts zu blicken auf die Automaten im Hinterzimmer zusteuern. Die Gewinnchancen? "Wenn du hundert Euro reinsteckst, bekommst du mit Glück 20 zurück", sagt einer der Spieler. Warum er dann spielt? Er lacht. Verlässt "seinen" Automaten, um zum nächsten zu gehen, 50 Euro hineinzustecken, auf einen Knopf zu drücken. Dann kehrt er zurück zu seinem Stammplatz. "Ein Bier, bitte!" Getränke sind für Spieler kostenlos.
Geschenk des Hauses. Der Anfänger hat nach fünf Minuten zehn Euro verzockt. Danach kommt eine Angestellte und bringt weitere zehn Euro vorbei - als Geschenk des Hauses.
Bis zu 600 Euro Einsatz. Doch nicht nur Automaten locken. An der Theke kann man auf Hunderennen setzen, die im Vier-Minuten-Takt über den Bildschirm jagen. Bis zu hundert Euro Einsatz pro Hund und Spiel sind möglich. Wagemutige setzen auf mehrere Hunde gleichzeitig. Maximaler Einsatz: 600 Euro.
15.000 Spielsüchtige. Experten schätzen, dass es in Kärnten 15.000 Spielsüchtige gibt, Tendenz steigend. Seit Einführung des "kleinen Glücksspiels", also der Konzession für Spielhöllen außerhalb der staatlichen Casinos Austria, hat sich die Anzahl verhundertfacht. SPÖ, Grüne, FPÖ und Teile der ÖVP drängen angesichts dieser Zahlen auf ein Verbot der einarmigen Banditen. Klar gegen ein Verbot ist Landeshauptmann Jörg Haider (BZÖ), der auf üppige Steuereinnahmen verweist, ÖVP-Landesrat Josef Martinz ist noch zögerlich. Für den Ausstieg ist hingegen sein Parteifreund, ÖAAB-Chef Hubert Pirker, der sich morgen im ORF Kärnten der Diskussion mit Gegnern und Befürwortern eines Verbots stellt.
Features
Streitkultur
Radio Kärnten Streitkultur zum Thema Glücksspiel mit Helmut Kafka (Automatenverband), Margit Harrich (Suchtberaterin), Hubert Pirker, Uwe Scheuch (BZÖ-Landesrat), Peter Kaiser (SP-Klubchef). Morgen 21,04 Uhr, Radio Kärnten.











