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Zuletzt aktualisiert: 24.02.2008 um 05:00 Uhr

Die "Mama" von einem ganzen Bezirk

Antonia Wurzer (95) ist eine der bekanntesten Kärntner Hebammen. Sie wird heute noch "Mutter Wurzer" genannt.

Lebenslustige Seniorin: Antonia Wurzer geht seit 68 Jahren zum selben Friseur

Foto © KLZLebenslustige Seniorin: Antonia Wurzer geht seit 68 Jahren zum selben Friseur

In den 1930er-Jahren kam Antonia Wurzer nach Villach, wo sie im Krankenhaus zur Frontschwester ausgebildet wurde. Als der Erste Weltkrieg zu Ende war, benötigte der Chefarzt Hebammen. Also besuchte Wurzer die Hebammenschule in Klagenfurt. Der weitere Berufsweg führte sie ins Krankenhaus nach Waiern und von dort nach einem Jahr erneut zurück nach Villach.

Langer Fußmarsch. Ihre Arbeit als Hebamme verlangte der heute 95-Jährigen, die im Mai den 96. Geburtstag feiert, einiges ab. Es gab kaum Telefone, um Rettung oder Arzt zu verständigen. Wenn "Mutter Wurzer", wie sie die Menschen noch heute nennen, von einer bevorstehenden Geburt informiert wurde, musste sie sich meist beeilen, um rechtzeitig zu der werdenden Mutter zu kommen, da sie oft ein bis zwei Stunden Fußmarsch vor sich hatte. "Es kam vor, dass das Kind schon geboren war, wenn ich eintraf, oder dass die Geburt in vollem Gange war." Mehr als 3000 Kindern verhalf sie ans Licht der Welt.

Hebammenbuch. Antonia Wurzer musste aber auch erleben, dass Frauen ihre Kinder nicht annehmen wollten. Sie ließen sie einfach im Krankenhaus zurück. "Leider passiert dies heutzutage immer noch. Tragischerweise wird nicht jedes ungewollte Baby in einer Babyklappe abgegeben", bedauert die rüstige Seniorin. Auch Vaterschaftsprozesse fanden schon statt. Hebammen wurden vom Gericht als Zeugen geladen. Sie führten ein Hebammenbuch, in dem jede Kleinigkeit, die das jeweilige Baby betraf, festgehalten wurde. Dies beinhaltete über Kopf- und Schulterlänge auch die Form der Ohren des Kindes. Die Richter sahen sich das Hebammenbuch durch und schlossen aufgrund der Angaben auf den Vater.

Mutter von drei Kindern. Wurzer ist eine lebenslustige, selbstbewusste Frau, die auf ihr Äußeres achtet und seit 68 Jahren zum selben Friseur geht. Sie ist selbst Mutter von drei Kindern. An ihre Zeit als Hebamme erinnert sie sich gerne zurück - und auch an so manches Kuriosum. So nahm es eine werdende Mama mit der Hygiene nicht ganz genau. Als Wurzer nach geglückter Geburtshilfe nach Hause ging, wurde sie von Flöhen geplagt.

DISA BRANDENBERGER

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Wurzer in ihrer Schwesterntracht mit einem Neugeborenen im ArmFoto © KLZ

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