Pflege: "Groteske Situation"
Volkshilfe, Caritas, Hilfswerk und Wirtschaftskammer wehren sich gegen den Zick-Zack-Kurs der Regierung. Sie fordern: Eine Grundsatzdebatte und das Ende der schnellen Lösungen.

Foto © APA
Schön langsam könnte man Bücher mit der Debatte füllen. Nach dem jüngsten Einlenken der Regierung, was die 24-Stunden-Betreuung durch ausländische Helferinnen betrifft (es gibt wieder eine Amnestie), peilen Kdolsky, Buchinger & Co nun eine Kompetenzerweiterung für die Personenbetreuung an. Da platzt den großen Pflegedienstleistern im Land der Kragen.
Empört. "Wir erleben eine groteske Situation. Einerseits gibt es klare Rahmenbedingungen, andererseits soll die 24-Stunden-Pflege liberalisiert werden. Das kann keine Lösung sein", schimpft etwa Gerald Mussnig vom Hilfswerk.
"Tausende Jobs gefährdet". Franz Ferner, Geschäftsführer der Volkshilfe sieht es noch drastischer. "Ausländische Helferinnen kosten 1300 bis 2000 Euro pro Monat und gelten gemeinhin als leistbar. Nur, das kann jeder von uns in einem Kurs innerhalb eines Tages lernen. Was wir in Österreich anbieten, nein, was wir anbieten müssen, ist eine Heimhilfe, die 400 Stunden Ausbildung hinter sich hat. Wir müssen penible Qualitätskriterien erfüllen, die noch dazu in jedem Bundesland anders formuliert und oft nicht nachvollziehbar sind. Wir bieten aber auch Pflegehilfe und Hauskrankenpflege an. Das sind alles Fachkräfte, aber davon redet keiner. Im Gegenteil: Was die Regierung da macht, gefährdet tausende Arbeitsplätze."
"Nicht leistbar". Brigitte Schafarik, Geschäftsleiterin der Mobilen Dienste der Volkshilfe: "Natürlich ist eine 24-Stunden-Pflege nicht leistbar. Für niemanden. In der Debatte geht es aber auch um Betreuung - und darin liegt der große Unterschied." Unterschiedliche Dienste, unterschiedliche Aufgabenbereiche. Selten sei es notwendig, jemanden 24 Stunden zu betreuen, "ein echter Pflegefall der Stufe sieben kann nur in Ausnahmefällen zu Hause gepflegt werden".
"Zu wenig diskutiert". Auch Maria Gschaider von der Caritas kritisiert, dass in Österreich "viel zu wenig über Alternativen diskutiert wird. Da gibt es international die verschiedensten Varianten der Hilfe, in Österreich setzt sich seit Jahren aber kaum ein Politiker mehr damit auseinander. Und wenn, dann werden dabei oft die Begriffe durcheinander gebracht."
Features
Foto

Franz Ferner, Volkshilfe-GeschäftsführerFoto © Erwin Scheriau











